DEFA-Stiftung erwirbt Zeitzeugen TV Archiv von Thomas Grimm
DEFA-Stiftung erwirbt Zeitzeugen TV Archiv von Thomas GrimmEines der größten privaten Zeitzeugenarchive ist von der DEFA-Stiftung übernommen worden. Die Videoaufzeichnungen präsentieren 2.500 Stunden Erinnerungen an das 20. Jahrhundert. Auf 3.500 Kassetten kommen weit über 1.000 Personen zu Wort. Aus den Selbstzeugnissen von Menschen, die Kriege, Revolutionen, Exil und Konzentrationslager erlitten, entsteht ein eindrucksvolles, facettenreiches Bild der Epoche.
Die DEFA-Stiftung übernimmt nicht nur das Material und die Rechte an einer der bedeutendsten Zeitzeugensammlungen der Gegenwart, sondern erwirbt auch gleichzeitig eine auf hohem informationstechnischen Standard aufbereitete Datenbank. Darin sind primär und sekundär die im Archiv erfassten Personen sowie der Inhalt der Gespräche und Aufnahmen in mehr als 50.000 Einträgen aufbereitet.
Das Zeitzeugen TV Archiv ist ohne öffentliche Mittel aus Eigeninitiative von Thomas Grimm unter dem Motto „Erinnerungen als Verantwortung“ entstanden. Grimm hat auch den größten Teil der Zeitzeugengespräche selbst geführt. Bekannt geworden ist er durch seine erfolgreichen Dokumentationen für ARD, MDR, arte und Spiegel TV. Zuletzt erzielten seine Filme über „Honeckers Flucht“ in der ARD, „Die Honeckers privat“ (mit 27% Einschaltquote im MDR) und sein Zweiteiler über die Angestellten des Politbüros außergewöhnliche Zuschauerresonanzen.
In einer Zeit, wo die Gesellschaft von audiovisuellen Medien mit immer fragmentarischeren Produkten überhäuft wird, hat sich Zeitzeugen TV dem individuellen Lebenslauf als ganzes gewidmet. Das über 25 Jahre entstandene Archiv versteht sich als eine audiovisuelle Quelle autobiografischen Erinnerns. Die vielen hundert Interviews fördern nachhaltig das Verständnis von Geschichte. Denn sobald die Geschichte ihre Protagonisten hinter sich gelassen hat, droht sie ihren emotionalen Gehalt zu verlieren. Zwischen der „erlebenden“ und der „nacherlebenden“ Generation entsteht eine Gefühlskluft, diese zu überbrücken ist eine der vornehmsten Aufgaben der autobiografischen Dokumentationen im Zeitzeugen-Archiv.
Ausgewählte Themen des Archivs:
- Widerstand gegen Hitler, Exil, Überlebende von Auschwitz:
Heinrich Scheel, Georg L. Mosse, Lilli Segal, Kurt Rosenow, Henry Marx, Wolfgang Leonhard, Klemens von Klemperer u.a.
- Opposition der 50er Jahre:
Wolfgang Harich, Walter Janka, Gustav Just u.a.
- Opposition der 80er Jahre:
Rainer Eppelmann, Friedrich Schorlemmer, Günter Nooke, Daniela Dahn, Wolfgang Schnur bei der Gründung des Demokratischen Aufbruchs
- Zeit der Wende mit Lothar de Maizière und anderen Protagonisten, Untersuchungsausschuss der Volkskammer der DDR wegen Amtsmissbrauch, Korruption und persönlicher Bereicherung:
Günther Schabowski, Joachim Herrmann u.a.
- DDR-Intellektuelle vom Beginn der großen Zeit an der Leipziger Universität bis zum akademischen Leben in der Wendezeit:
Walter Markov, Hans Mayer, Stephan Hermlin, Rudolf Schottlaender, Jürgen Kuczynski, Hermann Henselmann, Georg Knepler, Stefan Heym, Ernst Engelberg, Werner Mittenzwei u.a.
- Alltag in der DDR, z.B. Jugend zwischen Anpassung und Widerstand 1986-1989, Untergrundbands, verschiedene Jugendströmungen vom Gruftie bis Punk
- Kunst und Geschichte, 40teilige Porträtreihe über Maler und Literaten:
Bernhard Heisig, Willi Sitte, Adolf Endler, Heiner Müller, Christa Wolf u.a.
- Auskünfte über sozialistisches Herrschaftsleben:
die Familien Honecker, Mielke und Stoph und die Bediensteten des Politbüros
- Porträts internationaler Politiker und Künstler wie Istvan Szabo, Henry A. Kissinger, Michail S. Gorbatschow, Rita Süssmuth, Carola Stern, Walter und Inge Jens, Herbert Grönemeyer, Hans-Dietrich Genscher, Günter de Bruyn, Willy Brandt und Wladimir W. Putin
Zweck der am 15. Dezember 1998 gegründeten DEFA-Stiftung ist die Erhaltung, Erschließung und Nutzbarmachung des ihr übertragenen DEFA-Filmstocks als Bestandteil des nationalen Kulturerbes der DDR und die Förderung der deutschen Filmkultur und Filmkunst durch Vergabe von Projektmitteln und Stipendien. Im Rahmen dieser Förderung ist auch der Erwerb erfolgt.
Die DEFA-Stiftung und Zeitzeugen TV sind sich darüber einig, dass das einmalige Filmmaterial des Zeitzeugen-Archivs gesichert werden und benutzbar bleiben muss. Die DEFA-Stiftung verpflichtet sich deshalb, das Archiv entsprechend den technischen Möglichkeiten in der übergebenen Qualität zu erhalten, zu pflegen und der Öffentlichkeit im Rahmen der Stiftungstätigkeit verfügbar zu halten. Sie steht für das Zeitzeugen-Archiv mit derselben Sorgfalt ein, wie sie die Werke des DEFA-Filmstocks behandelt.
Das Zeitzeugen-Archiv ist bereits in der 2003 erschienenen Publikation „Erinnerung als Verantwortung – das Zeitzeugen-Archiv in Text und Bild“ (ISBN 3-932529-38-3) dokumentiert.
Das Archiv wird zukünftig unter dem Namen „Zeitzeugen Archiv Thomas Grimm bei der DEFA-Stiftung“ geführt. Die Aufnahmen liegen meist auf sendefähigem Beta SP oder Digi Beta Material vor. Die Datenbank wird demnächst im Internet (www.defa-stiftung.de) verfügbar sein. Das Archiv ist zugänglich, die Nutzung geschieht in Abhängigkeit von der jeweiligen Rechteübertragung.
Informationen zur Nutzung über:
DEFA-Stiftung
Frau Manja Meister
Chausseestraße 103
10115 Berlin
Tel: +49 (0) 30 - 2 46 56 21 01
Fax: +49 (0) 30 - 2 46 56 21 49
Email: m.meister@defa-stiftung.de
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