Preisverleihung der DEFA-Stiftung
Preise der DEFA-Stiftung werden an Kurt Weiler, Christian Petzold und Hans Weingartner übergeben.
Am 25. November findet um 19 Uhr im Filmkunsthaus Babylon Berlin zum vierten Mal die Preisverleihung der DEFA-Stiftung statt. Der Vorstand der DEFA-Stiftung Helmut Morsbach und Mitglieder des Stiftungsrats werden die mit insgesamt 52.500 € dotierten Preise der DEFA-Stiftung überreichen.
Kurt Weiler erhält den Preis für Verdienste um den deutschen Film (15.000 €). Christian Petzold wird mit dem Preis zur Förderung der deutschen Filmkunst gewürdigt (15.000 €). Der Preis zur Förderung des künstlerischen Nachwuchses (7.500 €) geht an Hans Weingartner.
Die ebenfalls von der DEFA-Stiftung vergebenen Programmpreise erhalten das Spatzenkino Berlin, das Internationale filmfest Braunschweig sowie das Kino Metropolis Dresden (je 5.000 €).
Durch die Veranstaltung führt Knut Elstermann, Moderator bei radioEINS. Auf der Preisverleihung werden erstmals zwei Trailer der DEFA-Stiftung vorgestellt. Sie sollen einen Einblick in die Vielfalt der DEFA-Filmproduktion geben. Die Gruppe „Yunnangruen“ stellt anlässlich der DVD-Premiere des DEFA-Films „Die Architekten“ ihre musikalische Bearbeitung des Filmthemas vor. Aus dem von der Stiftung erworbenen Zeitzeugen-Archiv Thomas Grimm wird ein kurzer Querschnitt präsentiert.
Den Text und die Begründungen der Jury finden Sie auch auf unserer Homepage www.defa-stiftung.de unter dem Punkt Aktuelles.
Pressekontakt:
Juliane Haase, j.haase@defa-stiftung.de, Tel: +49 (0) 30 - 2 46 56 21 14
DEFA-Stiftung
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10115 Berlin
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Preis der DEFA-Stiftung zur Förderung der deutschen Filmkunst (15.000 €)
Christian Petzold
Begründung:
Der eigene Ton, das Unverwechselbare, die spezifische Handschrift: Das in deutschen Film so inständig Beschworene – hier wurde es Realität und mehr als ein schönes Versprechen.
Christian Petzolds Filme – in einem noch überschaubaren Oeuvre erinnern wir an DIE INNERE SICHERHEIT, TOTER MANN und WOLFSBURG – sind Erzählungen über die Condition humaine in Deutschland, über die Fragilität menschlicher Existenz in einer Gesellschaft der Konzepte und Kontrollen, des Kompromisses und des Konformismus.
Scheinbar wohlgeordnete Welten geraten aus den Fugen, kontrollierte Lebensabläufe und -strukturen entziehen sich den bisherigen Regeln und Mechanismen, werden brüchig und fragwürdig. Eine unerbittliche Nemesis beginnt ihr Regiment: Schuld, Sühne, Schock und Erlösung.
Bilder und Gegenbilder in einer vollkommenen Synthese. Petzold erzählt Geschichten, die unerbittlich auf ihr Ende zulaufen und schon sehr früh die Erkenntnis vermitteln, dass es hier keine Fluchtmöglichkeiten gibt. Die perfekt kalkulierte Struktur wird zur filmischen Tugend. Doch bleiben gedankliche Zwischenräume, die im Dialog mit dem Publikum zu erblühen beginnen.
Gelegentlich durchweht der Atem surrealistischer Manifeste Petzolds filmisches Universum:
„Mit der Welt gibt es keine Verständigung, wir gehören ihr nur in dem Maße an, wie wir uns gegen sie auflehnen“ schrieben Breton, Aragon und die anderen.
Biografie:
Geboren 1960 in Hilden, Nordrhein-Westfalen. 1981 – 1989 Studium der Germanistik und Theaterwissenschaften in Berlin, Arbeit als Filmkritiker, 1989 - 1994 Studium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin, Regieassistenzen bei Haroun Farocki und Hartmut Bitomsky. Dozent an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin.
Filme:
- 1987 Weiber
- 1992 Das Warme Geld
- 1995 Pilotinnen
- 1996 Cuba Libre
- 1998 Die Beischlafdiebin
- 2000 Die Innere Sicherheit
- 2002 Toter Mann
- 2003 Wolfsburg
Preis der DEFA-Stiftung für die Verdienste um den deutschen Film (15.000 €)
Kurt Weiler
Begründung:
Im Januar 1939 kommt der siebzehnjährige Kurt Weiler mit einem der letzten Transporte für jüdische Kinder nach England. Im Exil besucht er Filmclubs, studiert Malerei und Graphik und tritt in eine Trickfilmwerkstatt ein, in der auch die nichtnaturalistische Animation gepflegt wird. Mit diesem Wissen und Können kehrt er 1950 nach Deutschland zurück, findet zur DEFA.
Gegen manche Widerstände entwickelt er formal ambitionierte Trickfilme mit überhöhenden und abstrahierenden Kombinationen von Puppen und gegenständlichen Materialien aus Eisen, Porzellan, Papier. Darstellende und bildende Kunst gehen eine Einheit ein. Dafür engagiert er avantgardistische Mitarbeiter wie Achim Freyer, Ezio Toffolutti, Gabriele Koerbl, B.K. Tragelehn, Friedrich Goldmann, einmal auch Einar Schleef. Die Stoffe werden komplexer: Themen sind Krieg und Frieden, das Verhältnis der Mächtigen zum Volk, die Geschichte von Geld, Wert und Mehrwert, die Korrespondenz von Mensch und Maschine.
Wenn die deutsche Trickfilmgeschichte einmal resümiert wird, stehen Weilers Arbeiten wie "Nörgel und Söhne", "Heinrich der Verhinderte", "Rekonstruktion eines berühmten Mordfalls" und vor allem "Die Suche nach dem Vogel Turlipan" ganz vorn. Diesem Werk und seinem Schöpfer gilt eine tiefe Verbeugung.
Biografie:
Geboren 1921 in Lehrte. 1939 Emigration nach England. Studium der Malerei und Graphik in Oxford. 1950 Rückkehr in die DDR. Bis 1988 Arbeit bei der DEFA. Bis 1998 Lehrbeauftragter an der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" Potsdam Babelsberg für Geschichte und Ästhetik des Animationsfilms.
Filme (Auswahl):
- 1952 Kulicke
- 1956 Die gestohlene Nase
- 1965 Heinrich der Verhinderte
- 1966 Machen im Jahre 2001 alles die Maschinen?
- 1967 Nörgel und Söhne oder was vor 9742 Jahren vormittags neun Uhr begann
- 1968 Nörgel und Söhne en gros und en detail – Pfingsten im Jahre 4968 vor unserer Zeitrechnung:
- 1970 Der Löwe Balthasar
- 1975 Konzert für Bratpfanne und Orchester
- 1976 Die Suche nach dem Vogel Turlipan
- 1976 Ein Schneemann für Afrika
- 1982 Die Geschichte vom Kalif Storch
- 1989 One People
Preis der DEFA-Stiftung zur Förderung des künstlerischen Nachwuchses (7.500 €)
Hans Weingartner
Begründung:
Nach seinem grandiosen Debüt „Das weiße Rauschen“ ruft Hans Weingartner, in „Die fetten Jahre sind vorbei?“ zur Rebellion auf. Die Welt als „Diktatur des Kapitals“ zu ändern, treibt die drei Protagonisten in Hans Weingartners Film an.
Jan, Peter und Jule sind die „neuen Erziehungsberechtigten“, Rebellen des neuen Jahrtausends, die in verwaiste Villen eindringen, satten Reichtum zu bizarren Figuren auftürmen und ihre heimkehrenden Besitzer in Verwirrung stürzen, bis es aus Leichtsinn zu einer unfreiwilligen Entführung kommt.
Das eigene Welt- und Feindbild beginnt zu bröckeln, als sich der entführte Manager Hardenberg als Alt-68er erweist und ihre Wut auf ihn - der seine Ideale verraten hat - in vorsichtige Sympathie umkippt.
Unaufgeregt, ohne Besserwisserei, dabei sehr präzise und mit ironischem Blick erzählt Hans Weingartner von (s)einer Generation, die noch Ideale hat und nach Reibung sucht. Er spiegelt damit die Stimmung in unserem Land und scheut sich dabei nicht, die Unsicherheit und Sinnsuche der Alten und der Jungen dialogreich zu belegen.
Wie schon „Das weiße Rauschen“ mit einem kleinem Team und Handkamera realisiert, gelingt Weingartner eine direkte Beschreibung von Wirklichkeit.
Biografie:
Geboren 1970 in Feldkirch, Österreich. 1990 Physikstudium in Wien. 1993 - 94 Ausbildung zum Kameraassistenten an der Austrian Association of Cinematography (AAC). 1991 - 97 Studium der Gehirnforschung an der Universität Wien und in der Neurochirurgie am Klinikum Steglitz in Berlin. 1997 - 2001 Postgraduiertenstudium an der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM).
Filme:
- 1993 J-Cam
- 1994 Der Dreifachstecker
- 1995 Widerstand gegen die Staatsgewalt
- 1997 Split Brain
- 1999 Frank
- 2001 Das weiße Rauschen
- 2003 Die fetten Jahre sind vorbei
Programmpreise der DEFA-Stiftung (je 5.000 €)
Filmtheater Metropolis Dresden
Obwohl kein Programmkino, ist das Metropolis mehr als nur Stätte der Zerstreuung und Ort des Vergnügens. Das breit gefächerte Angebot zeigt, dass gewerbliche Notwendigkeiten sich durchaus mit kulturell anspruchsvollen und vielseitigen Programmen mischen lassen. Gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Animationsfilm in Dresden werden alle wichtigen Trickfilme gezeigt, mit der technischen Universität Dresden werden gemeinsame Vorlesungsreihen zu speziellen Filmthemen veranstaltet und auch das Dresdner Festival für Kurz- und Animationsfilm hat hier ein Zuhause. Osteuropäische Filme gehören ebenso zum Programm wie Filmreihen zum DEFA-Film.
Der Zuschauer fühlt sich wohl im Metropolis. Zum anspruchsvollen Programm kommen eine kulturvolle Atmosphäre und eine vorbildliche Gastronomie. Zumindest jeder Dresdner Kinogänger sollte wissen: Der etwas weitere Weg lohnt sich. Das Metropolis ist ein Ort der Begegnung und des Austausches. An ihrer Spitze steht mit Cornelia und Frank Apel ein Team, dessen Kreativität überzeugt.
URL: http://www.metropolis-dresden.de
Internationales filmfest Braunschweig
Kaum ein anderes deutsches Festival hat sich über einen so langen Zeitraum mit dem Kinofilm der DDR und seinen Protagonisten beschäftigt. Bald zwei Jahrzehnte bemühten sich die Verantwortlichen ein Bild der gesamtdeutschen Filmlandschaft auf ihrem Festival entstehen zu lassen. In Werkschauen, Filmreihen und Gesprächen haben Schauspieler, Autoren und Regisseure des ostdeutschen Kinos eine Wertschätzung erfahren, die sie gern nach Braunschweig reisen ließ. Und es war viel Neugier, ein große Offenheit und eine liebevolle Präsentation, die Projekte möglich machte, die eigentlich nicht zu finanzieren waren.
URL: http://www.filmfest-braunschweig.de
Spatzenkino Berlin
Die einen reden fast täglich in gesetzten Worten über die Medienkompetenz von Vorschulkindern. Andere versuchen sich in kurzzeitigen teuren Pilotprojekten. Beide sollten beim Spatzenkino Berlin in die Schule gehen. Das Ergebnis spricht für sich. Und alles mit wenig Geld, doch mit großem Erfolg und seit bereits 14 Jahren. Die damaligen Vierjährigen sind heute 18 und an den Kinokassen der Multiplexe derzeit die gern gesehensten Besucher.
Doch nur wenige danken es der Kinoinitiative Spatzenkino, die selbstlos, bescheiden und mit viel ehrenamtlichem Engagement das tut, was eigentlich noch viel mehr auch Aufgabe der Politik und der Filmwirtschaft sein müsste.
Dank also an eine Vielzahl großartiger, unbekannter Menschen, die keinen roten Teppich benötigen, die aber neben ihrer medienpädagogischen Kompetenz vor allem wissen, was kleine Zuschauer zuerst brauchen: Menschen, die Freude, Zuwendung und Geborgenheit geben können.
URL: http://www.spatzenkino.de
Preisträger der DEFA-Stiftung
Preise für Verdienste um den deutschen Film:
- 2002 Egon Günther
- 2003 Jürgen Böttcher
- 2004 Kurt Weiler
Preis zur Förderung der deutschen Filmkunst:
- 2001 Andreas Dresen
- 2002 Thomas Heise
- 2003 Volker Koepp
- 2004 Christian Petzold
Peis zur Förderung des künstlerischen Nachwuchses
- 2001 Susanne Schüle, Stanislaw Mucha
- 2002 Fatih Akin
- 2003 Sebastian Winkels
- 2004 Hans Weingartner
Programmpreis
- 2001 Thüringer Filmbüro, Kromsdorf; Filmbetriebe Adrian Kutter, Biberach; Filmarchiv Austria, Wien
- 2002 ACUD Kino Berlin; Werkstattkino München; Wilhelm-Fraenger-Institut, Berlin
- 2003 Filmmuseum Potsdam; Kino im Schillerhof Jena; Filmhaus Nürnberg
- 2004 Filmtheater Metropolis Dresden, Internationales filmfest Braunschweig, Spatzenkino Berlin
Yunnangruen
Cinematic music
Yunnangruen transkribiert, arrangiert und interpretiert Filmmusik von Ennio Morricone, Astor Piazzolla, Henry Mancini, Goran Bregovic, Fred Frith und Kompositionen von John Medeski, Louis Sclavis, Kurt Weill, komponiert Soundtracks zu Filmen, Theaterstücken, Hörspielen, Comics und improvisiert über dieses Material.
Hierzu werden bei Bedarf elektrische Effekte wie Bandschleifen, Phasenschieber und Verzerrer eingesetzt. Heraus kommen laute, leise, zarte, harte, schöne, schräge Töne,
die bezaubern, verwundern oder aus den Schuhen hau'n.
Hartwig Nickola
Klassische Aussbildng in Wuppertal, Workshops bei Hampel und Kowald. In Berlin Free Jazz bis Pop: Foyer Des Arts, Die Drei Tornados, Conny Bauer, Lauren Newton, Pepette Betancor.
Inka Janßen
Klavier- und Saxophonstudium an der HDKBerlin.
Saxophonistin von Quadrilla (Saxophonquartett), Gatz-Gatz und electric mistress deluxe (TanzSax).
Otto Schönthaler
Tonmeisterstudium an der HDKBerlin, Jazzklavierunterricht bei Walter Norris. Pioano und Wurlitzer bei Zwanglos, Monsun, Peak 11, Gayle Tufts, GatzGatz.
www.yunnangruen.de
Publikationsliste
apropos: Film 2004 - Das Jahrbuch der DEFA-Stiftung
Erika Richter / Ralf Schenk / Claus Löser (Hg.)
ca. 336 Seiten, ca. 150 Abbildungen
ISBN 3-929470-29-2
Für 19,90 € im Buchhandel erhältlich.
Das Jahrbuch der DEFA-Stiftung enthält Interviews, Recherchen und Essays zur deutschen Filmgeschichte und -gegenwart. Einer der Schwerpunkte im Jahrbuch 2004 ist „Spielen im Film“ mit Texten über Armin Mueller-Stahl, Jutta Wachowiak und Hilmar Thate. Vorgestellt werden ebenso Lebenswege einstiger DEFA-Kinderdarsteller und Arbeiten junger deutsch-türkischer Filmemacher.
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| aprosos:Film 2004 |
Der Schlaf vor dem Erwachen
Karl-Hans Bergmann
469 Seiten
ISBN-Nr. 3-929470-28-4
Für 12,50 € zzgl. Versandkosten in der Stiftung erhältlich.
„Der Schlaf vor dem Erwachen“ ist eine autobiografische Studie von Karl-Hans Bergmann über die Jahre 1931 bis 1949, die Zeit seiner Mitgliedschaft in KPD und SED. Er arbeitete im antifaschistischen Untergrund und wurde 1935 verhaftet. Er verbrachte vier Jahre in Gefängnissen sowie in den KZ’s Dachau und Sachsenhausen. Nach seiner Entlassung emigrierte er 1942 in die Schweiz und kehrte nach Kriegsende nach Berlin zurück. Er gehörte als Direktor für Wirtschaft und Verwaltung 1946 zu den ersten Lizenzträgern der DEFA. Nach einem Verhör durch die Zentrale Partei- und Kontrollkommission brach er 1949 mit der SED.

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| Der Schlaf vor dem Erwachen |
Erzählen für den Film
Wolfgang Trampe
294 Seiten, 31 Fotos
ISBN 3-00-013941-9
Für 12,50 € zzgl. Versandkosten in der Stiftung erhältlich.

Das Buch geht der Frage nach: Was ist das eigentlich, "Erzählen für den Film?" Sie wird gebunden an Autoren, die für die DEFA geschrieben haben, jene Filmgesellschaft, die es nicht mehr gibt, die in Gestalt der Filme aber weiter ihre Wirkung ausstrahlen wird. Im Gegensatz zu vielen anderen Darstellungen werden hier die Probleme der Schreibenden im Zentrum des Interesses stehen. Um die Arbeit geht es hier, um die Filme - aber auch um die begleitenden Erscheinungen. In den Gesprächen, die Wolfgang Trampe mit den Autoren führte, entstanden kurzweilige Porträts von:
- Wolfgang Kohlhaase,
- Ulrich Plenzdorf,
- Regine Kühn,
- Christa Kozik,
- Günther Rücker,
- Thomas Knauf,
- Gabriele Kotte und
- Martin Stephan.