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DEFA - Stiftung - Aladag, Feo

Aladag, Feo

Mit ihrem Regiedebüt DIE FREMDE hat sich die in Berlin lebende Schauspielerin, Autorin und Regisseurin Feo Aladag sofort einen Platz in der deutschen und internationalen Filmgemeinde erobert. Zahlreiche Auszeichnungen, darunter die „Bronzene Lola“ bei der Verleihung der deutschen Filmpreise und die Nominierung für den Wettbewerb um den besten fremdsprachigen Film bei den Oscars durch die deutsche Filmwirtschaft, räumte das Drama mit Sibel Kekilli in der Hauptrolle ab. Die Schauspielerin mit türkischen Wurzeln wurde für ihr emotionales Spiel das zweite Mal als beste deutsche Aktrice Deutschlands ausgezeichnet. 

Feo Aladag, geborene Schenk, wird am 13. Januar 1972 in Wien geboren. Sie absolviert die Volksschule und das humanistisches Gymnasium, wo sie 1990 die Matura ablegt. Schon während der Schulzeit ist sie aus ihrem liberalen Elternhaus ausgezogen. Seit sie 15 Jahre alt ist, verdient sie ihr eigenes Geld. Ihre Liebe gehört dem Schauspiel. „Schon als Kind habe ich mich gerne Welten in meiner Fantasie entstehen lassen, mich gerne in fremde Charakteren versetzt und gespielt. Meine Eltern hatten ein offenes Haus, oft hatten wir Gäste aus aller Welt bei uns zum Essen. Als Kind habe ich gerne Hans Moser oder Susi Nicoletti imitiert und so die Gäste meiner Eltern unterhalten. Das Ergebnis war, dass ich dafür sowohl Schokolade von den Gästen geschenkt bekam als auch - und das war ja das Entscheidende - länger wach bleiben durfte.“

Schon früh entwickelte sich ihre Leidenschaft für das Kino. „Mein erster Kinobesuch war mit meiner Mutter. `Vom Winde verweht´, ein Film, der mich als sechsjährige natürlich stark beeindruckt hat, das zweite Filmerlebnis war mit meinem Vater - ´Bambi´, auch nicht gerade eine Komödie.“  Der Fokus für das Kino und andere Künste wird geschärft, da im Haushalt der Eltern lange Zeit der Fernseher fehlt. „Mir wurde viel vorgelesen, ich habe selbst auch viel gelesen und früh Geschichten geschrieben. Das Geschichtenschreiben wurde meine Art, mich auszudrücken.“

Der Vater legt ihr nahe, dass die Schauspielerei nichts für eine Frau sei, die etwas im Kopf habe, sie doch noch ein zusätzliches Studium anstreben solle. „Dafür bin ich ihm heute dankbar, auch wenn ich seine Aussage bis heute nicht zu 100 Prozent teilen kann.“. Neben ihrer Schauspielausbildung 1990 und 1995 an den Staatsbühnen in Wien und der Margaret Lang Acting School/Morley College in London, schreibt sich Feo Schenk an der Universität Wien für Psychologie und Kommunikationswissenschaft ein.

Ihren Lebensunterhalt verdient sie sich von 1991 bis 1993 als freie Redakteurin für verschiedene österreichische Tageszeitungen. Sie schreibt über Kino und Fernsehen. „Das Grundstudium habe ich sehr schnell absolviert, für meine Doktorarbeit aber lange gebraucht, weil ich damals bereits in Filmen und am Theater gespielt habe.“ Sie forscht empirisch, wie Oberflächen auf Terminals im Dienstleistungsbereich gestaltet sein müssen, damit diese Funktionen von den potenziellen Nutzern angenommen werden. „Bei der Umfrage kam damals heraus, dass die Nutzer lieber mit Menschen als mit Automaten konfrontiert sein wollen.“  2000 schließt Feo Schenk ihre Promotion zum Dr. Phil. ab.

Erste praktische Erfahrungen als Schauspielerin sammelt Feo Aladag in kleinen Theatern in Wien. „Ich habe mich auf das Schauspiel konzentriert. Anschließend bin ich nach London gezogen, um eine andere Schauspieltradition kennen zu lernen und die Sprache zu verbessern“. Auf dem Bildschirm ist sie präsent, aber der große Durchbruch gelingt nicht. Es sind eher kleine Rollen in ALLES WALZER (1996), AUTSCH (1996), DIE KNICKERBOCKERBANDE (1997), ZUR ZEIT ZU ZWEIT (1998), AUS HEITEREM HIMMEL (1998), ICH KAUFE MIR EINEN MANN (2000) und BEN & MARIA – LIEBE AUF DEN ZWEITEN BLICK (2000), zu sehen. Auch das Kino wird auf sie aufmerksam. Sie ist in FRAUEN LÜGEN NICHT (1998), und GRÜNE WÜSTE (1999) besetzt.

1997 folgt Feo dem Rat ihrer Münchner Agentin, nach Deutschland umzuziehen. Doch es wachsen erste Zweifel, ob sie in der Profession ihre Erfüllung findet. „Ich habe mir meine Filme angeguckt und mich gefragt, ob ich das wirklich will, oft das gleiche Rollenprofil bedienen und immer wieder die Blondine spielen? Irgendwann hatte ich auf dieses Rollenprofil keine Lust mehr. Ich habe gute Drehbücher, spannende Frauenrollen und das prozessorientierte Arbeiten vermisst. Oft habe ich mich nach dem Theater gesehnt.“ Neben einer durchgängigen Serienrolle in „Klinikum Berlin-Mitte – Leben in Bereitschaft“ (2002) spielt sie in „Tatorten“, „Die Anwälte“ (2005), „Red Cap“ (BBC, 2004), sowie dem Kinofilm MEINE SCHÖNE BESCHERUNG (2007). „Später konnte ich mich etablieren und mit Regisseuren arbeiten, die mich in spannenden Rollen gefordert haben.“ 

2002 heiratet Feo Aladag den deutsch-türkischen Regisseur Züli Aladag. Zwei „Tatorte“ machen sie gemeinsam, sie schreibt und spielt, er führt Regie. „Es war unheimlich befriedigend sich eine Geschichte auszudenken und dann später mit im Schneideraum zu sitzen und zu sehen, wie sich Momente, Emotionen, Blicke, Farben und Stimmungen manifestieren.“ Beide Kriminalgeschichten ranken sich um die Kölner Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk. In „Mutterliebe“ (2003) ermitteln sie wegen des Mordes an einer Krankenschwester. In ihren letzten Lebensminuten hatte sie ein Neugeborenes aus der Babyklappe eines Krankenhauses geborgen, das spurlos verschwunden ist. Über die aus wohlhabendem Haus stammende Mutter des Säuglings versuchen die Kommissare, den Fall aufzuklären. Feo Aladag spielt selbst in der Episode mit. „Danach kamen interessantere Rollenangebote, als die Menschen mich mal in anderen Rollen sahen“. Dazu gehört 2006 Henner Wincklers Kinofilm LUCY, der seine Premiere auf der Berlinale feierte. „Ein wundervolles Miteinander, ein tolles Arbeiten.“

Nach dem Learning by Doing und den ersten positiven Erfahrungen mit der Arbeit hinter der Kamera, will es Feo Aladag genauer wissen. Obwohl sie heute sagt: „Der Wechsel hinter die Kamera war kein forcierter. Das war zunächst nicht zielgerichtet, ich wollte einfach lernen.“ 2003 absolviert sie die Regie Master Class der Europäischen Filmakademie mit dem britischen Regisseur Michael Radford. Ein Jahr später belegte sie die Regie Master Class unter Leitung von Mike Figgis. Von 2004 bis 2005 kann sie sich als Gasthörerin an der DFFB in Berlin im Fach Regie einschreiben, wo sie bei Fernando Solanas, Stephen Frears, Mike Leigh und Peter Lilienthal lernt.

Als Regisseurin inszeniert sie für Amnesty International zwei 30sekündige Social Spots für die Kampagne „Gewalt gegen Frauen“. Sie schreibt das Buch und führt Regie. „Diese kurzen Filme sollten keine langweilige Socialspotanmutung haben, sie sollten zunächst vielmehr werblich ansprechend wirken, erst am Schluss folgt die Überraschung.“ Die Werbeindustrie wird auf das Talent aufmerksam. „Es war eine gute Schule, weil man lernt, die Wünsche und Befindlichkeiten aller Beteiligten zu berücksichtigen und zugleich schnell, effizient sowie im Budget zu arbeiten.“  Über die viermonatige Recherche für die Amnesty-Spots hat Feo Aladag das Thema für ihr Spielfilmdebüt gefunden. „Mir war klar, dass ist ein Themenkomplex, der mich nicht mehr los lässt und zu dem ich mehr als 30 Sekunden erzählen möchte.“

Nach 18 weiteren Monaten Recherche, in denen sie mit viel Leid von Opfern und Tätern konfrontiert war, schreibt Feo Aladag das Buch in Deutsch und übersetzt anschließend die entsprechenden Dialoge in Zusammenarbeit mit einem Übersetzer ins Türkische. Sie will in beiden Sprachen drehen, jeweils in der, die für die jeweiligen Szene und den Moment authentisch ist. „Der Umgang mit Sprache erzählt viel über eine Gesellschaft und Familie. Es gibt in meinem Buch stets einen Grund, warum an einer Stelle deutsch oder türkisch gesprochen wird.“ Um der Herausforderung gewachsen zu sein, nimmt sie vier Mal in der Woche Türkischunterricht. 

Gute Freunde warnen, überlege dir gut dich gleich einer solch gewaltigen Herausforderung und solch komplexen und kontrovers diskutierten Thema zu stellen. Mut für ihr Filmdebüt macht Feo Aladag ihr Mann. „Er hat meinen Willen bestärkt, die Geschichte so zu erzählen, wie ich sie erzählen wollte und mit geholfen, die Finanzierung auf die Beine zu stellen. Irgendwann hatte ich dann das Gefühl, der Zug fährt. Ich werde den Film drehen, egal wie hoch das Budget dann sein wird.“

Natürlich wurde und wird sie immer wieder gefragt, ob die Geschichte Wurzeln in der eigenen Familie habe. „Filmemachen ist immer etwas persönliches, egal in welchem Milieu man erzählt, aber es ist nicht meine Familiengeschichte, sondern Fiktion. Natürlich schöpfe ich immer auch aus dem eigenen Leben, dem sehr privaten, aber ich transformiere die Motive in eine sowohl spezifische wie universelle Geschichte. In meinem Elternhaus wurde die Gleichberechtigung beider Geschlechter gelebt, auf dem mein Gerechtigkeitsempfinden aufbaut. Daher macht es mich wütend, wenn einer Frau die Solidarität und Loyalität ihrer Familie entzogen wird, weil sie in welcher Form auch immer nicht den Vorstellungen ihrer Familie entspricht. Diese Ungerechtigkeit hat mich ebenso auf die Palme gebracht wie die vielen schwarzweiß.“

Feo Aladag setzt ihre Konzeption durch, die Innenansicht einer Familie als Spiegelbild der Gesellschaft zu erzählen. In diesem wechselvollen Prozess hat sie das Vertrauen des Fernsehens und der Förderer gespürt, das sie als große Bereicherung empfand. „Der unbedingte Wille, diese Geschichte zu erzählen, hat mir geholfen, die Finanzierung mit der eigenen Produktion Independent Artists auf die Beine zu stellen.“

Ihr Drama beginnt in einem Vorort von Istanbul. Umay flüchtet mit ihrem Sohn Cem vor den Gewaltausbrüchen ihres Mannes zu ihren Eltern nach Berlin. Ihr Vater und ihre Familie, die sich in türkischen Community noch nach den heimischen Sitten leben, fühlen sich durch ihre Entscheidung entehrt und verlangen die Rückkehr. Umay weigert sich. Die Situation eskaliert, als ihre Brüder Cem zu dessen Vater zurückbringen wollen. Umay flieht ins Frauenhaus. Trotz des Rats der Leiterin, versucht sie immer wieder bei ihrer Familie Verständnis zu finden. Vergeblich. Als ihre neue Adresse bekannt wird, muss sie sich eine eigene Wohnung suchen. Bald lebt sie mit einem Deutschen zusammen, den sie bei der Arbeit kennen gelernt hat. Die Beziehung gießt zusätzliches Öl ins Feuer des Familienstreits. Nach einem zweiten Entführungsversuch Cems durch ihren Ex-Mann und ihre Familie spürt Umay, dass sie Berlin verlassen sollte. Der plötzliche Herzinfarkt ihres Vaters könnte alles ändern. Er verzeiht ihr, doch seine Söhne haben diese Größe nicht. Sie stehen mit einer Pistole vor Cem und Umay.

Das in der deutschen Öffentlichkeit vehement diskutierte Thema Ehrenmorde in der türkischen Gesellschaft schwingt wie ein Damoklesschwert über dem Drama um den verzweifelten Kampf einer jungen Frau um ihren Platz in ihrer Familie. Für deutsche Zuschauer mag es an einigen Stellen unverständlich sein, dass Umay trotz zahlreicher Demütigungen immer wieder um die Zuneigung ihres patriarchalisch über die Familie wachenden Vaters bettelt. Dieser unbedingte Wille ihre Wurzeln nicht zu verlieren, prellt aber stets am Festhalten an traditionellen Regeln des Zusammenlebens durch ihren Vater und dem Zusammenhalt der Familie ab. Der Ausbruch aus dieser Tradition ist schwer, wohl vor allem für die männlichen Mitglieder der Familie, da deren Macht und Einfluss auf ihr beruht. Dieser Konflikt mit den Wünschen einer jungen Frau, die auch von den Werten des Westens geprägt wurde, kann – ganz nach dem Vorbild einer klassischen griechischen Tragödie – nur in der Katastrophe enden.  

Konsequent inszeniert Aladag das verzweifelte Ringen ihrer Protagonistin mit den äußeren Widrigkeiten. Ebenso überzeugend schildert sie deren inneren Zweispalt zwischen dem Wunsch, in der Familie weiter ein zu Hause zu haben, und der Sehnsucht nach einem selbst bestimmten, würdevollen Leben. Sibel Kekilli bringt ihre Verzweiflung und ihren Lebensmut in einer außergewöhnlichen Performance auf die Leinwand.  

Umays Schicksal bettet die Filmemacherin in eine vielschichtige Geschichte ein, in denen Klischees vom Leben in den Familien der türkischen Einwanderer in Deutschland nicht bedient, sondern hinterfragt werden und man sich allen Beteiligten mit Empathie nähert. Sie kennt das Milieu gut, inszeniert mit hoher Authentizität und hat letztlich auch den Mut, dem Publikum das erhoffte Happy End zu verweigern.

2010 kehrt Feo Aladag als Schauspielerin auf den Bildschirm zurück. Sie ist in Teilen der Serien „Flemming“ und „Der Kriminalist“ zu sehen.

Die FFA bewilligt im September 2010 die Förderung für das Kinodrehbuch mit dem Titel „Später im Sommer“. 

verfasst von Katharina Dockhorn

Stand: August 2011
 

 


 

 

  

Feo Aladag und Franziska Meletzky bei der 10. Preisverleihung der DEFA Stiftung 2010