Klaue, Wolfgang

Der Bewahrung und Pflege des deutschen Filmerbes widmet Wolfgang Klaue sein Leben. Mehrere Jahrzehnte prägt er das Staatliche Filmarchiv der DDR und die FIAF (Internationale Vereinigung der Filmarchive). Nach 1990 setzt er sich vor allem für die Bewahrung des DEFA-Filmstocks ein. Sein Wirken gilt weiter dem Ausbau von Filmarchiven in aller Welt, insbesondere in Staaten, wo dies bislang nicht im Fokus des Interesses stand.

Zunächst ist es eher ein Zufall, der den Filmenthusiasten nach seinem Philosophiestudium ins Archivwesen der DDR führt. Er sucht einen Job und freut sich über die Aufgabe, in der er seinem Hobby weiter treu bleiben kann. Aus der frühen Entscheidung für die „trockene“ Materie des Sammelns, Sichtens, Archivierens und Zugänglichmachens wird eine Leidenschaft, die das Leben von Wolfgang Klaue prägt. „Es gab nie Stillstand, sondern immer etwas Neues, der Beruf war nie Routine. Ich habe mich nie gelangweilt, weil uns der Alltag ebenso wie die Verwirklichung von Visionen gefordert hat.“

Wolfgang Klaue gehört zu den Pionieren des Archivierens von Filmen. Weltweit tasten sich in diesen Jahrzehnten Archivare an das Aufbewahren der Schätze der 7. Kunst heran. Eine Ausbildung gibt es nicht – stets ist „Learning by Doing“ angesagt. Unterschiedliche Ansätze zur Bestandssicherung, Restaurierung und Wiederaufführung von Archivfilmen bilden sich international heraus. Dass die DDR diesen Prozess aktiv mitgestaltet und der Austausch zwischen Ost und West auch in den bittersten Zeiten des Kalten Krieges nicht einschläft, ist auch der Persönlichkeit Wolfgang Klaues zu verdanken.

Zu seinen Verdiensten gehört auch, dass in seinem Haus mit der umfassenden Rekonstruktion von Filmen begonnen wird, die Geschichte geschrieben haben. Im Osten Berlins entsteht die erste restaurierte Fassung von Fritz Langs Klassiker METROPOLIS.

Wolfgang Klaue wird 1935 im Erzgebirge geboren. Nach etlichen Aufführungen in der Laienspielgruppe der Schule steht für ihn früh fest, er will zum Theater. Dramaturg ist sein Berufsziel. Der Abiturient nutzt ein Gastspiel des Theaters Glauchau-Crimmitschau in seiner Heimatgemeinde, um sich nach den Wegen zu seinem Ziel zu erkundigen. Der angesprochene junge Dramaturg Frank Beyer, später einer der besten Regisseure der DEFA, gibt ihm den Tipp, es an der Theaterhochschule in Weimar zu versuchen. Wolfgang Klaue fällt durch die Aufnahmeprüfung – ein Umstand, den er später als großes Glück empfindet, da er es durch die Ablehnung gelernt habe, eigene Talente und Fähigkeiten realistisch einzuschätzen.

Die Leipziger DHFK lässt Wolfgang Klaue im Sommer 1952 auch nicht zum Studium zu, obwohl er nach eigener Einschätzung ein passabler Leichtathlet ist. Da er nicht arbeitslos sein will, entscheidet er sich für einen der freien Studienplätze im Fach Philosophie an der Berliner Humboldt-Universität zu Berlin. In den beiden letzten Studienjahren spezialisiert er sich in Kulturwissenschaft. Beim Abgang 1957 steht Wolfgang Klaue vor der Wahl – entweder er wird Lehrer in seinem Fach an einer der zahlreichen Hochschulen der DDR. „Dazu reichte meine Überzeugung aber nicht aus.“ Oder er sucht sich selbst eine Stelle. Die findet er im Staatlichen Filmarchiv der DDR, das am 1. Oktober 1955 nach internationalem Vorbild gegründet worden war. Erster Direktor wurde Rudolf Bernstein, der ehemalige Leiter des Progress Film-Verleihs. Im April 1958 wird Gerhard Karsch Direktor des SFA. Im selben Jahr folgt Herbert Volkmann, bis dato ökonomischer Direktor des DEFA-Spielfilmstudios. Er hatte sich geweigert, unberechtigte Honorarforderungen von Autoren zu begleichen. Er leitet das Archiv bis 1969, prägt dessen Profil und wird erster Preservation Director der Fédération Internationale des Archives du Film (FIAF). Er veranlasst, dass der Wissensstand auf diesem Gebiet erstmals in einem „Handbook of Preservation“ zusammengefasst wird.

1956 absolviert Wolfgang Klaue ein Praktikum in dem gerade entstehenden Archiv und fängt Feuer. Filme sehen, Inhalte und Daten erfassen, alte Karteikarten und Zensurunterlagen sortieren, Hintergründe recherchieren – das macht ihm Spaß. Eine Stelle ist für ihn nach Studienabschluss nicht vorhanden. Erst nach einem dreimonatigen  Intermezzo als Dramaturg im DEFA-Studio für populärwissenschaftliche Filme findet er im Dezember 1957 im Staatlichen Filmarchiv der DDR eine Anstellung. Dort gestaltet er den Aufbau des Archivs mit. Von 1969 bis zur Vereinigung mit dem Bundesarchiv-Filmarchiv im Oktober 1990 ist Wolfgang Klaue Direktor des SFA. 1979 wurde er Präsident der Fédération Internationale des Archives du Film (FlAF). 1982 wird er für eine zweite Amtsperiode wieder gewählt.

Die FIAF erkennt das SFA schon 1956 als gleichberechtigtes Mitglied an – eine Seltenheit in jenen Jahren des Kalten Krieges, als die Bundesrepublik für sich allein das Recht beansprucht, Deutschland zu vertreten. Das SFA ist eine der wenigen Institutionen der DDR, die durch ihre Tätigkeit und ihre Ideen international Maßstäbe setzt. Es gibt erfolgreich Denkanstöße, um das Kulturgut Film zu schützen. So stößt es die 1980 verabschiedete UNESCO-Recommendation for the Safeguarding and Preservation of Moving Images an.

Trotz aller Erfolge - Wolfgang Klaues letzter Arbeitstag ist der 31. Dezember 1991. Er ist freiberuflich tätig, unter anderem für das Bundesarchiv/Filmarchiv und findet dann eine zweite Aufgabe, die unmittelbar mit seinem jahrzehntelangen Schaffen verbunden ist. 1998 wird er Vorstand der DEFA-Stiftung, die die Aufgabe erhält, den wertvollen Filmstock zu erhalten, die Rechte an den Schätzen der DEFA auszuwerten und mit den Erlösen die deutsche Filmkunst, insbesondere den Nachwuchs zu fördern.

Bis 2003 geht er in dieser Aufgabe auf. Zur Ruhe setzen will er sich mit dem Rentenbescheid nicht. Er ist nicht nur der Stiftung weiter verbunden, sondern engagiert sich innerhalb der FIAF für die Ausbildung von Filmarchivaren. In den 1960er Jahren veranstaltet das SFA zum ersten Mal eine so genannte FIAF-Sommerschule. Drei weitere folgen. Mehr als 100 Teilnehmer aus 30 Ländern erwerben Grundkenntnisse der Filmarchivierung. Die Idee dieser Sommerkurse hat Klaue nie losgelassen. 2011, wenn die FIAF in Südafrika tagt, werden sich dort nach einem von ihm entwickelten Konzept junge Archivare aus Afrika zur Fortbildung treffen.

Wolfgang Klaue hat stets den Geist mitbestimmt, in dem im Staatlichen Filmarchiv gearbeitet wird. Es untersteht nicht dem Ministerium des Inneren wie die anderen Archive der DDR, sondern ist eine selbständige Institution, die der HV Film des Ministeriums für Kultur unterstellt ist. Sie wird direkt aus dem Staatshaushalt finanziert. Sämtliche Einnahmen müssen wieder abgeführt werden. Der Etat sei nie üppig gewesen, Rohfilm, Chemikalien, Papier, Benzin, Fahrzeuge und alle anderen erforderlichen Arbeitsmittel, aber auch Baumaterialien wurden zugewiesen, erinnert sich Wolfgang Klaue.

Die Zuordnung zum Kulturministerium hat den Nachteil, dass die Löhne und Gehälter spärlicher ausfielen, als in anderen Archiven. Aber den Vorteil, dass das soziale und politische Klima unter den rund 180 Mitarbeitern, von denen 120 bis 130 mit archivspezifischen Arbeiten betraut sind, vergleichsweise liberal ist. „So lange der Laden lief, hatten wir gewisse Freiräume. Es war auch eine sehr illustre Mannschaft. Menschen, die aus politischen Gründen ihre Stelle verloren hatten, kamen bei uns unter. Es gab keine offenen Denunziationen und nach der Wende sind kaum Bespitzelungen bekannt geworden.“

Für die Professionalisierung der Arbeit und die Ausbildung seiner Mitarbeiter macht sich Wolfgang Klaue lange Gedanken. Filmarchivare werden nirgends ausgebildet. Dafür hat die DDR – auch eine Rarität – zumindest einen Hochschulstudiengang zur Ausbildung als Diplomarchivar unter Prof. Bodo Brachmann an der Sektion Geschichte der Humboldt-Universität etabliert. Einige Absolventen wie Helmut Morsbach finden von dort über Praktika den Weg ins Filmarchiv. Für die UNESCO entwickelt Wolfgang Klaue in den 1980er Jahren das Curriculum eines einjährigen Aufbaustudiums zum Filmarchivar mit, das an der Humboldt-Universität zu Berlin etabliert werden soll. „Ich habe nach der Wende die Idee noch dem damaligen Direktor des Bundesarchivs, Prof. Kahlenberg, schmackhaft gemacht. Durch die Abwicklung des Studiengangs Archivwissenschaft an der HU ist es dann aber im Ideenstadium stecken geblieben.“

Das Archiv ist zunächst in etlichen provisorischen Quartieren untergebracht. In den 1960er und 1970er Jahren wird ein Neubau geplant und errichtet, in dem die Filme bei optimalen klimatischen Bedingungen gelagert und bearbeitet werden können. Was auch dringend geboten war: In den provisorischen Lagern in Weißenfels und Königstein sind Millionen Filmmeter von Schimmel und Pilzen befallen. Der Bau mit seinen Filmbunkern setzt internationale Standards. „In der DDR war es gelungen, den Stellenwert des Filmarchivs so zu etablieren, dass ein Zweckbau in Wilhelmshagen nach dem damaligen modernsten technischen Standard genehmigt wurde. Die Klimaanlagen waren zwar Energievernichtungsanlagen, aber sie funktionierten. Vor allem die Klimatisierung des Farbfilmlagers bei Minusgraden war ein kompliziert zu lösendes technisches Problem. Dass wir eine Lösung gefunden haben, hat uns international viel Prestige eingebracht, denn die die Mehrzahl der Filmarchive war damals noch in der Aufbauphase, sammelte Filme, hatte aber wenig Geld, Mitarbeiter und Lagerkapazitäten.“

Trotz des Neubaus ist das Filmarchiv in den 1980er Jahren an elf Standorten untergebracht. Die Planung für eine Zentralisierung des Archivs sind abgeschlossen, drei Millionen Mark bereits ausgegeben als Mitte der 1980er Jahre der weitere Ausbau von Wilhelmshagen gestoppt wird. Der Wohnungsbau hat Priorität und die ökonomische Lage der DDR ist katastrophal.

Für Werterhaltungsmaßnahmen stehen dem Archiv nur rund eine Million Mark zur Verfügung. Das reicht bei weitem nicht aus. Die Folge sind undichte Dächer und poröse Wände. Selbst unübersehbare bauliche Mängel, die zu einer Gesundheitsgefährdung für die Mitarbeiter führen könnten, werden nicht behoben. So quillt der Asbest, der im Nitrofilmlager zur Eindämmung der Brandgefahr verbaut wurde, aus den Wänden.
Bei der Kopierung/Restaurierung von Filmen sei das Archiv im Vergleich mit den westlichen Ländern nie auf dem neuesten Stand gewesen - das wurmt Wolfgang Klaue noch heute. „Es wurde viel Geld fehlinvestiert, ehe allen Beteiligten klar war, dass das für kommerzielle Aufgaben ausgestattete DEFA-Kopierwerk nicht für die Restaurierung von Archivmaterial geeignet ist.“ Das Archiv richtet ein eigenes kleines Kopierwerk ein, da Importe von Kopiertechnik aus westlichen Ländern undenkbar sind. Die DEFA-Zentralstelle für Filmtechnik entwickelt für die Restaurierung von Archivmaterial eine Unterflüssigkeitskopiermaschine. Sie ist extrem störanfällig und erreicht auch nie die Qualität der westlichen Vorbilder, um geschrumpftes, zerkratztes oder verschrammtes Filmmaterial zu bearbeiten. Als die Elektronik dieses Segment erobert, vergrößert sich der Abstand. Die mangelnde technische Basis ist auch ein Grund, warum spektakuläre Restaurierungen seit Beginn der 70er Jahre nicht möglich sind.

Auch das EDV-Experiment ist, das räumt Wolfgang Klaue ein, kein Ruhmesblatt für das SFA. Um die Filme in dem stetig wachsenden Bestand zu finden, müssen sie nummeriert und katalogisiert werden. Im Archiv entstehen verschiedene Lösungsansätze. Freudig greift Wolfgang Klaue jedoch zu, als ihm in den 1970er Jahren zusätzliche Haushaltsmittel angeboten werden, um den Auftrag für ein EDV-Programm zur Katalogisierung von Filmen an ein Rechenzentrum zu vergeben. „Die in allen Bezirken errichteten Rechenzentren hatten enorme Überkapazitäten und mussten mit Arbeit versorgt werden. An der Software für ein EDV-Programm zur Katalogisierung des Filmbestands wurde zehn Jahre gewerkelt. Als das Programm endlich funktionierte war das Ende des SFA gekommen."

Das Archiv litt auch unter ökonomischen Zwängen der Volkswirtschaft der DDR. So kam Mitte der 1980er Jahre die Idee auf den Tisch, alle Filmkopien des Archivs auf Video umzuspielen, sie einzuschmelzen und daraus Silber zu gewinnen. „Ich habe damals nicht daran geglaubt, dass dies möglich sein könnte. Trotzdem war die Idee eine sehr ernsthafte Bedrohung, denn Silber war damals auf dem Weltmarkt sehr teuer. In einer Diplomarbeit ist deshalb nachgerechtet worden, wie hoch der Erlös aus dieser Art der Silbergewinnung sein könnte.“ In zwei Beratungen auf höchster Ebene kann Wolfgang Klaue das Ansinnen abwenden, das dadurch entstand, dass er seinen Plan zur Silbergewinnung stets erfüllt. Doch mehr ging nicht, das signalisiert er deutlich. „Es blieb dabei: Nur jene Materialien, die durch Umkopierung und nach sorgfältiger Prüfung zur Kassation bestimmt wurden, konnten zur Silberrückgewinnung verwendet werden. Das waren jährlich etwa 50 bis 70 Kilogramm Silber.“

Den Grundstock für die Sammlungen des Archivs bildeten die deutschen und internationalen Filme, die die sowjetische Armee 1945 in Babelsberg beschlagnahmte, dort verwaltete und 1954 an die DDR zurückgab. Jener Teil der Sammlung, die nach Moskau gebracht worden ist, lagert bis heute bei Gosfilmofond in Russland. Mitte der 1960er wurden die Verhandlungen über eine Rückgabe dieser wertvollen Bestände von sowjetischer Seite abrupt abgebrochen. In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre kommen die Gespräche wieder in Gang, werden aber vom Bundesarchiv/Filmarchiv in den 1990er Jahren nicht weiter geführt.

Der Bestand wird durch den Ankauf privater Sammlungen ständig ergänzt. Jeder Austausch, jede Benutzung und jeder Verkauf von Material muss bis Mitte der 1960er Jahre von der HV Film genehmigt werden. Dann können Wolfgang Klaue und seine Mitarbeiter weitgehend selbständig entscheiden. Die in der FIAF organisierten Archive arbeiten – jenseits aller ideologischen Grenzen des Kalten Kriegs – zusammen und ergänzen ihre Bestände.  Jedoch, so schränkt Klaue ein, der DDR fehlten die finanziellen Kapazitäten, um Filme deutscher Provenienz in anderen FIAF-Archiven und Staaten systematisch aufzuspüren und zu übernehmen.

Das Archiv sammelt alle Filme, die in den DEFA-Studios hergestellt werden. In fünf Jahrzehnten entstanden dort rund 950 Spielfilme und Kurzspielfilme, 820 Animationsfilme, 5.800 Dokumentarfilme und Wochenschauen, 4.000 deutschsprachige Synchronisationen ausländischer Filme. Das Archiv erhält auch nicht veröffentlichte und Restmaterialien aus der DEFA-Produktion, Fotos, Plakate, Drehbücher und ihre literarischen Vorstufen, Werbematerialien, Partituren und Zulassungsunterlagen. Eine Arbeitsgruppe Bestandsergänzung sorgt für die lückenlose Abgabe der Archivalien aus den Studios

„Die Abgabe der Archivalien aus den DEFA-Studios wurde erst Anfang der 1980er Jahre formell geregelt. Die Frage, wer Eigentümer der Negative, Kopien, Lavendel und sonstigen Materialien ist, blieb offen. Der Verleih war der Auffassung, dass ihm die Originalnegative gehören und er sie uneingeschränkt benutzen kann.“ Unverantwortliche Belastungen der Ausgangsmaterialien sind die Folge. Das Archiv stoppt diese Praxis. Aber erst mit der Vereinigung mit dem Bundesarchiv wird die Eigentumsfrage geregelt– das Bundesarchiv ist Eigentümer des Materials, die DEFA-Stiftung der Rechte an den Filmen der Studios.

Neben dem Verleih brauchen DEFA-Außenhandel und das Fernsehen der DDR, das seit Mitte der 1980er Jahre rund 800 Spielfilme jährlich sendet, Ausgangsmaterial. "Das DDR-Fernsehen war der wichtigste Nutzer des Archivs. Etwa 25 Prozent bis 30 Prozent des Fernsehprogramms stammte aus dem Staatlichen Filmarchiv, alle DEFA-Filme, alle synchronisierten ausländischen Filme, die in den Kinos der DDR gezeigt wurden. Das Fernsehen bezahlte jährlich eine Million Mark für die Dienstleistungen des Archivs. Störungsfrei verliefen die Beziehungen aber nicht.“ Beide Institutionen sind sich aber einig und setzen in den 1980er Jahren als gemeinsames Investitionsvorhaben den Bau eines Farbfilmbunkers durch. „Das Fernsehen nutzte einen Teil der Lagerkapazität für eigene Zwecke“.“

Auch in Richtung Westen werden Filme und Filmausschnitte verkauft – was zu juristischen Auseinadersetzung führt. So verklagte die Transit-Film, die die Rechte an den deutschen Produktionen bis 1945 für das Territorium der BRD besitzt, die Produktionsfirma von Erwin Leisers Dokumentarfilm „Mein Kampf“. Die Berliner Archivare hatten dem Filmemacher Ausschnitte, Klammerteile, für den Film überlassen. Die Rechte lagen für das Territorium der DDR beim SFA, für das der BRD bei der Murnau-Stiftung. Als deren Verwertungsfirma klagte die Transit-Film auf Abgeltung der Rechte. Später erhielt die Murnau-Stiftung dann auch eine kleine Summe, wenn ähnlich verfahren wurde. „Es zeichnete sich Ende der 1980er Jahre ab, dass dies auch offiziell geregelt worden wäre.“ 

Offiziell achtet die FIAF darauf, dass ihre Mitglieder den nichtkommerziellen Status wahren. Um den Schein aufrecht zu erhalten, gründet auch die DDR eine Verwertungsfirma, das Archiv für den wissenschaftlichen Film, das aus nicht mehr als einem Briefkasten besteht. So kann das SFA auch Filmhändler wie Leo Kirch mit hervorragenden Kopien von Filmen, für die der die Rechte hatte, beliefern. „Die Geschäfte mit Kirch liefen stets sehr korrekt ab, er hat immer einen Preis gezahlt, die über den Kosten für die Kopien lagen.“ Die Devisen, die solche Deals einbrachten, hätte Klaue gerne in seinem Haus investiert, zum Beispiel um in den 1980er Jahren Videorecorder anzuschaffen. Regelmäßig muss Eastman-Kodak Rohfilm gekauft werden, um die Negative von DEFA-Klassikern wie DER KLEINE MUCK und DAS KALTE HERZ zu retten. Solche Investitionen zahlen sich aus, spülen sie doch ein Vielfaches an Valuta zurück. Aber auch die fließen in den Staatshaushalt. Klaue muss dann um jeden Pfennig feilschen.

Nicht gesichert und für die Nutzung zugänglich ist das Schriftgut der Filmbetriebe, das nur im Spielfilm-Studio standardgemäß archiviert wird. “Im Kontext der internationalen Filmarchive wäre das auch die Ausnahme gewesen.“ Meist gammelt es ungeordnet vor sich hin – so lagert im Heizungskeller des Synchronfilmstudios noch Schriftgut aus der Nazi-Ära, im Keller der Arbeitsgruppe von Heynowski & Scheumann  werden bei einem Wassereinbruch Akten beschädigt. Die Staatliche Archivverwaltung der DDR ist besorgt. In ihrem Auftrag entwickelt das SFA ein Konzept für ein Aktenendarchiv aller Filmbetriebe. Die Genehmigungen liegen vor. Ein großer Lagerraum  wird in Wilhelmshagen eingerichtet. Doch es bleibt beim Plan. In dem für die Akten eingerichteten Raum finden 1990 die Verhandlungen zur Übernahme der Mitarbeiter des SFA durch das Bundesarchiv statt.

Durch das Chaos und die Unsicherheit in der Filmwirtschaft der DDR wird in der Wendezeit – zum großen Bedauern von Wolfgang Klaue – tonnenweise wertvolles Archivgut zur Geschichte der Filmbetriebe vernichtet, so beim DEFA-Außenhandel und dem DEFA-Studio für Synchronisation. Das Schriftgut des Dokumentarfilmstudios geht an das Bundesarchiv und wird Ende der 1990er Jahre mit finanziellen Mitteln der DEFA-Stiftung erschlossen.

Das Archiv beginnt auch mit der Sammlung von filmtechnischen Geräten, Dokumentations- und Werbematerialien. Bei Schließungen von Kinos sichern die Mitarbeiter wertvolle materielle Zeugen der Vergangenheit wie eine Kinoorgel. In den 60er Jahren wird diese bis dato heimlich betriebene Sammelleidenschaft dann durch eine Statutenänderung des Archivs zum offiziellen Tätigkeitsfeld. So steht im Eingangsbereich des Betriebteils in der Friedrichstraße eine mehr als zwei Meter hohe Figur aus der Kulisse eines Spielfilms.

Diese wertvollen Objekte sollen ein eigenes Zuhause an historischer Stelle, im Foyer des geplanten Wintergarten-Komplexes am Bahnhof Friedrichstraße finden. Auch das Archiv-Kino Camera, das in den nicht gerade schmucken Räumen des späteren Tacheles in der Oranienburger Straße untergebracht ist, soll dort eine neue Heimat finden. Doch wie so oft in der DDR waren die Träume und Pläne größer als die Möglichkeiten. Deshalb werden die musealen Objekte Mitte der 1980er Jahre dem Filmmuseum der DDR im Potsdamer Marstall überlassen.
Im September 1990  das Filmarchiv mit dem Museum einen Dauerleihvertrag, in den das Bundesarchiv dann eingetreten ist.

Dem von seinem Vorgänger entwickelten Konzept der umfangreichen Sammeltätigkeit, die Wert auf den Erhalt des gesamten filmischen Erbes legt, folgt Wolfgang Klaue gerne. „Ob wir alles richtig gemacht haben, weiß ich nicht. Wir wollten nur die Balance halten zwischen aktueller Sammlung, Erschließung, Katalogisierung und Nutzbarmachung. Andere Länder gingen andere Wege. In Großbritannien hatten die technischen Probleme bei der Erhaltung der Filme Priorität. Den anderen Pol bildete Frankreich. Die Cinémathèque française war in der Öffentlichkeit sehr präsent durch Ausstellungen und Filmschauen, dafür hat sie bis zum Tod von Henri Langlois andere Aufgaben total vernachlässigt. Die Lager waren in einem katastrophalen Zustand.“

Das breite Aufgabenspektrum des SFA führt dazu, dass Zeit und Personal für spektakuläre Restaurierungen fehlen. „Auch bei uns wurden ständig Filme restauriert. Für das Detail, den einzelnen Film konnten aber wir nicht den gleichen Aufwand treiben wie kleine, spezialisierte Institutionen wie das Filmmuseum in München, wo Enno Patalas sich jahrelang nur mit der Rekonstruktion von METROPOLIS beschäftigen konnte.“ Doch auch hier war das Staatliche Filmarchiv der DDR Vorreiter. Ekkehard Jahnke rekonstruiert 1970/71 aus allen weltweit zugänglichen Materialen eine Fassung, in deren Entstehungsprozess Fritz Lang selbst noch eingebunden war. Der Regisseur bestätigt, dass es zwei Fassungen des Klassikers gibt, von denen die amerikanische, so genannte Paramount-Fassung, seinen Intentionen am ehesten entgegen kommt.

Die Wiederaufführung des Filmklassikers findet unbeachtet von der Öffentlichkeit am Rande des FIAF-Kongresses 1972 statt. „Wir waren wohl zu früh.“ Die Einstellung dieses Tätigkeitszweiges sieht Klaue aber auch dem weltweiten Desinteresse der Öffentlichkeit an solchen spektakulären Projekten an – während sich 2010 die Besucher der Berlinale um die Karten für die Wiederaufführung von METROPOLIS reißen und der Film Open Air aufgeführt wird, will in der DDR keiner die „ollen Klamotten“ spielen. „Es war wenig stimulierend was wir erlebt haben, wenn wir diese Schätze aufführen wollten. Klubhäuser und andere Institutionen lehnten ab, das Orchester der DEFA wollte die Aufführungen nicht begleiten und das Fernsehen hatte kein Interesse.“

Dafür gibt es bis 1990 jeden Montagabend im Fernsehen der DDR den schwarz-weißen Archiv-Film und Willi Schwabes Rumpelkammer, die mit Filmen aus den 1930er und 1940er Jahren bestückt werden. Nicht nur Wolfgang Klaue ist oft entsetzt über die Titelauswahl. „Wir hatten in den 1960er Jahren den Mut, uns mit dem Fernsehen anzulegen und uns an das Kulturministerium zu wenden, da einige Filme doch eine eindeutige Funktion im Kontext der Nazi-Propaganda hatten. Die Abteilung Agitation und Propaganda der SED sah das aber ein bisschen anders. Daher haben wir dann versucht, durch Aufführungen dieser Filme in unserem eigenen Kino, der Camera, die von Einführungen und Kommentaren begleitet wurden, das Publikum für dieses Thema zu sensibilisieren. Damit sind wir total gescheitert.“

Die Aufführung einiger Titel ist in der DDR absolut tabu, darunter Veit Harlans JUD SÜSS. Als die Camera den Titel auf dem Programm zu haben scheint, löst das helle Empörung aus. Der Schriftsteller Stefan Heym protestiert sofort bei ZK-Mitglied Kurt Hager und löst ein entsprechendes Erdebeben aus. Die Wogen glätten sich erst, als sich herausstellte, dass die Fassung von Lothar Mendes aus dem Jahre 1934 angekündigt ist.

Für die Auswahl der Filme, die in der Camera und den Filmklubs aufgeführt werden, wird 1957 eine Abnahmekommission der HV Film gebildet. Zunächst ist sie hochkarätig besetzt – später existiert sie nur noch auf dem Papier. SFA-Mitarbeiter Rudi Freund wählt die Titel weitgehend alleine aus. Aber er schreibt weiter fleißig Abnahmeprotokolle. Manch Urteil über einen Film wird von der Zeit beeinflusst und später revidiert. In den 1950er Jahren wird Langs METROPOLIS die Zulassung verweigert – wegen der opportunistischen Versöhnung von Arbeit und Kapital. Auch Prostasanows DAS FEST DES HEILIGEN JÜRGEN trifft das Verbot – ausschlaggebend war die Angst, religiöse Gefühle zu verletzen.

Neben der 1963 gegründeten Camera ist die Retrospektive zur Leipziger Dokumentarfilmfestival das Aushängeschild, mit dem das SFA jährlich in der Öffentlichkeit glänzt. Die Idee kam von den Veranstaltern des Festivals, Wolfgang Kernicke und Hans Wegner. Sie müssen ein Festival mit internationalem Anspruch organisieren, doch nach dem Bau der Mauer scheuen westliche Regisseure den Weg nach Sachsen. Um den Anspruch zu wahren, soll das Lebenswerk berühmter Filmemacher gewürdigt werden. Alberto Cavalcanti kommt persönlich mit einigen Weggefährten in die sächsische Metropole und durchbricht den Boykott. Die Reihe ist damit etabliert und überlebt die DDR. 

Zu den Filmschauen in Leipzig entsteht eine eigene, vom Archiv im Eigenverlag herausgegebene Schriftenreihe. Für die Bücher muss jedes Jahr auf neuem, abenteuerlichem Weg eine Druckerei und Papier gefunden werden. Der Inhalt der Bücher und der anderen vom Archiv erarbeiteten und herausgegebenen Schriften – vor allem die Filmografischen Jahresberichte – muss von der HV Film genehmigt werden. Dadurch wird das Archiv oft in die Wirren der Kulturpolitik einbezogen. So entschied die HV Film nach dem 11. Plenum des ZK der SED 1965 wenige Stunden vor der Eröffnung des Leipziger Festivals, die Schau französischer Dokumentarfilme, die das Archiv mit seinen dortigen Partnern in jahrelanger Arbeit zusammengestellt hatte, dürfe nicht stattfinden. In den 1970er und 1980er Jahren sorgen dann die Jahresberichte für Ärger. Manch Künstler, der die DDR verlassen hat, darf nicht mehr erwähnt werden, was zu absurden Drahtseilakten zwingt.

Im Umfeld des 11. Plenums wird unter dem Vorwand technischer Probleme das damalige Kino Camera in Berlin dicht gemacht. „Wir hatten das Kino jahrzehntelang so betrieben. Seine Schließung hing wohl eher mit den Auseinandersetzungen um die Rolle der Filmwissenschaft zusammen.“ Die damals verbotenen Filmen hat das Archiv offiziell gelagert, von SPUR DER STEINE alleine 40 Kopien. Rund 900 Rollen Material wurden von HÄNDE HOCH ODER ICH SCHIESSE und DIE SCHÖNSTE aufbewahrt. Zwei unter einem Dutzend Titel, die erst nach der Wende in der DDR fertig gestellt und  uraufgeführt werden. „Es tauchte in der DDR oft die Frage auf, warum wir dieses Material aufheben. Die HV Film hätte wohl keine Einwände erhoben, wenn ich gesagt hätte weg damit. Auch die Künstler selbst waren kaum an den Filmen interessiert.“ Nur Konrad Wolf habe seinen Film SONNENSUCHER Jahrzehnte nach dessen Verbot nochmals gesichtet. „Ich denke, die Filmemacher haben sich nicht mit Vergangenem, sondern sich mit neuen Projekten beschäftigt.“

Das SFA wurde schon früh Mitglied der FIAF, das gemeinsame Interesse der Archivare und Filmhistoriker an der Bewahrung des Filmerbes ist größer als offizielle Abgrenzungsbemühungen. Trotzdem gibt es Situationen, in denen die Politik übermächtig zu werden droht. Als die Kinemathek in Westberlin, die mit Mitteln aus dem Staatshaushalt der BRD finanziert wird, ausgerechnet zum FIAF-Kongress in der Hauptstadt der DDR einen Aufnahmeantrag stellt, gerät Wolfgang Klaue in Konflikt mit Partei und Regierung der DDR. Er verhandelt gemeinsam mit der FIAF-Spitze, doch die Kinemathek ist nicht bereit, den Antrag ein Jahr zurückzustellen. Doch auch bei ihrem Einlenken bliebe die heikle Frage des politischen Status von Westberlin. Die Kinemathek als Archiv einer selbständigen politischen Einheit aufzunehmen, wie der Westen der Stadt von den sozialistischen Ländern bezeichnet wird, hätte im Westen für Entrüstung gesorgt. Wird sie als westdeutsches Archiv aufgenommen, hätten alle sozialistischen Länder protestiert. Der Pole Jerzy Toeplitz, damals FIAF-Präsident, rettet die verfahrene Situation. Die FIAF ändert ihre Statuten: War zuvor nur ein Archiv pro Land als Vertreter seines Staates aufgenommen worden, galt fortan die individuelle Mitgliedschaft. „Das war ein politischer Kompromiss. Die Änderung wäre aber auf jeden Fall später erfolgt, denn in vielen Ländern entstanden neue Filmarchive, die Mitglied werden wollten.“

Die Archivare kennen und schätzen sich, als 1989 die Mauer fällt. Etliche Konzepte werden entwickelt, wie das SFA selbstständig überleben könnte. Realistisch wäre nur die Konzentration als Spezialarchiv auf das DEFA-Erbe gewesen. Weil die Filmszene der DDR aber zusammenbricht, hätte ein eigenständiges Archiv nicht weiter existieren können.

„Der damalige Leiter der HV Film, Horst Pehnert, hat mir zur Berlinale 1990 freie Hand gegeben, die beste Alternative für die Zukunft des Archivs zu finden. Vom inhaltlichen Konzept her hätten wir zur Stiftung Deutsche Kinemathek gepasst.“  Der Einigungsvertrag bestimmt die Fusionierung mit dem Bundesarchiv/Filmarchiv. Die Verhandlungen begannen bereits im ersten Halbjahr 1990. Am 3. Oktober 1990 hört das Staatliche Filmarchiv der DDR auf zu existieren und wird in das Bundesarchiv integriert.

Wolfgang Klaue wird nach Koblenz versetzt und Ende 1991 vom Bundesarchiv entlassen. Auf Honororarbasis sichtet er 1992 bis 1997 Filme, recherchiert für Erwin Leiser, das Holocaust-Museum in Washington und das amerikanische Fernsehen. Im Vorfeld der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag des Kinos 1995 hat er eine Halbtagsstelle bei der Kinemathek.

1996 beginnt er auf Honorarbasis und finanziert von der Murnau-Stiftung mit den Vorbereitungen zur Gründung der DEFA-Stiftung. „Ich sah das als sinnvollen Abschluss meiner Tätigkeit im Filmarchiv.“ Einen ersten Anlauf dazu hatte die Regierung der DDR 1990 unternommen. Als eine ihrer letzten Amtshandlungen verabschiedet sie am 25. September ein Gesetz zur Gründung der DEFA-Stiftung. Wenige Tage später beruft der Kulturminister einen Stiftungsrat. Neben zahlreichen juristischen Unklarheiten zu den Rechten und der ihr übertragenen Immobilie des DEFA-Außenhandels in der Milastraße 5, stirbt sie an einem grundlegenden Geburtsfehler. „Die DEFA-Stiftung hatte den Status einer öffentlich-rechtlichen Stiftung. Das Berliner Stiftungsgesetz sah diese Rechtsform von Stiftungen nicht vor. Eine formelle Anerkennung der DEFA-Stiftung kam deshalb nach dem 3. Oktober 1990 nicht zustande.“

Die Idee sitzt in den Köpfen fest. „In dem Maße, wie Ängste und Frustration bei der Privatisierung und Abwicklung der DEFA-Betriebe zunahmen, ließ der öffentliche Druck, eine DEFA-Stiftung zu schaffen, nach. Auch aus der Perspektive der Treuhandanstalt sah man wohl keinen akuten Handlungsbedarf. Progress wirtschaftete nicht in roten Zahlen. Erst als die Privatisierung des Filmverleihs 1995/96 auf die Tagesordnung gesetzt wurde, begann eine Intensivierung von Vorbereitungen für die Gründung der DEFA-Stiftung.“

Dass sie dann nach langen Querelen zum 15. Dezember 1998 Gestalt annahm und ihr die Rechte an allen DEFA-Filmen übertragen werden, ist dem damaligen Filmreferenten des BMI, Detlef Flotho, und Eberhard Wagemann zu verdanken. Der Berliner Steuerberater überzeugte BMI und Treuhand von dem heutigen Modell, an dessen Ausgestaltung Wolfgang Klaue mitarbeitet. Er wirkt an den Grundsatzverträgen mit Progress, die für 15 Jahre den Verleih übernehmen, und dem Bundesarchiv mit, dem das Material gehört. Er legt die Grundlagen für das Fördersystem, durch das junge Filmemacher bei ihren ersten Schritten unterstützt werden. Er initiiert die Preise für innovative Filmemacher, die mittlerweile auf fünf deutschen Festivals vergeben werden, die Förderpreise sowie die Publikationen.

Und es sind dutzende Einzelfragen in diesen beiden Vorbereitungsjahren und den ersten Jahren der Stiftung zu klären. „Mit der Privatisierung des Progress-Filmverleihs war für die BVS die Privatisierung des Film- und Lichtspielwesens der DDR abgeschlossen. Aber bei weitem nicht alle Probleme waren gelöst. Tausende Filmrollen lagern noch im Depot in Dahmsdorf, die Hinterlassenschaften der Studios mussten geordnet und sortiert werden, damit eine Bestandsbereinigung mit dem Bundesarchiv erfolgen konnte.“

Bei Wolfgang Klaue auf dem Tisch landen viele vertragsrechtliche Probleme, mit denen es die DDR und die sozialistischen Länder nie so genau genommen haben. Alle Verträge werden geprüft, um die Rechte an den Filmen nachzuweisen. Jeder Auswertungsvertrag mit Progress und dem Ausland muss auf seine Gültigkeit abgeklopft werden. Für die Filme aus den sozialistischen Ländern, die auf dem Territorium der DDR unbegrenzt eingesetzt werden konnten, muss die Rechtsnachfolge bei den Eigentümern geregelt werden.

Diese Arbeiten sind 2003 weitgehend abgeschlossen, die DEFA-Stiftung steht auf sicheren Füßen. Wolfgang Klaue geht in Rente, ein Abschied vom Archiv und der Arbeit ist es nicht.

Autorin: Katharina Dockhorn
Stand: Februar 2010

Wolfgang Klaue

Wolfgang Klaue auf der Preisverleihung der DEFA-Stiftung im Jahr 2009
Foto: © DEFA-Stiftung / Michael
Reinhardt