Reinhard Kolldehoff


Reinhard (René) Kolldehoff, geboren am 29. April 1914 in Berlin als Sohn eines Postbeamten, übernimmt nach dem Abitur Statistenrollen am Großen Schauspielhaus und der Staatsoper Berlin, um sich sein Schauspielstudium zu finanzieren. Nach seinem offiziellen Bühnendebüt 1936 in Altenburg und Engagements in Remscheid, Danzig, Hamburg und Lübeck spielt er 1941 seine erste kleine Filmrolle in der Heinz-Rühmann-Komödie "Der Gasmann". Direkt danach wird er jedoch zur Wehrmacht einberufen, sodass er seine Schauspielkarriere erst nach dem Krieg fortsetzen kann.


Reinhard Kolldehoff (r.) in "Bürgermeister Anna" (1950)
Foto: DEFA-Stiftung/Erich Kilian

Ab 1945 tritt er zunächst am Berliner Hebbel-Theater auf, später an verschiedenen weiteren Berliner Bühnen wie dem Deutschen Theater und der Komödie, ab 1955 am Hamburger Schauspielhaus. Er konzentriert sich jedoch zunehmend auf das Filmgeschäft. Nach kleinen Rollen in DEFA-Filmen wie Erich Engels "Affaire Blum", in dem er den Lehrer Tischbein spielt, und Wolfgang Staudtes "Rotation", in dem er den SA-Mann Rudi Wille gibt, spielt er seine erste Hauptrolle in Hans Müllers "Bürgermeister Anna": Kolldehoff überzeugt als Kriegsheimkehrer Jupp Ucker, der zunächst nicht akzeptieren kann, dass eine Frau – seine frühere Freundin – den Bürgermeisterposten des Heimatortes bekommen hat. Erst durch die Anfeindungen anderer lernt er ihre Kompetenz und Umsicht schätzen.

Sein letzter Auftritt in einem DEFA-Film hat Kolldehoff in "Die letzte Heuer" (1951), in dem er einen unangenehmen Kommissar spielt. Es folgen zahlreiche Auftritte in westdeutschen und vermehrt auch in internationalen Produktionen, in denen er oft als "René Kolldehoff" firmiert. Meist spielt er einprägsame Nebenrollen, bei denen sein markantes Gesicht, die hünenhafte Gestalt und die tiefe, oft polternde Stimme ihn für finstere, brutale oder unbeherrschte Charaktere prädestinieren. Dementsprechend verkörpert er zahlreiche zwielichtige Typen und Kriminelle sowie Militärs.

Beim deutschen Film zählen zu seinen Arbeiten Unterhaltungsfilme wie "Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren" (1952), "Hoppla, jetzt kommt Eddie" (1958) oder "Heintje – mein bester Freund" (1970), Genrefilme wie "Urlaub auf Ehrenwort" (1955), "Der Frosch mit der Maske" (1959) und Fritz Langs "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" (1960), doch auch Literaturverfilmungen wie Helmut Käutners "Der Hauptmann von Köpenick" (1956) nach Zuckmayer oder Falk Harnacks "Jeder stirbt für sich allein" (1962, TV) nach Hans Fallada. Unter den spärlichen Hauptrollen ist der heimatvertriebene Dorfpfarrer in Peter Fleischmanns Satire "Das Unheil" (1971). Im Fernsehen ist er in zahlreichen Serien wie "Der Kommissar", "Derrick" und "Der Alte" zu sehen.

In internationalen Produktionen verkörpert Kolldehoff häufig den "hässlichen Deutschen" und den prototypischen Nazi, äußerst gelungen etwa in Paul Verhoevens "Soldaat van Oranje" ("Der Soldat von Oranien", 1977). Er arbeitet mit renommierten Regisseuren wie Claude Chabrol, Daniel Mann, Joseph Losey, Henri Verneuil, George Roy Hill und Paul Mazursky an der Seite unzähliger Stars von Alain Delon bis Roger Moore, Catherine Deneuve bis Jane Birkin. Zu seinen prägnantesten Rollen zählen der verwirrte deutsche Geschäftsmann in Jacques Tatis "Playtime" ("Tatis Herrliche Zeiten", 1967), der Baron von Essenbeck in Luchino Viscontis "La Caduta Degli Die" ("Die Verdammten", 1969) und der Reichsmarschall Hermann Göring im amerikanischen Mehrteiler "The Winds of War" ("Feuersturm", 1983).

Nach etwa 170 Rollen in Filmen aus etwa 30 Ländern markiert der Auftritt in der Fernsehserie "Forstinspektor Buchholz" (1989) seine letzte Rolle. Hier sitzt der am Parkinson-Syndrom und später außerdem an Diabetes erkrankte Kolldehoff bereits im Rollstuhl. Er kann danach nur noch eine Weile als Synchronsprecher arbeiten, dann muss er seine Karriere ganz beenden.

Reinhard Kolldehoff, in zweiter Ehe verheiratet und Vater von zwei Kindern, stirbt im Alter von 81 Jahren am 19. November 1995 in Berlin.

Quelle: Deutsches Filminstitut – DIF
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