Vetter, Marcus

Marcus Vetter ist ein Regisseur der klassischen Schule des engagierten Dokumentarfilms, der Cinéma Vérité, und kann in einem Atemzug mit den Großen des Genres genannt werden. Seine Werke über ökonomische Zusammenhänge und Phänomene der deutschen Wirtschaft gehören zum Besten, was das deutsche Kino und Fernsehen zu bieten hat. Sie zeugen von hohem Sachverstand und machen komplexe ökonomische und gesellschaftliche Zusammenhänge für den Zuschauer leicht verständlich. Schon früh haben sie die Mechanismen benannt, die zum Platzen der Internetblase zur Jahrtausendwende und im Herbst 2008 zur größten Weltwirtschaftskrise seit 1929 führten.

Marcus Vetter gelingt es trotz der schwierigen Thematik zu unterhalten und Emotionen zu wecken, da er Menschen findet, die selbst mitmischen oder zumindest versuchen ein kleines Stück vom Kuchen zu erhaschen, wenn die großen Profite verteilt werden. Oder dem ganzen Spiel fassungslos gegenüber stehen. Er kommt ihnen nah und rechtfertigt ihr Vertrauen, in dem er sie nie bloßstellt, sondern sie selbst sein lässt.

Diese Stärke seiner Werke stahlt auch „Das Herz von Jenin“ aus, ein Film, mit dem er Neuland betritt. Nicht nur, weil er erstmals einen Film vollständig fern von Deutschland realisiert. Die Erlebnisse in Palästina und Israel lassen ihn nicht los. Mit Gleichgesinnten gründet er den Verein „Cinema Jenin e.V.“, der in den von Israel besetzten Gebieten Palästinas ein Kino wieder errichten will, in dem die Werke der internationalen Filmkunst einen Platz finden. Ein Stück Normalität und Alltag, und doch mehr als das. Das Haus soll ein Ort der interkulturellen Begegnung werden. „Ich habe einen völlig neuen Beruf als Friedensbotschafter für mich entdeckt.“ 

Marcus Vetter wird 1967 in Stuttgart geboren und wächst in Schwäbisch-Gmünd ohne Vater auf. „An der Stelle, wo er hätte sein sollen, war ein schwarzes Loch, ein großes Nichts. Ich hatte auch nicht das Bedürfnis ihn zu treffen, weil ich nur wusste, dass er Türke ist und mir bei meinen türkischen Freunden nicht alles gefallen hat. Ich habe sogar Vorurteile gegenüber dem Islam aufgebaut.“

Seine Mutter bleibt mit ihm alleine. Zum 18. Geburtstag schreibt der Vater eine Postkarte, bittet ihn, 2 DM für einen Lottoschein einzusetzen. „Damals fand ich das entsetzlich, heute kann ich drüber schmunzeln.“ Das Trauma löst sich 2005 beim Dreh seines persönlichsten Dokumentarfilms „Mein Vater, der Türke“.  Die Kamera ist dabei, wenn Marcus Vetter seinen Vater und seine Halbschwestern in deren Heimat trifft und dort nach Gründen für das Handeln seines Vaters sucht. Er hatte in der Türkei schon eine Familie gegründet als er auf der Suche nach gut bezahlter Arbeit nach Deutschland kam, sich in Vetters Mutter verliebte und sie mit dem Kind alleine ließ.

„Meine Mutter hat den Anstoß gegeben. Ich habe mich dem Projekt eher aus einem schlechten Gewissen heraus gestellt, weil ich mich ihm so lange so fest verschlossen hatte. Als Filmemacher habe ich die Geschichte meiner Eltern gesucht, aber meine eigene gefunden.“ Über die Erinnerungen seiner Mutter, die ihn nachhaltig beeindruckt haben, kann Vetter verstehen, was es in der Bundesrepublik der Endsechziger Jahre bedeutete, in einem rechtskonservativen Elternhaus eine Beziehung mit einem Ausländer zu beginnen und ein uneheliches Kind zu bekommen. Er versetzt sich in die Zeit, urteilt nicht, sondern lässt seine Gefühle sprechen. Er kann vergeben, schlägt Brücken in die Gegenwart und hinterfragt sich selbst. „Ich wollte den Vorurteilen gegenüber dem Islam auf den Grund gehen: Warum sind Frauen dort Menschen zweiter Klasse und warum ist ein Sohn dort mehr Wert als eine Tochter.“ Abschließende Antworten kann er nicht finden. Die Reise nach Anatolien wird für ihn jedoch nicht nur eine Reise zu seinen Wurzeln. Er findet einen Vater und für seine Kinder einen Großvater.

Sozialisiert wird Marcus Vetter in den 70er und 80er Jahren in Baden-Württemberg. Bei den Prozessen gegen die RAF in Stammheim ist er noch zu jung, um politisiert zu werden. Das von ihnen ausgelöste links-alternative Denken lebt in ihm weiter. „Ich bin links und glaube, dass der Kapitalismus am Ende ist. Er ist wie ein Kettenbrief, an dessen Ende die Versprechen nicht eingehalten werden können. Wenn sich dies herausstellt, wird die Wut aus den Betrogenen herausbrechen. Das könnte in einen aggressiven Prozess enden, mit dem die Wurzeln des Übels ausgerissen werden. Vor dieser Revolution habe ich Angst. Ich glaube eher an die Mitte, an Allende“.

Mit seinem Filmen will er die Stimmung beeinflussen. Ursprünglich will er Germanistik studieren. Seine Mutter rät, sich für was „Ordentliches“ zu entscheiden. „Aus meiner politischen Überzeugung heraus habe ich mich für ein Wirtschaftsstudium entschieden. Ich wollte von innen kennen lernen, was ich so verwerflich fand.“

Nach dem Abi geht er das erste Mal nach Buenos Aires, wo seine Liebe zu Südamerika geweckt wird. Zwei Filme dreht er dort später: „La Floriada“, 2003, über den Zusammenbruch des Geldsystems in Argentinien, und „Schlacht um Bruckmann“, ein Porträt von Näherinnen, die „ihre Fabrik“ besetzt haben.

In Argentinien lernt er spanisch. In Buenos Aires und in Madrid absolviert Vetter mehrere Semester. 1991 macht er sein Diplom in „Europaen Business Management“ in Worms. Drei Jahre später schließt er mit Diplom ein Studium der Medienwissenschaft- und Praxis an der Universität Tübingen ab. Dort unterrichtet er heute.

Nach einem Volontariat bei der Bavaria geht er zum SDR in Baden-Baden, wo er einen fest-freien Pauschalisten-Vertrag als Filmemacher erhält. Noch heute ist der SWR sein ständiger Produktionspartner. Dort kann er in Filmen der Reihe „Zeichen der Zeit“, die im Jahre 2000 eingestellt wird, seine Handschrift ausbilden. „Die Themen konnte ich mir selbst aussuchen.“

Als erster Film entsteht „Wenn der Bus kommt“ über die Euthanasie in der zweiten Hälfte der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts in einem christlichen Pflegeheim auf der Schwäbischen Alb. Er rekonstruiert den Fall einer jungen, geistig behinderten Frau, die sich erfolgreich vor dem Transport in die Vernichtung versteckt. Für sie wird eine Küchenhilfe getötet, die zufällig den Häschern über den Weg läuft. Mit dem Wissen um diese Fakten müssen die Entkommene, Pfleger und Kranke leben. Auch ihre Leidensgenossen wissen um das Schicksal, das ihnen droht. Sie haben Angst, fliehen, entziehen sich aber dem Transport in den Tod nicht mehr.

Nach diesem bewegenden Film folgt „Hardy B. – Psychogramm eines Lebenslänglichen“, 1998, bei dem Marcus Vetter Co-Regisseur ist. Innerhalb der Suche nach Themen für die ARD-Reihe um Ereignisse, die die BRD einst in Atem hielten, stößt er auf Film-Rohmaterial von NBC. Es war von einem Italiener, der mit einem Landsmann und einer Gruppe mutiger Deutscher im  Sommer 1962 einen Flucht-Tunnels unter der Bernauer Straße gegraben hatte, um Menschen aus Ost-Berlin in den Westen zu schleusen. Vetter suchte die einstigen Verschwörer auf und arrangierte das erste Treffen nach mehreren Jahrzehnten. Sein akribisch recherchierter Dokumentarfilm über die Motive der Fluchthelfer und der Flüchtenden, die Auseinandersetzungen in der Gruppe und die Schwierigkeiten des Baus waren die Vorlage für das TV-Event „Der Tunnel“ von Roland Suso Richter.

Zwei Reportagen widmen sich Künstlerbiografien. In „Das Leben ist wunderbar“, 1999, porträtiert Vetter auf leise Art den Alltag der Geschwister Leismann, die mit ihren Schlagern durch Baumärkte im Ländle ziehen. „Er gehört zu meinen Lieblingsfilmen, obwohl oder vielleicht gerade weil es ein sehr trauriger Film über Helden ist.“

„Broadway Bruchsal“, 2001, eine Dokusoap-Serie von fünf 30-Minütern, folgt fünf Marathonläufern auf dem Weg zum New York Marathon. „Es war das erste und einzige Mal, dass die Protagonisten meines Films gecastet wurden. Das würde ich nicht wiederholen. Das hat nichts mehr mit Dokumentarfilm zu tun und ich habe auch alles abgelehnt, was auch nur im Entferntesten damit zu tun hatte.“

Vetter hat zu diesem Zeitpunkt schon sein Thema gefunden. Wie kaum ein zweiter versteht er es, Wirtschaftsthemen populär aufzuarbeiten. „Wo das Geld wächst – die EM-TV-Story“ führt in den kleinen bayerischen Heimatort der Gebrüder Haffa, die das Medienunternehmen EM TV an die Börse gebracht haben. Ihre Geschäfte werden unter anderem durch ihre einstigen Nachbarn finanziert, die über die örtliche Bank kräftig in Aktien investieren. Von den Gesetzen der Fernseh- und Filmproduktion hat keiner der Investoren einen Schimmer. Durch steigende Aktienkurse vor dem Platzen der Internetblase werden viele auf dem Papier reich, zumindest eine zeitlang. Als der Kurs der Aktien nach dem Platzen des Geschäftsmodells ins Bodenlose stürzte, waren die Millionen derer, die nicht rechtzeitig ausstiegen, wieder verloren.

Vetter lässt den Leiter der Bank und Klein-Aktionäre sprechen, die Vor- und Nachteile des Modells erläutern. Unausgesprochen schwebt im Hintergrund, inwieweit Vertrauen enttäuscht wurde. Kontrastiert wird die Chronologie des Aufstiegs und Falls des Medienunternehmens und seiner Aktionäre mit den Sorgen von Hopfenbauern, die ihre Ernte weit unter Wert verkaufen müssen. Die Kurse geben einfach nicht mehr her. Von ihren finanziellen Problemen haben sie sich erst am Ende des Films erholt – in dem Moment, wo der Rausch ihrer Nachbarn im Kater endet. Insgesamt wirkt die Reportage heute wie eine Vorschau auf all die Berichte über Bankenopfer, die ahnungslos ihrem Anlageberater vertraut haben.

„Seiner Zeit voraus zu sein, ist nicht immer marktfreundlich“, hatte Marcus Vetter schon bei seiner Reportage „Ein Schweinegeld“, 1999, festgestellt, in dem er mehrere Day Trader porträtiert, die zum Teil vom Computer von zu Hause aus auf den großen Gewinn an der Börse spekulieren. Darunter einen Teenager, der mit dem Handel mehr verdient als seine Mutter in ihrem Beruf als Ärztin, und eine einfache Frau aus Borna bei Leipzig, für die es der einzige Weg aus der Arbeitslosigkeit ist. Sie scheitert beim Bieten oft an der Technik. In ihrem Hoffen auf das große Geld lässt sie sich jedoch nicht beirren. Eine Alternative hat sie nicht, das schimmert zumindest durch.

Für den Fleischhauer aus New York ist das Tun der Deutschen ein Buch mit sieben Siegeln. Er produziert, womit andere virtuell handeln. "Kritiker warfen mir damals vor, ich mache es mir zu leicht. Es ist aber eine einfache Gleichung: Aus Geld Geld zu machen, kann nicht ewig funktionieren. Wenn keiner mehr arbeitet und Schweinebäuche produziert, kann keiner mehr Schweinebäuche handeln.“ Vetter weiß genau, wie das System der Börse funktioniert – er denkt, dass auch Journalisten bewusst oder unbewusst mit an der Schraube drehen, sie Verkäufe oder Käufe mitinitiieren, wenn sie Aktien empfehlen oder werten. Day Trader gehen ihren Empfehlungen oft ahnungslos auf den Leim. Vetter benennt das System, meint aber: „Ich bin kein Enthüllungsjournalist. Ich wusste aber vor dem Studium genau, dass dies mein Thema ist.“

Nach vier Wirtschaftsreportagen – die beiden südamerikanischen Filme zählt er zu „Day Trader“ und „Wo das Geld wächst“ - hatte er nach seinem Eindruck das Spektrum der Finanzwirtschaft und der Spekulationen abgedeckt. Noch einmal kehrt er zu dem Thema zurück, als Co-Regisseur des Kinodokumentarfilm „Die Unzerbrechlichen“, 2006, der in die Theresienthaler Glasfabrik führt. Als vor läufige Bilanz bleibt für ihn: „Man muss gegen diesen krankhaften Turbokapitalismus kämpfen. Im Moment sollten wir nur aufpassen, dass wir nicht von einem Extrem ins nächste verfallen. Ich würde gerne daran mitarbeiten. Denn wenn man auch manchmal das Gefühl hat, man stehe dem System machtlos gegenüber, heißt das nicht, dass man nichts machen kann. Mit einem Augenzwinkern und etwas Mut kann man viel erreichen. Wobei Fairness die wichtigste Prämisse ist.“ 

Vetter ist einem weiteren aktuellen Phänomen auf der Spur. „Wargames“, 2003, ist sein erster Kinodokumentarfilm. „Es war ein Phänomen der Zeit, das ich aufgenommen habe“. Ausschlaggebend waren die Erlebnisse eines Freundes aus Esslingen, der sich damit auseinandersetzen musste, dass sein Sohn im Netz die Identität einer Frau angenommen hatte. Pierre (im Internet Puppi) kommuniziert stundenlang in Chatrooms und Internetforen, einer schnelllebigen Parallelwelt. Der 18-Jährige steht abends auf, zündet sich die erste Zigarette an, klickt sich ins virtuelle Universum und verbringt dort die Nacht. Wenn die Sonne aufgeht über Esslingen, legt er sich schlafen. Er geht nicht zu Schule, hat keinen Kontakt mit der Außenwelt. Pierre und seine Spielkameraden Amokkx oder Myth sind Realitätsflüchtlinge: Heranwachsende, die sich lieber auf virtuellen Schlachtfeldern als in der Disco aufhalten. Und dann will Pierre, der mittlerweile eine ganz andere Leidenschaft im Internet entdeckt hat, den Clan verlassen.
Der Film bettet sein Schicksal in die Geschichte des Counterstrike-Clans „Knights of Darkness“ ein, wobei er sich neben ihn auf  „Myth“ (Chris), „AmokkX“ (Oliver), der Clan-Leader, dessen Vater sich am Morgen ebenfalls an den PC setzt, „Dragonmaster“ (Patrick) „Der Gestörte“ (Manuel) unter den 40 Mitgliedern konzentriert. Sie leben in Esslingen, Frankfurt/Main und Hofheim am Taunus, haben sich übers Internet kennen gelernt. Ihre sozialen Hintergründe sind völlig unterschiedlich. Was sie zusammenführt, ist ihr gemeinsames Hobby Counterstrike, das als Königsspiel unter den Computer-Kriegsspielen gilt. Sie kämpfen gemeinsam gegen andere Jugendliche, die sich ebenso zu virtuellen Clan zusammengeschlossen haben. In solchen Clan-Wars sind die einen die Terroristen, die anderen die Counter-Terroristen, was so viel bedeutet wie die guten Polizisten.

Der Film lebt von den ehrlichen Erfahrungsberichten der Jugendlichen, die sich stundenlang in dem so genannten „Ballerspiel“ als Rächer und Vollstrecker austoben können, ohne das ihnen die Wirkungen der virtuellen Tötens, bei dem kein Blut spritzt und der Tod aseptisch wirkt, auf ihr Denken und ihr Gehirn bewusst ist. Denn die Kriegsspiele mit ihren hoch auflösenden 3D-Graphiken sehen verblüffend echt aus. Aus Hunderten von so genannten MAP´s können die Spieler auswählen, ob sie lieber eine Flugzeugentführung nachspielen möchten oder einen Häuserkampf im Kosovo.

Mit dem Thema ist Marcus Vetter – wieder einmal – dem gesellschaftlichen Bewusstsein voraus. Es braucht erst Columbine, Erfurt 2002 und andere Schülermassaker, damit die Gefährlichkeit solcher Spiele als Gefahr erkannt und diskutiert wird.

2007 dreht Marcus Vetter „Das Herz von Jenin“, den er gemeinsam mit dem Israeli Leon Geller macht, der vor allem vor Ort dreht. Der Film wird für den Regisseur zu einem Wendepunkt.

Ausgangspunkt sind die Schlagzeilen um den Vater des 12-jährigen Ahmed, der im November 2005 beim Spielen durch einen Kopfschuss im westjordanischen Flüchtlingslager Jenin getötet wurde. Seine Eltern, Ismael und Abla Khatib, erklärten sich bereit, die Organe ihres Sohnes zur Spende freizugeben. Sowohl religiöse als auch weltliche Autoritäten geben ihre Zustimmung, damit sechs israelische Kinder verschiedener Religion und Herkunft eine Überlebenschance hatten. Diesen Abstimmungsprozess folgen die beiden Filmemacher ebenso wie sie die Überraschung in den israelischen Medien und der Öffentlichkeit über die Entscheidung abbilden. 

Ein Jahr später will Ismael drei der betroffenen Familien besuchen. Die Reise wird zu einem Spiegelbild der Realität in den besetzten Gebieten. Er fängt unermässliche Freude über die Organspende bei der Familie eines kleinen Beduinenjungen ein, der endlich mit dem seinem Fahrrad wie andere Kinder rumtollen kann. Ebenso dankbar ist die Druden-Familie, deren Tochter endlich normal zur Schule gehen kann. Sie schenkt Ismail Schulmappen für die Kinder des von ihm mit italienischer Unterstützung gegründeten Kultur-Vereins, der den Kindern des Flüchtlingslagers von Jenin über Bildung eine bessere Zukunft ermöglichen soll. Nur die orthodoxe, jüdisch-israelische Familie weiß nicht so recht, wie sie mit dem Geschenk eines Arabers umgehen soll. Ihre Vorurteile gegenüber allen Menschen aus diesem Kulturkreis sind bei jedem Wort spürbar und  machen deutlich, warum es noch ein weiter Weg zu Frieden und Versöhnung ist.

Die Organspende, die weltweit für Schlagzeilen sorgte, und der brillante Film rücken den Alltag und die Perspektivlosigkeit der Jugendlichen in den Lagern ins Licht der Öffentlichkeit. Vetter rekonstruiert genau den Weg von Ahmeds Vater, der eine Alternative zum täglichen Morden mit aufbauen will. Er zeigt ihn, wie er sich in dem ein Jahr nach dem Tod seines Sohnes eröffneten Kulturzentrum in Jenin engagiert. Über den Wunsch der Jugendlichen, eigene Filme zu drehen, entsteht bei Marcus Vetter sowie Ismael Khateeb und Fakhri Hamad aus Jenin die Idee, das in den 60er Jahren erbaute “Cinema Jenin” wieder aufzubauen. Einst eines der bedeutendsten Kinos Palästinas, wurde es während der ersten Intifada 1987 geschlossen. Nach der Renovierung durch einheimische Handwerker und mit tatkräftiger Unterstützung durch die Jugendlichen soll es mit 500 Plätzen 2010 wieder eröffnet werden. Vetter hat sich die Unterstützung des deutschen Außenministers Frank-Walther Steinmeier gesichert. Er sammelt Spenden für den Verein und natürlich begleitet er den Prozess des Wiederaufbaus mit der Kamera.   

Stand: September 2009
Autor: Katharina Dockhorn