HÄNDE HOCH ODER ICH SCHIESSE

Premiere des DEFA-Verbotsfilms am 28. Juni im Kino International
Mit der Komödie „Hände hoch oder ich schieße“ bringt die DEFA-Stiftung im Frühsommer den letzten noch unveröffentlichten Verbotsfilm aus der Zeit nach
dem 11. Plenum des ZK der SED 1965/66 in die Kinos. Dafür wurden gemeinsam mit dem Bundesarchiv-Filmarchiv die überlieferten Negativ- und Positivmaterialien gesichert und eine Schnittfassung auf der Grundlage des Drehbuchs angefertigt.

„Hände hoch oder ich schieße“ erzählt die Geschichte des Volkspolizisten Holms, der in einer Kleinstadt im Süden der DDR zunehmend daran verzweifelt, dass er aufgrund der niedrigen Kriminalitätsrate nichts mehr zu tun hat. Seine damit verbundenen Depressionen versucht er bei einem Psychiater zu kurieren. Zugleich träumt er sich nach London, wo er auf Gangsterjagd geht. Um ihm aus der Krise zu helfen, entführen befreundete Kleinganoven ein „feudalistisches Denkmal“ vom Marktplatz. Während der anschließenden Verfolgungsjagd gelingt es Holms, seine Niedergeschlagenheit zu überwinden und sogar eine heimlich angebetete Frau für sich zu gewinnen.

Der Lustspielautor Rudi Strahl (1931–2001) schrieb den Film für Rolf Herricht (1927–81), den beliebtesten Charakterkomiker der DDR. Regisseur Hans-Joachim Kasprzik (1928–97) besetzte auch die weiteren Rollen mit nahezu allen zur Verfügung stehenden komischen Darstellern des Landes: Herbert Köfer, Gerd Ehlers, Axel Triebel, Otto Stark, Eberhard Cohrs, Agnes Kraus, Gerd E. Schäfer, Hans-Joachim Preil, Manfred Uhlich, Walter Lendrich, Fred Delmare, Werner Lierck, Edwin Marian, Hans Klering und andere. Als Freundin des Kriminalisten spielte Evelyn Cron; für den Anführer der Gaunerbande wurde der tschechische Schauspieler Zdenek Stepánek verpflichtet.

„Hände hoch oder ich schieße“ geriet nach Beendigung der Dreharbeiten im Januar 1966 in die Mühlen der Überprüfungen aller DEFA-Filme auf politische Unbedenklichkeit und ideologische Linientreue. Trotz zahlreicher Schnitt-, Dialog- und Kommentaränderungen verweigerte das Ministerium des Inneren der anspielungsreichen Komödie schließlich seine Zustimmung. „Hände hoch oder ich schieße“ wurde mit dem Verdikt, der Film setze die Arbeit der Staats- und Sicherheitsorgane ins falsche Licht und entspreche nicht den „gegenwärtigen Aufgaben zur stärkeren Bekämpfung der Kriminalität“, verboten. Drehbuchautor Rudi Strahl machte aus dem Stoff vier Jahre später sein Theaterlustspiel „Noch mal ein Ding drehn“, das erfolgreich und ohne Beanstandungen an zahlreichen Bühnen der DDR gezeigt wurde.

„Hände hoch oder ich schieße“ ist der letzte Baustein zur DEFA-Verbotsgeschichte 1965/66: ein heiteres Intermezzo, das ursprünglich zwischen den ungleich schwergewichtigeren Filmen „Das Kaninchen bin ich“,
„Spur der Steine“, „Berlin um die Ecke“ oder „Karla“ uraufgeführt werden sollte. Für Rolf Herricht wäre der Film nach „Geliebte weiße Maus“ (1964) und „Der Reserveheld“ (1965) die dritte große Hauptrolle bei der DEFA gewesen.

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