Meletzky, Franziska

Regisseurin Franziska Meletzky hat erst einen abendfüllenden Spielfilm gedreht. Bereits mit ihren Kurzfilmen, die an der Filmhochschule in Potsdam entstanden sind, hat sie sich auf nationalen und internationalen Festivals einen Namen gemacht, mehrfach werden sie ausgezeichnet. Ihr Abschlußfilm NACHBARINNEN (2003), ein psychologisch genau inszeniertes Kammerspiel, wird als Studie über die Liebe und die Einsamkeit ein Kritikererfolg.

Franziska Meletzky ist am 23. Juli 1973 in Leipzig geboren. Ihr Vater ist Ingenieur für Energetik, die Mutter arbeitet als Ingenieurin für Entstaubungstechnik. Sie wächst in einer Plattensiedlung in Leipzig auf. Nacht ihrer Schulausbildung, die sie mit 1992 mit dem Abitur abschließt, studiert sie an der Universität in Leipzig Germanistik, Anglistik und Kommunikationswissenschaft. Für ein Jahr geht sie nach Großbritannien und arbeitet als Kellnerin im Fußballclub von Manchester City. 1997 schließt sie Teile des Studiums mit dem Diplom ab, wechselt dann aber an die Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam- Babelsberg, studiert bis 2004 im Studiengang Film- und Fernsehregie.

Erste Filmarbeiten entstehen Mitte der 90er Jahre, unter anderem die Kurzfilmen HILFE (1996) und BLIND DATE (1996), den Franziska Meletzky in Großbritannien produziert. Während ihres Studiums macht sich die Regisseurin mit ihren Übungen auf verschiedenen Festivals einen Namen, mehrfach werden ihre Kurzfilme ausgezeichnet. FILMVERRÜCKT (1997) erzählt von Albert Pätz, einem ehemaligen Filmkurier, Vorführer, Schnittmeister und Kameramann in Halle an der Saale. Drei Tage beobachtet die Regisseurin ihn und entdeckt die Schätze des witzigen und energiegeladenen Cineasten. SÜNDENFÄLLIG (1997) ist ein Kurzfilm über Liebe, Ehe, Frust und Gurkensalat. In dem 5-minütigen Kurzfilm DUFT (1999) spielt der Geruchssinn eine Rolle; ein guter Duft kann sehr verführerisch sein. Aber auch zu höchstpeinlichen Situationen führen. Der 13-minütige Kurzfilm 39 1/2 (2000) erzählt von einem tangoverrückter Taxifahrer, der sich in eine Müllfrau verliebt. Sie schwingt die Tonnen so sinnlich, als würde sie Tango tanzen. Die Müllfrau wird gespielt von Lisa Martinek. In dem Kurzspielfilm ALLES MIT BESTECK (2001) denkt die Regisseurin über das Andere nach: Zwar wird die Gastfreundschaft in einem Restaurant besonders hervorgehoben, aber nur, wenn sich alle nach den Regeln verhalten. Erstmals arbeitet Franziska Meletzky hier mit bekannten Schauspielern und Künstlern zusammen: Konstantin Wecker komponiert die Musik und spielt zudem im Film Klavier, außerdem stehen Andreas Sawatzki und Jutta Wachowiak vor der Kamera.

Während ihres Filmstudiums ist Franziska Meletzky auch am Theater tätig. In Oberhausen inszeniert sie 1997 die Stücke "Die Eisprinzessin" von Friedrich Karl Wächter und "Sächsische Klassiker" von L. Loigt. 1998 werden eigene Fotos in Essen und Oberhausen ausgestellt, unter dem Titel "Die Nabel der Welt". Dem Theater fühlt sich die Regisseurin verbunden. 2004 übernimmt sie die Regie für den Chansonabend "Roter Mohn - eine Schwarzfahrt ins Glück" der Schauspielerin Ramona Libnow, die auch als Darstellerin in einigen ihren Filmen zu sehen ist.

Ihr Diplomfilm wird NACHBARINNEN (2003): Das Drama erzählt von einer vereinsamten Leipzigerin, die eine polnische Nachbarin bei sich aufnimmt. Wegen Mordverdacht droht ihr die sofortige Abschiebung. Das psychologische Kammerspiel, inszeniert in einer Leipziger Plattenbauwohnung im Stadtteil Mockau, erzählt einfühlsam von den zwei unterschiedlichen Frauen, die sich anfangs widerwillig in der Situation gefangen sehen, aber im Lauf der Zeit zu Freundinnen und Vertrauten werden. Gelobt werden an dem Film seine soziale Bodenhaftung und die psychologische Genauigkeit, mit der die Figuren in Szene gesetzt sind. Klug baut die Regisseurin die Spannung zwischen den beiden Frauen auf, die Figuren wirken verloren und einsam, ihre Bestreben nach Nähe scheint zum Scheitern verurteilt - sie werden gezwungen, über ihr Leben nachzudenken. Die Leistungen des ausgezeichneten Schauspielerensembles - Dagmar Manzel und Grazyna Szapolowska spielen die Hauptrollen, Jörg Schüttauf ist in einer Nebenrolle zu sehen - tragen mit dazu bei, daß die einfache, konzentrierte und auch schöne Geschichte über die Liebe ein Erfolg wird.

Derzeit arbeitet Franziska Meletzky für den Sender SAT 1 an einem Kurzkrimi. Im Stil von Miss Marple wird eine schräge Geschichte erzählt. Zudem befindet sich ihr neues Kinoprojekt bereits in einer fortgeschrittenen Phase. Unter dem Arbeitstitel PLAN B will sie in der Tragikomödie von drei Schwestern und deren Lebensentwürfen erzählen. Zur Geburtstagsfeier ihrer Mutter, die ganz anders verläuft als geplant, treffen sie sich wieder. Die Dreharbeiten sind im Mai 2006 in Sachsen-Anhalt und Brandenburg geplant. Wieder konnte die Regisseurin bekannte Darsteller vor die Kamera holen: Die drei Schwestern sind Dagmar Manzel, Kirsten Block und Corinna Harfouch. Die Eltern werden gespielt von Christine Schorn und Otto Mellies. Franziska Meletzky wird auch wieder mit Elke Rössler als Autorin zusammenarbeiten, die bereits am Buch von NACHBARINNEN (2003) mitgeschrieben hat.

Franziska Meletzky ist verheiratet. Ihr Sohn Adriaan Charlie wird 1998 geboren, 2001 folgt Sohn Jone Gustav. Die Familie lebt in Potsdam.

zusammengestellt von Ines Walk ( www.film-zeit.de ), Stand: Mai 2006

 

Filmographie

  • 1996 Hilfe
    Kurzfilm: Regie
  • 1996 Blind Date
    Kurzfilm: Regie
  • 1997 filmverr�ckt
    Kurz-Dokumentarfilm: Regie
  • 1997 S�ndenf�llig
    Kurzfilm: Regie
  • 1998 Traumreise
    Kurzfilm: Regie
  • 1998 Mitgerissen!
    Festivaltrailer Cottbus: Regie
  • 1999 Duft
    Regie
  • 1999 Weg nach Weimar
    Trailer
  • 2000 39 1/2
    Kurzspielfilm: Regie
  • 2001 Alles mit Besteck
    Kurzspielfilm: Regie
  • 2002 Gl�cklich ist allein
    Kurz-Dokumentarfilm: Regie
  • 2005 Nachbarinnen
    Diplomfilm: Regie


Auszeichnungen
1997 Theaterpreis der Stadt Oberhausen für "Die Eisprinzessin"

2001 DUFT
Filmfest im Internet: Jurypreis "Short Welcome"
Filmfest Rottweil: 2. Publikumspreis

2001 39 1/2
Filmfest Ebensse: Bär in Gold
Festival of Actual Kino, Novosirbirsk: Spezialpreis "Beauty"
Europäisches Filmfestival Alpinale: Jean Thevenot-Medaille
Filmfest Brno: Václav Koubek Award of Love
Blue Sea Film Festival Raumalla (Finnland): Baltic Herring

2001 ALLES MIT BESTECK
Festival Visionaria, Siena (Italien): Preis der Jury
International Women's Filmfestival, Turin: 2. Preis
Eurovideo, Malaga: 3. Preis

2002 ALLES MIT BESTECK
Filmfest Rottweil: Hauptpreis "Goldene Gundula"

2004 NACHBARINNEN
Internationales Filmfestival Miscolc, Ungarn: Bester Film
First Steps Award: Nominierung "Beste Spielfilm"

2005 NACHBARINNEN
Preis der DEFA-Stiftung zur Förderung des künstlerischen Nachwuchses
New Faces Award: Nominierung "Beste Regie"


Ausgewählte Literatur
Franziska Meletzky: Über die filmischen Möglichkeiten der Darstellung von zwischenmenschlicher Nähe am Beispiel von AUF WIEDERSEHEN von Heddy Honigmann & ALLES ÜBER MEINE MUTTER von Pedro Almodovar, Diplomarbeit im Studiengang Film- und Fernsehregie, Standort Hochschule für Film- und Fernsehen "Konrad Wolf" Potsdam-Babelsberg, 2002.

Angelika Mieth: Inspiriert von … Literaturadaption im praktischen Vergleich. Annäherungen und Möglichkeiten. BFF 61, Vistas Verlag, Berlin 2002. [enthält einen Text von Franziska Meletzky].





Franziska Meletzky