Peter Sodann hat sich als Schauspieler einen Namen gemacht, aber als Theaterleiter und Intendant ist er über die Grenzen von Halle, wo unter seiner Leitung mehr als 20 Jahre an der Kulturinsel gebaut wird, bekannt geworden. Aus dem Nichts hat er ein renommiertes Theater geschaffen. Hier verfolgt er seine Idee vom "intelligenten Volkstheaters", daß jeder verstehen soll. Politisch greift der Künstler immer ein. Journalisten nennen ihn die "Stimme des Ostens"; er selbst versteht sich als "betender Kommunist".

Peter Sodann in "Verbotene Liebe" (1989)
Foto: DEFA-Stiftung/ Herbert Kroiss
Peter Sodann wird am 01. Juni 1936 in Meißen geboren. Er wächst in Weinböhla bei Dresden auf. Sein Vater ist Stanzer, der als Soldat im zweiten Weltkrieg an der Front stirbt. Seine Mutter ist Landarbeiterin. Nach seiner Schulausbildung, die er in Weinböhla absolviert, beginnt er eine Lehre als Werkzeugmacher. 1954 wird er von seinem Betrieb an die Arbeiter und Bauernfakultät in Dresden delegiert. In drei Jahren holt er sein Abitur nach. Obwohl sein Interesse für die Schauspielerei bereits vorhanden ist, beginnt er 1957 zunächst an der Karl-Marx-Universität in Leipzig Jura zu studieren. Nach vier Semestern wechselt er 1959 an die Theaterhochschule Leipzig, Fachbereich Schauspiel.
Während seiner Studienzeit wird er Mitglied des Studentenkabaretts "Rat der Spötter", einer Theatergruppe, die Studenten der Fakultät für Journalistik gegründet haben und die mit politischem Witz verändert wirken wollen. Die Gruppe nutzt in Leipzig ein altes Kellertheater, Peter Sodann wird Leiter des Kabaretts. Ein Mitglied, der als Inoffizieller Mitarbeiter für die Staatssicherheit tätig ist, verrät 1961 die Aktivitäten der Theaterleute. Mit ihrem Programm "Wo der Hund begraben liegt" werden sie als "konterrevolutionär" und "staatsfeindlich" eingestuft; das Kabarett aufgelöst. Peter Sodann und sechs weitere Personen werden verhaftet. Er wird vom Schauspielstudium relegiert und zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt. Außerdem wird Peter Sodann, der 1959 Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) geworden ist, aus der Partei ausgeschlossen. Das Strafmaß wird nach neun Monaten Haft in vier Jahre Bewährung umgewandelt und 1962 wird der Schauspieler aus der Haft in Bautzen II ("Stasi-Knast") entlassen.
Nach dem Gefängnis sucht er Arbeit als Werkzeugmacher. Er beginnt eine Lehre als Spitzendreher im VEB Starkstromanlagenbau in Leipzig. Zudem bemüht er sich um eine Wiederzulassung zum Studium. Nachdem verantwortliche Stellen dem zustimmen, wird er 1963 nochmals an der Theaterhochschule in Leipzig immatrikuliert. Erste Bühnenerfahrung sammelt Peter Sodann am Berliner Ensemble, wo er 1964 ein Theaterengagement erhält. Unter der Regie von Helene Weigel spielt er unter anderem in "Der unaufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui" den Dullfeet. Hier führt er auch erstmals Regie bei dem Nachtprogramm "Also wissen se, nee". 1966 wechselt der Schauspieler an die Städtischen Bühnen Erfurt. Hier ist er in Stücken von William Shakespeare und Wolfgang Goethe zu sehen. 1971 zieht er nach Karl-Marx-Stadt und arbeitet dort am Städtischen Theater. Friedrich Schiller und wieder William Shakespeare stehen hier auf dem Programm. An der Spielstätte macht er sich als Regisseur einen Namen, inszeniert unter anderem "Van Gogh" von Alfred Matusche. Auf Einladung inszeniert er das Stück am Moskauer Jermolowa-Theater nochmals. 1975 wird Peter Sodann Schauspieldirektor an den Bühnen der Stadt Magdeburg, legt Regiearbeiten wie "Einzug ins Schloss" von Rolf Schneider, "Nathan der Weise" von Ephraim Lessing, "Liliom" von Ferenc Molnár. Er gastiert in Moskau.
Seit März 1980 ist Peter Sodann Schauspieldirektor in Halle am dortigen Landestheater. Da das Schauspiel-Ensemble im alten Mehrsparten-Haus nicht ausgelastet ist, beschließt er ein neues Theater zu bauen. 1981 wird ein alter Kinosaal umgebaut und das "neue theater halle" begründet. Er verfolgt die Idee eines "intelligenten Volkstheaters". Heute ist die Kulturinsel einmalig, zu ihr gehören fünf Theater, eine Galerie, eine Bibliothek mit der zwischen 1945 und 1989 in der DDR erschienen Literatur, ein LiteraturCafe und eine Theaterkneipe. Bis 2004 leitet Peter Sodann als Intendant die Kulturinsel.
Ende der 70er Jahre werden auch die DEFA und das Fernsehen der DDR auf den Künstler aufmerksam. Nach zwei kleineren Auftritten übernimmt er die Rolle des Mathematik- und Russisch-Lehrers Boltenhagen in ERSCHEINEN PFLICHT (1984) unter der Regie von Helmut Dziuba. Er wird mit seinen Schülern zu einer Friedendemonstration nach Berlin beordert, die Fahrt verläuft nicht ganz wie geplant. Für seine Darstellung wird Peter Sodann als Bester Nebendarsteller auf dem Nationalen Filmfestival ausgezeichnet. Aber der Film, der sich kritisch mit der Vätergeneration auseinandersetzt und Jugendliche auf der Suche nach einem eigenen Weg zeigt, hat es schwer. Verantwortliche Stellen blockieren seinen Einsatz im Kino, Kritiker erhalten den Auftrag, ihn schlecht zu besprechen.

Peter Sodann in "Erscheinen Pflicht" (1983)
Foto: DEFA-Stiftung/Fotograf unbekannt
In den Märchenfilmen GRITTA VON RATTENZUHAUSBEIUNS (1985) von Jürgen Brauer und FROSCHKÖNIG (1990) von Walter Beck und spielt er jeweils den König. Weiter Auftritte hat der Schauspielerin unter anderem in dem Unterhaltungsstreifen DER DOPPELGÄNGER (1985), inszeniert von Werner W. Wallroth, und mit einer Rolle in DER HUT DES BRIGADIERS (1986) von Horst E. Brandt. Er ist dem Lothar Warneke-Film BLONDER TANGO (1985) und DER TANGOSPIELER (1990) von Roland Gräf zu sehen. Hier spielt er die Rolle dessen, der den Historiker und Gelegenheitspianisten Dallow an die Stasi verrät. Nochmals arbeitet Peter Sodann mit Helmut Dziuba in JAN UND JANA (1992) zusammen. An einem der letzten DEFA-Filme FARßMANN ODER ZU FUß IN DIE SACKGASSE (1991) von Roland Oehme ist er ebenfalls beteiligt.
Auch im Fernsehen ist der Darsteller präsent. In der neuen TV-Verfilmung "Ernst Thälmann" (1986) übernimmt er die Rolle des John Scheer. Wie viele seiner Kollegen ist auch er in einer Folge von "Der Staatsanwalt hat das Wort" zu sehen, aber durch seine intensive Theaterarbeit bleiben die Film- und Fernsehauftritte begrenzt. In dem TV-Film "Sanisbar oder Der letzte Grund" (1987), den Bernhard Wicki mit Unterstützung der DEFA für das Fernsehen der DDR und den Westdeutschen Rundfunk inszeniert. übernimmt er die Rolle des Pastors, der die Barlach-Figur vor dem Zugriff der Nationalsozialisten rettet.
Nach dem Zusammenbruch der DDR gelingt dem Schauspieler der Sprung ins gesamtdeutsche Fernsehen. Seit 1991 ist er einer der erfolgreichsten Tatort-Kommissare, spielt den Kommissar Bruno Ehrlicher für den Mitteldeutschen Rundfunk. Mittlerweile ist er der dienstälteste Tatort-Kommissar. In dem Zweiteiler "Nicolaikirche" (1995) von Frank Beyer spielt er einen General des Ministeriums für Staatsicherheit in Leipzig, der vor den Kerzen und Gebeten Tausender Menschen kapitulieren muß. Außerdem wirkt er in Vorabendserien der ARD mit, spielt in "Tanja", "Sterne des Südens" und "Leinen los für MS Königstein". Er übernimmt die Rolle des Erich Mielke in der ZDF-Produktion "Deutschlandspiel" (2000). Ein Jahr später wirkt er in den ZDF-Produktionen "Liebesau - Die andere Heimat" (2001) und "Herzstolpern" (2001) mit.
Peter Sodann ist zweimal verheiratet. Aus erster Ehe ist er Vater von vier Kindern: Tina, Susanne, Franz und Karl. Sein Sohn Franz Sodann arbeitet mittlerweile auch als Schauspieler.
zusammengestellt von Ines Walk ( www.film-zeit.de ), Stand: Mai 2006
Filmographie
- 1973 Stülpner-Legende
TV-Serie, Darsteller
- 1978 Addio, piccola mia
Darsteller
- 1983 Erscheinen Pflicht
Darsteller
- 1984 Gritta von Rattenzuhausbeiuns
Darsteller
- 1984 Biberspur
Darsteller
- 1984 Eine sonderbare Liebe
Darsteller
- 1985 Der Doppelgänger
Darsteller
- 1985 Der Hut des Brigadiers
Darsteller
- 1985 Jan auf der Zille
Darsteller
- 1986 Ernst Thälmann
TV-Film, Darsteller
- 1987 Der Froschkönig
Darsteller
- 1987 Liane
Darsteller
- 1987 Sansibar oder der letzte Grund
Darsteller
- 1987 Der Staatsanwalt hat das Wort, Episode "Für Elise"
TV-Film, Darsteller
- 1988 De Hvite bussene
TV-Film, Darsteller
- 1989 Verbotene Liebe
Darsteller
- 1989 Zwei schräge Vögel
Darsteller
- 1990 Der Tangospieler
Darsteller
- 1990 Farßmann oder zu Fuß in die Sackgasse
Darsteller
- 1990 Jan und Jana
Darsteller
- 1991 Miraculi
Darsteller
- 1991 Jugend ohne Gott
TV-Film, Darsteller
- 1991 Trutz
TV-Film, Darsteller
- 1992 Tatort, Episode "Ein Fall für Ehrlicher"
TV-Film, Darsteller
- 1992 Tatort, Episode "Tod aus der Vergangenheit"
TV-Film, Darsteller
- 1993 Tatort, Episode "Verbranntes Spiel"
TV-Film, Darsteller
- 1993 Tatort, Episode "Bauernopfer"
TV-Film, Darsteller
- 1993 Wehner - Die unerzählte Geschichte
TV-Film, Darsteller
- 1994 Tatort, Episode "Laura, mein Engel"
TV-Film, Darsteller
- 1995 Nikolaikirche
TV-Film, Darsteller
- 1995 Tatort, Episode "Jetzt und alles"
TV-Film, Darsteller
- 1995 Tatort, Episode "Ein ehrenwertes Haus"
TV-Film, Darsteller
- 1995 Sterne des Südens
TV-Serie, Darsteller
- 1995 Tatort, Episode "Falsches Alibi"
TV-Film, Darsteller
- 1995 Tatort, Episode "Bomben für Ehrlicher"
TV-Film, Darsteller
- 1996 Die Spur der roten Fässer
Darsteller
- 1996 Tatort, Episode "Wer nicht schweigt, muß sterben"
TV-Film, Darsteller
- 1996 Tatort, Episode "Bei Auftritt Mord"
TV-Film, Darsteller
- 1996 Wolfs Revier, Episode "Klinkenputzer"
TV-Film, Darsteller
- 1996 Tatort, Episode "Reise in den Tod"
TV-Film, Darsteller
- 1997 Tatort, Episode "Der Tod spielt mit"
TV-Film, Darsteller
- 1997 Tanja
TV-Serie, Darsteller
- 1997 Leinen lod für MS Königstein
TV-Serie, Darsteller
- 1997 Sardsch
TV-Serie, Darsteller
- 1997 Tatort, Episode "Bierkrieg"
TV-Film, Darsteller
- 1997 Tatort, Episode "Tödlicher Galopp"
TV-Film, Darsteller
- 1998 Tatort, Episode "Fürstenschüler"
TV-Film, Darsteller
- 1998 Tatort, Episode "Tanz auf dem Hochseil"
TV-Film, Darsteller
- 1998 Tatort, Episode "Money! Money!"
TV-Film, Darsteller
- 1999 Tatort, Episode "Todesangst"
TV-Film, Darsteller
- 1999 Tatort, Episode "Auf dem Kriegspfad"
TV-Film, Darsteller
- 1999 Tatort, Episode "Der Fluch des Bernsteinzimmers"
TV-Film, Darsteller
- 2000 Deutschlandspiel
TV-Film, Darsteller
- 2000 Tatort, Episode "Einsatz in Leipzig"
TV-Film, Darsteller
- 2000 Tatort, Episode "Tödliches Verlangen"
TV-Film, Darsteller
- 2000 Tatort, Episode "Quartett in Leipzig"
TV-Film, Darsteller
- 2001 Herzstolpern
TV-Film, Darsteller
- 2001 Tatort, Episode "Totenmesse"
TV-Film, Darsteller
- 2001 Tatort, Episode "Verhängnisvolle Begierde"
TV-Film, Darsteller
- 2001 Tatort, Episode "Trübe Wasser"
TV-Film, Darsteller
- 2001 Liebesau - die andere Heimat
TV-Film, Darsteller
- 2002 Tatort, Episode "Todesfahrt"
TV-Film, Darsteller
- 2002 Tatort, Episode "Heiße Grüße aus Prag"
TV-Film, Darsteller
- 2002 Tatort, Episode "Rückspiel"
TV-Film, Darsteller
- 2003 Tatort, Episode "Atlantis"
TV-Film, Darsteller
- 2003 Tatort, Episode "Außer Kontrolle"
TV-Film, Darsteller
- 2003 Tatort, Episode "Rotkäppchen"
TV-Film, Darsteller
- 2003 Das bißchen Haushalt
TV-Film, Darsteller
- 2003 Tage des Sturms
TV-Film, Darsteller
- 2004 Tatort, Episode "Teufelskreis"
TV-Film, Darsteller
- 2004 Tatort, Episode "Abseits"
TV-Film, Darsteller
- 2004 Tatort, Episode "Waidmanns Heil"
TV-Film, Darsteller
- 2005 Tatort, Episode "Freischwimmer"
TV-Film, Darsteller
- 2005 Tatort, Episode "Feuertaufe"
TV-Film, Darsteller
- 2005 Tatort, Episode "Tiefer Fall"
TV-Film, Darsteller
- 2005 Tatort, Episode "Sonnenfinsternis"
TV-Film, Darsteller
- 2005 Ki.Ka-Krimi.de
TV-Serie, Darsteller
- 2006 Die Frau des Heimkehrers
TV-Film, Darsteller
Auszeichnungen
1984 ERSCHEINEN PFLICHT
4. Nationales Spielfilmfestival der DDR: Bester Nebendarsteller
1996 Ehrenkommissar der Sächsischen Polizei
1999 Preis des Verbandes der deutschen Kritiker für seine Kulturinsel in Halle
1999 Ehrenkommissar der Polizeigewerkschaft Sachsens
2001 Ehrenkommissar der Polizeidirektion Halle
2001 Bundesverdienstkreuz I. Klasse
2005 Ehrenbürger der Stadt Halle, an der Saale
Literatur
o. A.: Intendant mit Schaufel, in: Der Spiegel 43/1994.
Rainer Kasselt: Keine trübe Ost-Tasse [Porträt zum 60. Geburtstag], in: Sächsische Zeitung, 01./02.06.1996.
Ernst Röhl: Rat der Spötter. Das Kabarett des Peter Sodann, Kiepenheuer 2002.
Peter Sodann: Mai-Reden und andere Provokationen. Ein Theatermann mischt sich ein, Hohenheim Verlag 2003.
Jörg Hunke, Axel Vornbäumen: Ich bin noch immer Sozialist [Interview], in: Frankfurter Rundschau, 07.06.2003.
Christa Geissler und Monika Held: Generation Plus - von der Lüge, dass Altwerden Spaß macht [Interview], Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf Berlin 2003.
Constanze Pollatschek: Anfänger mit 20 Jahren Erfahrung - Peter Sodann, in: Filmspiegel 11/1984, Seite 6 - 7.
Reinhard Wengierek: Mit allen im Clinch - Abschied einer Ära in Halle: Theaterchef und Kulturmanager Peter Sodann hört auf, in: Die Welt, 04.07.2005.
Peter Jacobs: Die Kanone gehört nicht zu meiner Rolle: Der Kriminalkommissar Bruno Ehrlicher alias Peter Sodann über sein bizarres Leben als politischer Künstler und den Abschied vom Theater [Interview], in: Berliner Zeitung, 25.06.2005.
Jana Simon: Rolle rückwärts. Peter Sodann alias Kommissar Ehrlicher war ganz kurz Spitzenkandidat der PDS in Sachsen. Warum er schon nach zwei Tagen merkte, dass er da "irgendwie nicht reingehört", in: Die Zeit, 21.07.2005.
Dieter Reimer: Peter Sodann, in: Dieter Reimer: DEFA-Stars - Legenden aus Babelsberg, Militzke Verlag, Leipzig 2004, Seite 220 - 230.
Arnfrid Schenk: "Steppke zieht in die Welt" [Zum Aufbau der Bibliothek in Halle], in: Die Zeit, 25.03.2004.