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DEFA - Stiftung - Kühn, Siegfried

Kühn, Siegfried

Der Regisseur und Drehbuchautor Siegfried Kühn inszeniert in 20 Jahren beim DEFA-Studio für Spielfilme zwölf Filme. Mit der liebevollen Komödie DAS ZWEITE LEBEN DES FRIEDRICH WILHELM GEORG PLATOW (1973) dreht er einen der interessantesten Filme der Zeit, der auch heute noch überzeugt. Nach seiner öffentlichen Parteinahme für die polnische Solidarnosc-Bewegung wird er seitens der politischen Verantwortlichen beobachtet.

Siegfried Kühn wird am 14. März 1935 in Breslau geboren. Er wächst bei seinen Großeltern in Ölschen (Schlesien) auf. Als die Familie im Frühjahr 1945 das Land verlassen muss, geht sie in den westlichen Teil Berlins. 1950 zieht die Familie nach Ost-Berlin. Mit 15 Jahren beginnt Siegfried Kühn im Bergbau zu arbeiten. Bis 1958 wird er in diesem Bereich tätig sein, absolviert zwischen 1952 bis 1955 eine Ausbildung zum Bergbau-Ingenieur.

1958 beginnt Siegfried Kühn an der Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg ein Regie-Studium. Nach einem Jahr studiert er an der Moskauer Filmhochschule (WGIK). Er lernt bei dem Regisseur Sergej A. Gerassimow, der unter anderem mit dem Monumentalfilm DER STILLE DON (1957) erfolgreich ist. Während des Studiums beschäftigt er sich intensiv in Studentenaufführungen mit Bertolt Brecht. 1964 schließt er mit dem Diplom ab und bleibt zunächst in Moskau. In den Studios der Mosfilm dreht er den Film SIE KOMMEN NICHT DURCH (1965). Am Satirikon-Theater inszeniert er das Stück "Der Prozess Richard Waverly" von Rolf Schneider.

1966 kehrt Siegfried Kühn in die DDR zurück. Zunächst arbeitet er am Deutschen Theater in Berlin unter dem Regisseur und Theaterleiter Benno Besson als Aspirant, bis er 1967 seinen ersten Dokumentarfilm vorlegt. DAS ROTE PLAKAT (1967). Der Film kommt 1973 in die Kinos. Danach ist er im DEFA-Studio für Spielfilme angestellt, arbeitet als Regieassistent von Günter Reisch bei dessen Komödie JUNGFER, SIE GEFÄLLT MIR (1968) mit.

Der erste Film des Regisseurs ist IM SPANNUNGSFELD (1970). Erzählt wird vom Mathematiker Dr. Jochen Bernhardt, der mit der Einführung in die EDV in einem Werk beauftragt wird. Er setzt sich für Veränderungen im Arbeitsablauf ein, die zu mehr Effektivität führen sollen. Dadurch werden Auseinandersetzungen und Diskussionen mit den Arbeitern hervorgerufen, es kommt zu Kündigungen. Am Ende setzt ein Prozess des Umdenkens ein. Das Werk reiht sich in die damals aktuelle Thematik "Der Mensch in der wissenschaftlich-technischen Revolution" ein, zu der auch Filme wie NETZWERK (1969) von Ralf Kirsten oder ZEIT ZU LEBEN (1969) von Horst Seemann zählen. Auch in seinem nächsten Film inszeniert Siegfried Kühn mit ZEIT DER STÖRCHE (1971) wieder einen Gegenwartsstoff, den er aber mehr auf der privaten und intimen Ebene ansiedelt. Während eines kurzen Urlaubs lernen sich eine Lehrerin und ein Ölbohr-Arbeiter kennen und lieben. Die Begegnung mit einem ungewöhnlichen Menschen animiert sie zum Ausbruch aus ihren gelebten Konventionen. Mit Heidemarie Wenzel und Winfried Glatzeder (in seiner ersten Filmrolle) ist der Film glänzend besetzt und hat Erfolg beim Publikum.

Mit seinem nächsten Werk dreht der Regisseur einen der wichtigsten Filme der Zeit: DAS ZWEITE LEBEN DES FRIEDRICH WILHELM GEORG PLATOW (1973). Geschildert wird die Geschichte des 57jährigen Bahnwärters Platow, der überflüssig wird, weil sein Streckenabschnitt elektrifiziert wird. Aber Platow will sich nicht zur Ruhe setzen. Anstelle seines Sohnes besucht er einen Weiterbildungslehrgang und beweist den Jüngeren, dass er durchaus in der Lage ist, Neues zu verstehen und umzusetzen. Der Film blickt in zärtlicher Komik auf Platow, ist überaus menschlich und anrührend inszeniert. Der Schauspieler Fritz Marquardt ist die ideale Besetzung, verhalten und verschmitzt spielt er den Platow. Der Kameramann Roland Dressel findet pointierte Bilder. Der Film zählt zu den herausragensten Werken des Regisseurs und ist eine der besten Komödien der DEFA. Zu einer Premierenfeier kommt es allerdings nicht. Premieren wie Rezensionen sind nicht erwünscht. Grund mögen die kritischen Töne und die ungewöhnliche Form des Films sein, der mit hintergründigen Bildern und Dialogen aufwartet. Der Film startet nur mit wenigen Kopien, läuft fast nur in Programmkinos und wird mit einem Exportverbot belegt.

Danach wagt sich Siegfried Kühn an eine Literaturverfilmung, die er aktuell bearbeitet: WAHLVERWANDTSCHAFTEN (1974) von Johann Wolfgang von Goethe. Eduard und Charlotte ziehen sich während der Napoleonischen Kriege auf ihr Schloss zurück, um ihre freundschaftlich-konventionelle Ehe zu führen. Nach kurzer Zeit laden sie sich Wahlverwandte ein, den Hauptmann und die Pflegetochter Ottilie. Bald fühlt sich jeder zum anderen hingezogen, und das Paar trennt sich. Auf dem Feld der Historie bewegt sich sein nächster Film. UNTERWEGS NACH ATLANTIS (1977) erzählt vom deutschen Archäologen Bohmann, der sich auf die Suche nach dem sagenumwobenen Atlantis macht. Der Film kann bei Zuschauern und Kritikern keinen Erfolg erzielen; einigen Kritikern ist der Film zu harmlos in Szene gesetzt. Danach konzentriert sich der Regisseur wieder auf Gegenwartsstoffe. Mit DON JUAN, KARL-LIEBKNECHT-STR. 78 (1979) inszeniert er einen sehr persönlichen Film. Erzählt wird von einem Opernregisseur in der Mittlebenskrise, der in der Provinz "Don Giovanni" auf die Bühne bringt. An drei Frauen - der Ehefrau, der Sängerin der Donna Anna und der Sängerin der Donna Elvira - erprobt er seine Don-Juan-Qualitäten. Zwar ist der Film mit Hilmar Thate prominent besetzt, kann aber nicht überzeugen.

Anfang der 1980er Jahre reicht der Regisseur verschiedene Filmstoffe ein, die abgelehnt werden. Siegfried Kühn schreibt einen Brief an Kurt Hager, damaliges Politbüromitglied und Chefideologe. Er bemängelt die Ablehnung von Filmstoffen, die sich kritisch mit der DDR-Wirklichkeit auseinandersetzen. Eine Antwort erhält er nicht. 1980 bekundet der Regisseur auf dem Nationalen Polnischen Spielfilmfestival seine Sympathie für die Solidarnosc-Bewegung. 1982 folgt der Austritt aus der SED. Danach wird Siegfried Kühn durch die Staatssicherheit beobachtet.

Auch seinem folgendem Film ROMEO UND JULIA AUF DEM DORFE (1984) nach der Novelle von Gottfried Keller bleibt der Erfolg an den Kinokassen verwehrt. Nach dem Roman von Herbert Otto inszeniert der Regisseur DER TRAUM VOM ELCH (1986), der von den Lebensansprüchen einer Anästhesistin erzählt, die nach gescheiterter Ehe eine neue Liebe sucht. Die Komödie KINDHEIT (1986) trägt autobiographische Züge. Der Regisseur schildert die Erlebnisse eines neunjährigen Jungen zu Kriegsende mit seiner Großmutter und den Bewohnern eines Dorfes in Schlesien. Mit Carmen-Maja Antoni als Oma und Fritz Marquardt als Schweinedompteur eines Wanderzirkus ist die oft skurril inszenierte Geschichte brillant besetzt.

Ende der 1980er Jahre entsteht der Film DIE SCHAUSPIELERIN (1988) nach einem Roman von Hedda Zinner. In den 1930er Jahren verliebt sich die Schauspielerin Maria Rheine in ihren jüdischen Kollegen Mark Löwenthal. Sie macht Karriere, er darf nach den Nürnberger Gesetzen nicht mehr mit ihr in Kontakt treten. Aber Maria entscheidet sich für die Liebe. Der Regisseur inszeniert die Charakterstudie einer ungewöhnlichen Frau, die von Corinna Harfouch überzeugend gespielt wird.

Nach dem Zusammenbruch der DDR kann der Regisseur noch zwei Filme bei der DEFA realisieren. HEUTE STERBEN IMMER NUR DIE ANDEREN (1991) berichtet von der Freundschaft dreier Schauspielerinnen. Eine von ihnen hat Krebs. Ihre Freundschaft wird auf die Probe gestellt. In DIE LÜGNERIN (1992) schildert er das Leben der Dolmetscherin Titta, die von ihren Alltagsleben belastet, ihren Partner ausgedachte Geschichten auftischt. Sie verfolgt ihren Traum, nach Neuseeland zu gehen, resigniert nicht. Danach erhält der Regisseur keine Möglichkeiten mehr, Filme zu inszenieren.

Siegfried Kühn ist in erster Ehe mit Regine Kühn verheiratet, die als Drehbuchautorin und Szenaristin tätig ist. An einigen Filmprojekten arbeiten sie gemeinsam. Siegfried Kühn lebt in Potsdam. Seine zweite Ehe führt er mit der Schauspielerin Katrin Sass. Nach 16 Jahre Ehe lassen sich in Partner im August 2007 scheiden. Seit 2010 lebt er mit seiner dritten Ehefrau Irma Grefte in Calau.

verfasst von Ines Walk (www.film-zeit.de)
Stand: Januar 2005, aktualisiert 2013


Ausgewählte Auszeichnungen

  • 1971 IM SPANNUNGSFELD
    Heinrich-Greif-Preis 1. Klasse gemeinsam mit Helfried Schreiter
  • 1972 ZEIT DER STÖRCHE
    Heinrich-Greif-Preis Il. Klasse im Kollektiv
  • 1986 KINDHEIT
    Kritikerpreis "Die große Klappe" für den Besten Film
    Kritikerpreis "Die große Klappe" für die Beste Darstellerin an Carmen-Maja Antoni
  • 1988 DIE SCHAUSPIELERIN
    Kritikerpreis "Die große Klappe" für die Beste Darstellerin an Corinna Harfouch
    Kunstpreis des FDGB für Corinna Harfouch
    Preis für die Beste Darstellerin an Corinna Harfouch auf dem Filmfest in Karlovy Vary

Ausgewählte Literatur

Eigene Texte

  • Siegfried Kühn: Hilmar Thate, in: Ralf Schenk (Hrsg.): Vor der Kamera, Berlin Henschel Verlag 1995.

Fremde Texte

  • Erika und Rolf Richter: Gespräch mit Siegfried Kühn über den DEFA-Film IM SPANNUNGSFELD, in: Filmwissenschaftliche Beiträge, 1970.
  • Marlis Tico: Stationen, in: Filmspiegel, Nr. 09/1971.
  • Michael Hanisch, Barbara Nix: Rollen für Unbekannte. Besetzungsmethoden des Regisseurs Sieg-fried Kühn, in: Sonntag, Nr. 38/1972.
  • Beate Schönfeld: DIE WAHLVERWANDSCHAFTEN, in: B. S.: Das theoretische Problem der Transformation von epischen literarischen Werken in ein Kunstwerk der Gattung Film. Aus Theorie und Praxis des Films, Nr. 04/11, 1978.
  • Madina Spoden: Unterwegs nach ATLANTIS, in: DEFA-Filme 1976-77. Analysen. Aus Theorie und Praxis des Films, Nr. 02/1979.
  • Joachim Reichow: Siegfried Kühn - Regeneration des Menschen, in: Der Morgen, 30.08.1980.
  • o.A.: DON JUAN, KARL-LIEBKNECHT-STR. 78, in: Rezensionen und Meinungen zu den DEFA-Gegenwartsspielfilmen 1976-1980. Eine Dokumentation. Aus Theorie und Praxis des Films, Stu-dienmaterial, Nr. 08/1981.
  • Rolf Richter: Siegfried Kühn. Unterwegs zur Komödie?, in: Rolf Richter (Hrsg.): DEFA- Spielfilm-Regisseure und ihre Kritiker. Band 1. Berlin, Henschel Verlag 1981.
  • Helmut Ullrich: Der Traum vom Elch, in: Sonntag, 07.12.1986.
  • Marlis Linke: Auf der Suche nach Wandlung und Verwandlung, in: Filmspiegel, Nr. 19/1987.
  • Marlis Linke: Kindheit, in: Sonntag, 13.09.1987.
  • Lubo: Wiedersehen mit Babelsberg, in: Berliner Morgenpost, 31.10.1991.
  • Hans-Michael Bock: Siegfried Kühn, in: cinegraph, Loseblattsammlung.

Siegfried Kühn (m.) beim Dreh zu DAS ZWEITE LEBEN DES FRIEDRICH WILHELM GEORG PLATOW (1973)
Foto: © DEFA-Stiftung/Dieter Lück

Filmografie

  • 1992: Die Lügnerin
    Regie
  • 1991: Heute sterben immer die anderen
    Regie, Buch
  • 1988: Die Schauspielerin
    Regie
  • 1986: Kindheit
    Regie, Buch
  • 1986: Der Traum vom Elch
    Regie
  • 1984: Romeo und Julia auf dem Dorfe
    Regie, Buch
  • 1979: Don Juan, Karl-Liebknecht-Str. 78
    Regie, Buch
  • 1977: Unterwegs nach Atlantis
    Regie
  • 1974: Die Wahlverwandtschaften
    Regie
  • 1973: Das zweite Leben des Friedrich Wilhelm Georg Platow
    Regie
  • 1971: Zeit der Störche
    Regie
  • 1970: Im Spannungsfeld
    Regie
  • 1968: Jungfer, sie gefällt mir
    Regie-Assistent
  • 1967: Das rote Plakat
    Dokumentarfilm, Regie
  • 1965: sie kommen nicht durch
    Dokumentarfilm, Regie