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DEFA - Stiftung - Ditges, Anna

Ditges, Anna

„Jemand fragte mich einmal, ob ich besonders gerne Filme über Frauen mache – mir war das bis dahin nicht aufgefallen, aber es stimmt. Meine Filme stellen dabei oft verschiedene Generationen ins Zentrum. Die vier Frauen aus Honduras gehen je nach Alter ganz unterschiedlich mit den Umbrüchen in ihrer Gesellschaft um. Ein ähnliches Phänomen beschreibe ich im Portrait einer Spätaussiedlerfamilie, Frauen verschiedener Generationen kommen mit verschiedenen Erfahrungen und Erwartungen hierher, die die Integrationsbereitschaft beeinflussen. Auch mein Film über Hilde Domin erzählt von der Begegnung einer älteren und einer jüngeren Autorin, was mir erst später bewusst wurde“, beschreibt Anna Ditges den Roten Faden ihres bisherigen Oeuvres.

Die Filmemacherin will Brücken zwischen Menschen schlagen, indem sie in das Leben der Porträtierten eintaucht und deren Situation emotional erlebbar macht. Dies gelingt ihr, weil sie nicht nur an der Oberfläche kratzt, sondern sich stets unvoreingenommen, intensiv und warmherzig auf die Menschen einlässt. Nachdem sie erfolgreich mehrere kurze und lange Dokumentarfilme inszeniert hat, wird sie sich dem fiktionalen Erzählen zuwenden.

Anna Ditges wird 1978 in Bonn geboren, dort wächst sie auch auf. Die Abiturphase möchte sie mit einem halben Jahr Aufenthalt in einem Land verbinden, dessen Sprache sie nicht spricht und in dem sie Neues entdecken kann. Die Wahl fällt auf Spanien, Valencia. Aus dem geplanten halben Jahr bei einer Gastfamilie und an der deutschen Schule werden zwei, in denen sie Spanisch perfekt lernt und dort das spanische und deutsche Abitur ablegt. „Diese beiden abenteuerlichen aber auch schweren Jahre haben mich geprägt. Ich war auf mich gestellt, habe mich oft einsam gefühlt und musste mich mit Menschen einer fremden Kultur und mit mir selbst auseinandersetzen.“

Das Interesse für Sprache fließt in Anna Ditges berufliche Ziele ein. „Ich habe viele Sprachen angefangen zu lernen, um ein Gefühl für die Kultur zu erhalten.“ Nach dem Abitur schwankt sie zwischen Film, Kunst und Journalismus. „Dokumentarfilme zu drehen war für mich als Kind ein Traum, weil ich mich stets für Geschichten und Menschen interessiert habe. Ich konnte mir nur nicht vorstellen, wie und dass man das lernen kann.“ Im Berufsinformationszentrum stieß sie auf das Angebot der Kunsthochschule für Medien in Köln. Obwohl sie sich angesichts der geforderten Vorkenntnisse kaum Chancen auf einen Studienplatz ausrechnet, absolviert sie Vorbereitungs-Praktika beim Radio Bonn-Rhein-Sieg, am Bonner Schauspiel, in einer Fernseh-Nachrichtenagentur und dem Kulturhaus „Brotfabrik“ in Bonn.

1997 wird sie in Köln immatrikuliert. Fotografie und Grundlagen des Films umfasst ihr Grundstudium. Sie wählt Kamera und Schnitt dazu, „da ich als Filmemacherin möglichst viel Handwerkszeug beherrschen wollte, bevor ich die Aufgaben später den einzelnen Profis überlasse.“ Trotzdem verzettelt sie sich nicht, sucht die ihren Bedürfnissen und Zielen entsprechenden Partner und bewältigt das umfangreiche Studien-Pensum in vier Jahren. „Es war ein mühsamer Prozess, bei dem man sich seinen eigenen Weg suchen und sich durchboxen musste. Das war nicht leicht. Letztlich war es für mich der richtige Weg – wenn mich die Dozenten stärker geprägt hätten, hätte ich nicht so schnell mit dem erlernten Regelwerk spielen und meine eigene Handschrift bei `Hilde Domin` finden können.“

Ihr erster Studentenfilm VOM TRAUM DES FÜNFSTÖCKIGEN HAUSES – VIER FRAUEN IN HONDURAS führt sie zum zweiten Mal zum Indianerstamm der „Tawahka“ in eine abgelegene und schwer zugängliche Region des Regenwalds von Honduras. In Tegucigalpa hatte sie bereits ein Praktikum bei einem Journalisten absolviert. Nur ausgerüstet mit einem Solarequipment, geht sie gemeinsam mit einer honduranischen Kamerafrau von der Filmhochschule in Havanna für mehrere Monate in den Dschungel, um zu dokumentieren, inwiefern Hurricane Mitch 1998 die Lebensgrundlagen der abgeschieden lebenden Ureinwohner zerstört bzw. verändert hat.

Das Thema ihres Diplomfilms ICH BIN GRAD SO DEUTSCH WIE SIE – EIN DEUTSCH-RUSSISCHES FAMILIENBILD wird von ihrer Großmutter inspiriert, die aus dem Kaukasus stammt. Anna Ditges begleitet mit der Kamera die Integrationsbemühungen einer deutschstämmigen Familie aus Russland. „Ich wollte zeigen, wie deren Situation aussieht, wie sie mit den verschiedenen Kulturen umgehen, wie sie ihre Identität begreifen und ihre Träume aussehen und wo sie ihren Platz finden. Ihre Heimatlosigkeit hat mich berührt. Zugleich hat mich überrascht, dass sie, die Diskriminierung selber erfahren haben, oft ausländerfeindlich eingestellt waren.“

Anna Ditges gelingen Einblicke in eine Familie, die verständlich machen, warum Integration oft ein sehr mühsamer, vor allem auch schmerzlicher Prozess ist, bei dem Sehnsüchte und Träume auf der Strecke bleiben. Der 45-minutige Film wird 2003 im WDR ausgestrahlt.

Im Sender bestreitet Anna Ditges 2001 bis 2006 mit Jobs als Cutterin ihren Lebensunterhalt. Trotz der guten Verbindungen im Sender, gelingt es ihr zunächst nicht, die Redakteure für das Projekt über die Lyrikerin Hilde Domin zu begeistern, welches ihr so sehr am Herzen liegt, dass sie es über mehrere Jahre ohne finanzielle Unterstützung verfolgt. „Ich war mir entgegen der gängigen Argumentation, dass sich keiner für eine ältere Dichterin interessiere, immer sicher, dass Hilde Domin mit ihrer Persönlichkeit und Ausstrahlung den Film trägt. Es ist ja etwas Besonderes, dass man einen Menschen gerne so lange anguckt und dann auch noch einen alten, dabei war sie im Geist ein sehr junger Mensch. Ich habe ihre Falten und ihre lebendige Ausstrahlung geliebt und wollte diese außergewöhnliche Frau in meinem Film festhalten und auch anderen näher bringen. Schönheit, Nähe und Distanz, Vergänglichkeit und Einsamkeit sind dabei ja aktuelle Themen, die jeden angehen und die auch Hilde und mich stetig begleitet haben.“

Durch Zufall stößt Anna Ditges auf die Gedichte von Hilde Domin, als eine Buchhändlerin sie bittet, ihr Platz zu machen, damit sie „die Domin“ einsortieren könne. Eine kurze Begebenheit, die auch Teil des Films wird. Der Gedichtband „Nur eine Rose als Stütze“ rührt die Filmemacherin zu Tränen. „Ich habe mich selbst in ihren Gedichten wieder gefunden, weil sie – wie Hilde Domin selbst sagt - exemplarische Erfahrungsmodelle sind. Über sie habe ich aber überhaupt erst den Zugang zu Lyrik gefunden.“

Nach Recherche und ersten Kontaktaufnahmen steht für die Regisseurin fest: Wenn die Chemie stimmt und sie das Vertrauen der in Heidelberg lebenden Autorin findet, möchte sie einen Film über sie drehen. Die Kamera ist bereits beim ersten Treffen dabei. In den folgenden Monaten wird sie Begleiterin bei den Begegnungen der Beiden bleiben. Oft ist es ein liebevolles Spiel zwischen ihr und der Dichterin, ob die Kamera mitlaufen darf. Langsam nähern sich die beiden Frauen an, gewinnen Vertrauen zueinander, stecken Grenzen, die sie bereit sind einreißen zu lassen. Diesem oftmals sehr intimen Prozess beiwohnen zu können, macht die Stärke des Films mit aus. „Sie war eine unglaublich starke Persönlichkeit, die gerade auch von jungen Menschen gefordert hat, dass sie sich auf sie einlassen und mit ihr auseinandersetzen. Mehr als 90 Prozent der Drehzeit habe ich mich auf sie und ihren Lebensrhythmus eingestellt, das habe ich gerne getan. Sonst wäre ich ihr auch in meiner Beobachtung und im Gespräch niemals so nah gekommen. Ich meine, je mehr man bereit ist, sich selbst auf einen anderen Menschen einzulassen, desto mehr kommt auch zurück.“

Ohne Anna Ditges Bereitschaft, zwei Jahre das Leben mit Hilde Domin zu teilen, würde es diesen Film so nicht geben. Über die Nähe im Alltag gewinnt er Authentizität, Lebendigkeit und Frische. Die Filmemacherin kommt der allgemein als scheu, schwierig und egozentrisch geltenden Hilde Palm sehr nahe, die für sich als Dichterin das Pseudonym Domin gewählt hatte. Vor allem macht der Film die Frau hinter der Künstlerin lebendig, die ganz Kind ihrer Zeit ihre eigene berufliche Passion für ihren Mann zunächst hinten anstellt und erst später zu schreiben beginnt. Ihre Biografie ist nicht nur in dieser Hinsicht Spiegel der Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert. Sehr offen erzählt die Sozialdemokratin, die Deutsche jüdischen Glaubens und Emigrantin in Italien, England und der Dominikanischen Republik von den Stationen ihres Lebens.

Als Koproduktion zwischen punktfilm, Anna Ditges und mehreren öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern, unterstützt durch eine Förderung der Filmstiftung NRW, kommt der Film in die Kinos und erreicht mehr als 30.000 Zuschauer. Für die Filmemacherin Anna Ditges sind die Begeisterung des Publikums, der Juroren und Kritiker Bestätigung.

Der Erfolg des Dokumentarfilms ermutigt sie zu einem Schnitt. Sie gibt die Jobs als Cutterin auf und konzentriert sich auf ihre Arbeit als unabhängige Autorin, Regisseurin und Produzentin und sucht sich für jedes Projekt die adäquaten Partner.

Im Winter 2009 geht Anna Ditges an die New York Film Academy, wo sie einen zweimonatigen Intensivkurs zum Thema Drehbuchschreiben belegt. „Das Realisieren von Spielfilmen lag für mich bisher in ferner Zukunft. Jetzt ist es mir ein Bedürfnis geworden, mich mit fiktionalen Erzählformen auseinanderzusetzen. Es gibt Geschichten, die mich bewegen und die ich erzählen will, die ich aber in der Realität nicht finden kann.“

Anna Ditges künstlerische und private Heimat bleiben Köln und das Rheinland. „Die Menschen und die Atmosphäre halten mich. Hier habe ich meine Wurzeln und fühle ich mich zu Hause.“

verfasst von Katharina Dockhorn
Stand: Januar 2009

Anna Ditges