Filmemacher Kurt Barthel beginnt Mitte der 60er Jahre eine erfolgsversprechende Karriere im DEFA-Studio für Spielfilme. Er arbeitet als Regie-Assistent bei Konrad Wolf, bekommt schnell eine eigene Regie angeboten. Doch der Film FRÄULEIN SCHMETTERLING (1965) wird im Zuge des 11. Plenums des Zentralkomitees der SED verboten. Danach stockt seine berufliche Karriere, er wechselt ins DEFA-Studio für populärwissenschaftliche Filme, produziert als Regisseur und Drehbuchautor bis heute eine Vielzahl von Kurz- und Dokumentarfilmen.
Kurt Barthel wird am 30. Januar 1931 in Berlin geboren. Seine Mutter, Alice Flegel, ist bis 1933 Sekretärin in der Russischen Handelsvertretung in Berlin. Sein Vater Curt Barthel ist ebenfalls hier beschäftigt. Die Ehe scheitert, Kurt Barthel wächst bei seiner Mutter auf. 1938 wird Erwin Flegel, Werkzeugmacher, sein Stiefvater. Bereits während seiner Kindheit entdeckt er sein Interesse für den Film, assistiert einem Freund im kleinen Kino, der "Flohkiste", in der Nachbarschaft. Nach seiner Schulausbildung absolviert er von 1946 bis 1949 eine Lehre als Autoschlosser. Danach findet er Arbeit als Fräser, Transportarbeiter und Traktorist. Neben seiner Arbeit holt er das Abitur nach, macht 1956 seinen Abschluss an der Arbeiter- und Bauernfakultät in Potsdam. Danach studiert er bis 1961 an der Deutschen Hochschule für Filmkunst Potsdam-Babelsberg. Eine seiner Studentenarbeiten ist KRAFT (1958), in der die Stärke der Arbeiterklasse thematisiert wird.

Szene aus "Der geteilte Himmel" (1964)
Foto: DEFA-Stiftung/Fotograf unbekannt
Danach wird Kurt Barthel als Regie-Assistent im DEFA-Studio für Spielfilme angestellt. Er assistiert unter anderem bei den Regisseuren Heinz Thiel und Joachim Hasler. Er arbeitet bei dem Regisseur Konrad Wolf, wirkt im Team mit Christa Wolf und Gerhard Wolf, Konrad Wolf und Willy Brückner an dem Drehbuch zu DER GETEILTE HIMMEL (1964) mit. Schnell bekommt er seine erste Regie-Arbeit übertragen, arbeitet an dem Film FRÄULEIN SCHMETTERLING (1965), der minimal mit 900.000 Mark budgetiert, als experimenteller Versuch von der DEFA-Leitung beobachtet wird. Erzählt wird ein poetisches Gegenwartsmärchen, welches auf das Lebensgefühl junger Menschen blickt und ihren Traum vom Glück. Die Selbstverwirklichung einer jungen Frau wird thematisiert, die nach ihren eigenen Vorstellungen leben will und sich der staatlichen Bevormundung widersetzt. Am 4. Februar 1966, kurz nach dem berüchtigten 11. Plenum des Zentralkomitees der SED, wird die Rohschnittfassung vor einem Gremium hochrangiger DDR-Kulturfunktionäre vorgeführt. Daraufhin werden alle Arbeiten an dem Film eingestellt, das moderne Märchen wandert, da es nicht dem gewünschten Bild des real existierenden Sozialismus entspricht, in den Tresor. Erst 1990 wird dem Regisseur die Möglichkeit geboten, bei der Restaurierung und Vollendung des Films mitzuwirken. Nach Sichtung des Materials lehnt er allerdings ab, da er keine Möglichkeit sieht, seine damaligen Ideen und Intentionen deutlich zu machen. Der Film wird 2005 in einer rekonstruierten Fassung in den Kinos gezeigt.
Für Kurt Barthel ist die junge Karriere im DEFA-Studio für Spielfilme beendet. Nicht hergestellt wird unter anderem der Stoff einer Gespenstergeschichte zwischen Ost und West, die er gemeinsam mit dem Schriftsteller Claus-Ulrich Wiesner bearbeitet hat. Nach ersten Sondierungen kommt ein negativer Bescheid für die Herstellung des Films. Auch andere Ideen kommen über ein früheres Stadium nicht hinaus. Ihm wird die Regie für den Kinder- und Jugendfilm DIE NACHT IM GRENZWALD (1968) angetragen, der eine Geschichte über den illegalen Widerstandskampf gegen die Nazis im Deutschland der 30er Jahre schildert. Die zwei Jungen Lutz und Harald kämpfen auf ihre ganz eigene Art gegen die Nazis. Danach stockt die berufliche Karriere von Kurt Barthel beim DEFA-Studio für Spielfilme. Der Regisseur arbeitet zeitweise für die FDJ bei Großveranstaltungen mit. Der damalige Leiter des DEFA-Studios Albert Wilkening will ihn wieder als Regie-Assistenten einsetzen - Kurt Barthel lehnt ab.
Seit 1970 arbeitet der Kurt Barthel freiberuflich als Autor, wird später im DEFA-Studio für populärwissenschaftliche Filme fest angestellt. Zunächst arbeitet er als Autor, später produziert er als Regisseur in den 70er und 80er Jahren eine Vielzahl von Kurz- und Dokumentarfilmen. Von 1976 bis 1991 ist er im Dokfilmstudio fest angestellt, mit der Abwicklung der DEFA arbeitet er wieder freischaffend. Die Palette seiner Filme ist umfangreich. Es entstehen Filme für das Beiprogramm in den Kinos, Sendungen für das Fernsehen der DDR und Filme im Auftrag verschiedener Institutionen und Organisationen, unter anderem fungieren als Auftraggeber der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB) oder die UNO. Mit besonderem Interesse verfolgt der Regisseur wissenschaftliche Themen, die er publizistisch aufbereitet.
Ein für DDR-Verhältnisse seltener Film ist MENSCH, HALT DICH FEST (1979). Der 11-minütige Kurzfilm bietet Slapstick zum Thema Arbeitsschutz. Es geht um Fehlverhalten auf der Baustelle, welches durch Situationskomik entlarvt wird. Originell arbeitet der Beitrag mit für das Thema ungewöhnlichen Mitteln: Sprechblasen kommentieren die Situationen, Zirkusmusik untermalt die falschen Handlungsweisen. Nochmals seinen schwarzen Humor zeigt der Regisseur in ZUG UM ZUG (1982), einem sarkastischen Antiraucherfilm. Mit originellen und äußerst einprägsamen Mitteln werden die schädlichen Folgen des Rauchens vor Augen geführt.
Seit Anfang der 80er Jahre gerät das Thema Ökologie und Umweltschutz in den Blickpunkt der DEFA-Dokumentarfilmer. In OSTSEE. EIN GESCHÜTZTES MEER (1988), der anlässlich einer Konferenz der sieben Ostsee-Anrainerstaaten entsteht, veranschaulicht der Regisseur die Entstehung des Meeres und mit welchen Problemen es zu kämpfen hat. Das Thema beschäftigt Kurt Barthel auch weiter. Die RUPPINER SCHWEIZ – AM ENDE EINES SOMMERS (1989) zeigt er zunächst als idyllische Landschaft, touristisches Erholungs- und Urlaubsgebiet, um dann den sorglosen Umgang mit der Natur zu thematisieren. Nach der Abwicklung des DEFA-Studios für Dokumentarfilme arbeitet Kurt Barthel freischaffend. Es entsteht unter anderem 1991 eine sechsteilige Serie über Märkische Herrenhäuser.
Kurt Barthel ist verheiratet. Seine zweite Ehefrau Petra Barthel (geb. 1950) lernt er als Schnitt-Assistentin im Fernsehstudio Adlershof kennen. Heute ist die studierte Schnittmeisterin Leiterin der Produktionsfirma ProBat Video und Film in Potsdam, die Industrie- und Werbefilme für Fernsehanstalten, kleine und mittlere Unternehmen und private Auftraggeber herstellt. Aus erster Ehe stammen die Söhne Stephan, der als Kunstmaler tätig ist, und André (geb. 1960), der als Requisiteur beim Film arbeitet. Seine Tochter aus zweiter Ehe Judith (geb. 1978) studiert an der Hochschule für Film und Fernsehen im Fachbereich Produktion. Die Familie lebt in Teltow bei Potsdam.
zusammengestellt von Ines Walk ( www.film-zeit.de ), Stand: Mai 2006
Filmographie
- 1958 Kraft
Studentenfilm, Regie, Drehbuch
- 1961 Von einem der Auszug, das Glück zu erjagen
Studentenfilm, Regie, Drehbuch
- 1961 SPW vor
Diplomfilm, Regie
- 1962 Die Festung am Rhein
Regie-Assistenz
- 1962 Der Kinnhaken
Regie-Assistenz
- 1963 Nebel
Regie-Assistenz
- 1964 Der geteilte Himmel
Regie-Assistenz, Drehbuch
- 1966 Fräulein Schmetterling
Regie, Drehbuch
- 1968 Die Nacht im Grenzwald
Regie
- 1971 Materialwirtschaft
Drehbuch
- 1972 Kriminalitätsbekämpfung - Lektion 1, 10 Folgen
Regie, Drehbuch, Text
- 1973 Zwei Künstler - eine Brigade
Regie, Drehbuch
- 1973 Ordnung und Sicherheit, 10 Folgen
Regie, Drehbuch
- 1973 Funkstreifenwagen
Drehbuch
- 1973 Zwei Künstler - eine Brigade
TV: Regie, Drehbuch
- 1973 Maxe im Straßenverkehr, 10 Folgen
TV: Regie, Drehbuch, Text
- 1974 Notizen vom Lande
Regie, Drehbuch, Text
- 1974 Maxe in der Schule, 10 Folgen
TV: Regie
- 1974 Kriminalitätsbekämpfung - Lektion 2, 10 Folgen
TV: Regie, Drehbuch, Text
- 1974 Kriminalitätsbekämpfung - Lektion 3, 10 Folgen
TV: Regie, Drehbuch, Text
- 1974 Maxe macht Ferien, 10 Folgen
TV: Regie
- 1974 Monolog über einen Unfall
Regie, Drehbuch, Text
- 1975 Backsteingotik in der DDR
TV: Regie
- 1974 Frauen in der Landwirtschaft
Regie, Drehbuch, Text
- 1976 Geplante Landschaft
Regie, Co-Drehbuch, Text
- 1976 Die Hand
Regie, Drehbuch, Text
- 1977 Kriminalitätsbekämpfung - Lektion 4,
10 Folgen TV: Regie, Drehbuch, Text
- 1977 Halle-Neustadt
TV: Regie, Drehbuch, Text
- 1977 Freiwillige Helfer
TV: Regie, Drehbuch
- 1978 Mehr als nur ein Dach
Regie, Drehbuch
- 1978 Die Kuh aus der Pipette
TV: Regie, Drehbuch, Text
- 1978 Die Feuerwehr warnt, 10 Folgen
TV: Regie, Drehbuch
- 1978 Feuerwehrleute - oder wie man lernt, das Feuer auszumachen
TV: Regie, Drehbuch, Text
- 1979 Mensch halt dich fest
Regie, Drehbuch, Text
- 1979 Geschichte eines Kinderwagens
TV: Drehbuch
- 1979 Bauhaus
TV: Drehbuch
- 1980 Der Apfel als solcher
Regie, Drehbuch, Text
- 1980 Kosmos - Vorstellung und Realität
TV: Regie, Drehbuch, Text
- 1981 Vierbeinige Helfer
TV: Drehbuch
- 1981 Zeitspiele
Regie, Drehbuch, Text, Szenarium
- 1981 Holz wächst an
Holz TV: Regie, Drehbuch, Text
- 1981 Atlantik
Regie, Drehbuch, Text
- 1982 Zug um Zug
Regie, Drehbuch, Text
- 1982 Neubrandenburg Stadt der vier Tore
TV: Regie, Drehbuch, Text
- 1983 Messer, Gabel, Schere, Licht...
Regie, Szenarium
- 1984 Was hat der Mensch vom Tier ererbt?
TV: Regie, Text, Szenarium
- 1985 Freunde für immer
TV: Regie, Text, Szenarium
- 1985 Achtung! Kinder!
Regie, Szenarium
- 1985 Und als ich über die Grenze kam
Regie, Text, Szenarium
- 1986 Wachsam und bürgernah
Regie, Drehbuch
- 1986 Der Affenberg im Kaukasus
Regie, Text, Szenarium
- 1986 Ein Rad für Julchen
Regie, Text, Szenarium
- 1987 Deutsch-polnisches Jugendorchester
Regie, Drehbuch, Text
- 1988 Ostsee - ein geschütztes Meer
Regie
- 1988 Schutzgemeinschaft Boddenkette
Regie, Drehbuch, Text
- 1988 Ruppiner Schweiz - am Ende eines Sommers
Regie, Text, Szenarium
- 1989 Kulturstadt Dresen
Drehbuch
- 1989 Bilzingsleben - Rastplatz der Urmenschen
TV: Regie, Drehbuch
- 1989 Fahrradferien
Regie, Drehbuch, Text
- 1989 Traumlos?
Regie, Text, Szenarium
- 1990 Auf der Suche nach Rethra
TV: Regie, Drehbuch, Szenarium
- 1990 Die Slawen zwischen Oder und Elbe
TV: Regie, Drehbuch
- 1991 Märkische Herrenhäuser: Der Abtshof von Jüterbog
TV: Regie, Drehbuch
- 1991 Märkische Herrenhäuser: Neuhardenberg
TV: Regie, Drehbuch
- 1991 Märkische Herrenhäuser: Schloss Dahme
TV: Regie, Drehbuch
- 1991 Märkische Herrenhäuser: Wustrau
TV: Regie, Drehbuch
- 1991 Märkische Herrenhäuser: Schloss Branitz und anderes
TV: Regie, Drehbuch
- 1991 Märkische Herrenhäuser: Zwei Schlösser
TV: Regie, Drehbuch
- 1991 Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff
TV: Regie, Drehbuch
- 1991 Brandenburg - Lebensringe einer Stadt
Regie, Drehbuch
- 1991 Dierhagen - November '91
TV: Regie, Drehbuch
- 1992 Berlin hin und zurück / Freie Fahrt
Regie
- 1992 Brandenburgische Landgesellschaft
Regie
- 1993 Frank Beyer - Zwischen den Zeiten
TV: Regie
- 1994 Brandenburg Auf dem Weg ins nächste Jahrtausend
Regie
- 1994 Geliebtes Görlitz
TV: Regie
- 1994 Görlitz, die Schöne an der Neiße
TV: Regie
- 1996 Fürst Pückler - Landschaft und Leben
Regie, Drehbuch
- 1996 Biobauern in Brandenburg
TV: Drehbuch, Text
- 1997 Knobelsdorff - Der Baumeister eines großen Königs
Regie, Drehbuch
- 1997 Vom Denkmal bis zum Ökohaus
TV: Regie, Drehbuch
- 1998 Synanon - Leben ohne Drogen
TV: Drehbuch, Text
- 1999 Brandenburg - die Industriestadt am Wasser
Regie, Drehbuch
- 2000 Mamor, Stein und Eisen bricht
TV: Drehbuch, Text
- 2001 Sylvia Voß - Die Grüne für Brandenburg
TV: Drehbuch, Text
- 2002 Gegen Gewalt - 3 Projekte gegen Gewalt
TV: Drehbuch, Text
Auszeichnungen
1976
- MONOLOG ÜBER EINEN UNFALL
Arbeitsschutzfilm-Festival: Hauptpreis
- HALLE-NEUSTADT
Filmfest Ostrava: Hauptpreis
- GEPLANTE LANDSCHAFT
Filmfest Ostrava: Sonderpreis
1977
- DIE HAND
Arbeitsschutzfilm-Festival der sozialistischen Länder Warna: Hauptpreis
1981
- KOSMOS - VORSTELLUNG UND REALITÄT
Jena: Diplom AISF
1982
- HOLZ WÄCHST AN HOLZ
Filmfest Ostrava: Sonderpreis
1983
- ZUG UM ZUG
Ronda: Diplom AISF
1984
- WAS HAT DER MENSCH VOM TIER ERERBT?
Preis der AICSF
1986
- ACHTUNG! KINDER!
Filmfestival Karlovy Vary: Sonderpreis Verkehrserziehung
Ausgewählte Literatur
Kurt Barthel: Die Filmkunst im Zeichen der Literatur - Über die Möglichkeiten des epischen Films, Diplomarbeit an der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam-Babelsberg, 1961.