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DEFA - Stiftung - 2011

Preis für die Verdienste um den deutschen Film

 

Rolf Losansky

Verehrte Anwesende, liebe Hauptperson, werte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der DEFA-
Stiftung, liebe Kollegen und Filmfreunde…

Ich habe die schöne Aufgabe, heute am 11. 11. 2011 einen Edelmann des Kinderfilms vorzustellen. Es ist von der DEFA-Stiftung sehr klug und gerecht, Rolf Losansky für sein Lebenswerk zu ehren, mit dem Preis für Verdienste um den deutschen Film.

Denn damit wird ja auch der Kinderfilm im Allgemeinen geehrt undaufgewertet. Und das ist bitter nötig. Die meisten Kinderfilme von Rolf Losansky sind in der DDR-Zeit entstanden, im DEFA-Studio für Spielfilme Babelsberg. Damals nahm der Kinderfilm ein Viertel der Jahresproduktion des Studios ein, das waren 3 - 4 Kinderfilme pro Jahr. Viele unserer Kinderfilme wurden bis in 25 Länder exportiert, bis Japan und Kanada.

Die wertvolle Traditionslinie DEFA-Kinderfilm wurde leider nicht fortgesetzt, obwohl es Herr Schlöndorff 1991 versprochen hat. Nun ist der Kinderfilm ein Stiefkind geworden. Um so erfreulicher erscheint mir deshalb diese Ehrung von Rolf Losansky.

Der Mensch soll heiter von seiner Vergangenheit Abschied nehmen, haben wir bei Charly Marx gelernt. Das hast du, lieber Rolf mit einem lachenden und einem weinenden Auge getan und hast viele von uns, die mutlos waren, mit deiner heiteren Kraft mitgerissen. So wie du auch als Rangierer das Kinderfilmfestival „Goldener Spatz“ in Gera mit gerettet hast, indem du den Ostwaggon mit dem West-Waggon zusammengekoppelt hast.

Man sagt, wenn man das Kind in sich bewahrt, ist das eine große Lebenskunst. Ich kenne keinen Menschen, der das so verinnerlicht hat wie du. Dass du in dir das Kind bewahrt hast, ist vielleicht dein Geheimnis, so jung geblieben zu sein. Wer so viele Kinder über Generationen mit sensiblen Filmen glücklich gemacht und ihr Herz berührt hat, dass sie sich selbst als Eltern und Großeltern noch daran erinnern, der hat diesen Preis der DEFA-Stiftung verdient. Und das ist mehr wert, finde ich, als ein eitler „Oscar“. So hast du nicht Schaumgold im Schrank, sondern bist in den Herzen von Millionen Kindern verankert. Denn deine Filme haben Seele, sie sind warmherzig, nicht marktgerecht brutal und grobschlächtig. Immer ist da eine leise, humanistische Botschaft und eine poetisch-philosophische Dimension, die die Zeiten überdauert. Nachhaltig nennt man das heute. Und das dritte Auge, das Auge der Fantasie, hast du dir bewahrt und den bunten Blick, den Kinder haben.

Kürzlich habe ich deinen allerersten Film „Das Geheimnis der 17“ von 1962 gesehen. Da zeigt sich schon die Meisterhand, diese fein fühlende Art, in Kinderseelen einzudringen, ohne sie zu benutzen. Das ist nun 50 Jahre her. Und somit stelle ich fest, dass Du dieses Jahr Deine Goldene Hochzeit mit dem Kinderfilm hast. Und immer volle Kinos. Große Gratulation! Nach dem „Geheimnis der 17“ suchte ein „Corporal mit Revolver“ nach dem „Wunderbunten Vögelchen“. „Das Schulgespenst“ machte sich auf den „Langen Ritt zur Schule“. „Ein Schneemann für Afrika“ traf „Moritz in der Litfaßsäule“. „Das Wolkenschaf" besuchte die „Weiße Wolke Carolin“. Und mit „Verdammt, ich bin erwachsen“ endete die „Abschiedsdisco“ 1989. „Den verzauberten Einbrecher“ von 1997 zog es zum „Hans im Glück“… u. s. w.

Dieser Titel-Reigen umfasst nur einen Teil deines Lebenswerkes. Es sind so um die 27 Filme. Gegenwärtig stellst du drehenderweise mit Gojko Mitic die Frage „Wer küsst Dornröschen?“ Fazit: Du bist mit zwei mal vierzig Jahren noch lange nicht am Ende. Dass auch ich mit dir drei Filme machen konnte und wir jetzt beim Kindertheater erfolgreich „fremdgegangen“ sind, macht mich froh, Denn gegenwärtig läuft im Potsdamer Theater unser gemeinsames Kinder-Theaterstück vom „ Moritz in der Litfaßsäule“ meist ausverkauft. Das zweite Stück ist geschrieben.

Das Schreiben mit dir macht Riesenspaß, wir können zusammen so schön lachen. Ich habe das größere Vergnügen, denn du spielst mir beim Schreiben alle Szenen genau vor und wirfst dich dafür auch auf meinen blauen Teppich.

An drei Theaterhochschulen hast du unterrichtet, Theater inszeniert, tourst mit Filmen durch Großdeutschland, führst in vollen Kinos unermüdlich Filmgespräche mit deinen Zuschauern. Und Preise? Preise hast du so viele, dass die Zeit nicht reicht, sie zu nennen. Ich beschränke mich deshalb auf vier Kontinente: Filmpreise in Europa, Afrika, Asien, Amerika. Ja. Das stimmt.

Der große Dichter Louis Aragon hinterließ uns den schönen Satz; .Alter ist die Leidensmiene des Körpers, die der Geist weglächeln will“.

Ja, auch im Weglächeln bist du ein Meister. Der Tag kennt deine heitere Kraft, die Nacht deine Trauer, um deine Frau Annelore undum deinen Sohn Lutz. Du trägst deine geliebten Toten immer mit dir, indem du über sie erzählst So bleiben sie lebendig und sind dabei.

Ich gratuliere Dir im Namen aller von Herzen zu diesem Preis, wünsche dir, dass das Verlangen immer in dir bleibt, das Verlangen nach Menschen, nach Filmen, nach guten Geschichten. Meine Zeit ist jetzt um, so kann ich nichts Schlechtes mehr über dich sagen.

Ich danke Ihnen allen fürs Zuhören.

Laudatorin: Christa Kozik, Autorin, Filmszenaristin

Preis zur Förderung der deutschen Filmkunst

 

Judith Kaufmann

Judith ist eine Wahrheitssucherin. Was sie antreibt, ist Erfahrungshunger. Sie möchte überrascht werden, schon von den Drehbüchern, die sie liest: Wenn sie schon nach drei Seiten weiß, wie die Geschichte enden wird und darin auch noch nach der Lektüre bestätigt wird, dann – sagt sie das Projekt ab.

Oder sie trifft die Autorin oder den Autor und dann lässt sie nicht locker, bis die Figuren eine
Tiefe entwickeln, die sie berührt; bis die Geschichte eine existentielle, universelle Dimension hat – und damit erzählt werden MUSS: Das ist Voraussetzung für sie, erst dann fängt sie an, Bilder zu komponieren, mit feinfühliger Präzision. Es sind dann die Bilder, die sich in unser visuelles
Gedächtnis eingravieren – mit Filmen wie „Die Fremde“, „Vier Minuten“, „Fremde Haut“ oder wie zuletzt in „Wer wenn nicht wir“.

Ihre Bilder balancieren auf dem schmalen Grat zwischen Poesie und Klarheit – und entwickeln dabei oftmals eine Aura, die den Figuren ein Geheimnis lässt. Sie versteht es, etwas zu zeigen, indem sie es verbirgt: Sie macht das Nicht-Sagbare sichtbar, das Benennbare dagegen übersetzt sie in Räume der Vieldeutigkeit, in die offene Schwebe der Ambivalenzen.

Ihr Anspruch an die eigene Arbeit ist einem tief verwurzelten Qualitätsbewusstsein geschuldet. Judith ist in diesem Sinne nicht frei: Ganz protestantisch, obwohl gar nicht kirchlich gebunden, gilt für sie der Satz: Hier stehe ich und kann nicht anders.

Aber genau das macht sie zu einer radikalen Künstlerin - radikal im wörtlichen Sinne: Zu den Wurzeln vorstoßend, dabei neugierig beseelt, mit offenen Augen, wach, staunend.

Judith, wem, wenn nicht dir - gebührt der Preis zur Förderung der Deutschen Filmkunst?

 

Laudator: Andres Veiel, Regisseur

 

Preis zur Förderung des künstlerischen Nachwuchses

 

Britta Wauer

Als Redakteur beim Fernsehen Dokumentarfilme zu betreuen, ist ein fernsehuntypischer, aber sehr spannender Job. Das Genre Dokumentarfilm gehört eigentlich nicht zum Fernsehen. Es ist nicht formatiert und nicht strukturell reglementiert. Es gehört ins Kino, aber es braucht das Fernsehen und das Fernsehen braucht dringend den Dokumentarfilm, um nicht die formale und inhaltliche Vielfalt zu verlieren und das dokumentarische Repertoire zu bereichern. Dokumentarfilme dauern lange und kosten Geld und am Anfang weiß keiner so recht, was zum Schluss rauskommt. Es ist ein großer Vertrauensvorschuss nötig, um die Produktion eines Dokumentarfilms zu begleiten. Trotz all dieser Schwierigkeiten gibt es immer wieder begabte und tapfere Regisseure, denen qualitativ herausragende Dokumentarfilme für Kino und Fernsehen gelingen.

Eine dieser Dokumentarfilmregisseurinnen ist Britta Wauer. Sie hat es geschafft, seit 10 Jahren dokumentarische Filme zu drehen, sie ist erfolgreich und preisgekrönt und bekommt aus gutem Grund heute einen weiteren Preis, den Nachwuchspreis der DEFA-Stiftung.

Britta Wauer hat bereits in der Studienzeit an der dffb zwei dokumentarische Filme gedreht, beide hochgelobt und prämiert ( „Heldentod“ 2001, Deutscher Fernsehpreis) und „Die Rapoports“ (2005, Grimmepreis). Und auch danach ist sie mit den Filmen „Berlin - Ecke Volksbühne“ und „Mehr Gerechtigkeit! Ideen für eine bessere Welt“ dem dokumentarischen Arbeiten treu geblieben.

Mit zwei großen künstlerischen Dokumentarfilmen ist Britta Wauer in den letzten Jahren erfolgreich in die Liga namhafter Filmemacher aufgerückt. In „Gerdas Schweigen“ (2008), nach dem Buch von Knut Elstermann, dokumentiert sie die Geschichte der Auschwitz-Überlebenden Gerda Schrage. Sie belegt mit dem berührenden Film, dass noch immer nicht alle Geschichten über den Holocaust erzählt worden sind und sie lässt die unglaubliche Kraft und Würde der Protagonistin spüren. Mit „Im Himmel, unter der Erde. Der jüdische Friedhof Berlin-Weißensee“ (2010), dem neusten Film von Britta Wauer, hat sie es geschafft, aus einem spröden Stoff eine Erfolgsgeschichte und aus einem traurigen Ort einen lebendigen werden zu lassen. Sie hat dafür ihr größtes Talent eingesetzt, nämlich Menschen Geschichten erzählen zu lassen. Schon immer war es das, was sie interessiert hat – die kleinen Geschichten der Menschen, über die die große Geschichte fühlbar und begreifbar wird.

Britta Wauer hat mit diesen beiden Filmen ihr professionelles Team und ihren eigenen Stil gefunden. Mit einer gut dosierten Mischung aus Neugier und Respekt, Detailtreue und Leichtigkeit, Wissensdurst, Gefühl und Humor und vor allem einem eigenen subjektiven Zugriff geht sie an ihre Stoffe. Und sie setzt sie um mit Dokumentarfilm-erprobten Wirkungsmitteln - von den sensibel ausgewählten Protagonisten bis zu den stimmungsvollen, künstlerischen Kamerabildern, von der stimmigen Montage bis zur Originalität und Dramatik der Musik. Ihre filmische Handschrift ist inzwischen ausgeprägt und sie ist lesbar und unterhaltsam, sie bedient dabei nicht vorgeformte Erwartungen, sondern schafft es, den Blick des Zuschauers neu einzustellen. Und plötzlich werden Stoffe, die durch zeitgeschichtliche Sendungen schon erledigt schienen, lebendig, modern und emotional berührend und sie locken Dokumentarfilm-ungeübte Zuschauer in Größenordnungen ins Kino.

Die Betreuung von Dokumentarfilmen kann also – um noch einmal auf mein Anfangsstatement zurückzukommen – auch etwas sehr Beglückendes haben. Im positiven Falle begleitet man über Jahre eine aufregende und anregende Arbeit und man begleitet auch ein Stück persönliches Leben der Filmemacher. Britta Wauer hat in den letzten Jahren – neben der Regiearbeit – auch ihr familiäres Team gefunden, sie hat geheiratet und eine Tochter bekommen.

Ich freue mich über alles, was du erreicht hast, liebe Britta und ich freue mich, dass ich ein Stück Wegstrecke dabei war. Ich wünsche dir noch alle Preise dieser Welt, aber noch lange nicht den fürs Lebenswerk, sondern davor noch viele von diesen Dokumentarfilmen der Königsklasse, die klüger machen und gleichzeitig das Herz erwärmen und allen Zuschauern ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Herzliche Gratulation!


Laudatorin: Birgit Mehler, Produzentin

Programmpreise

 

Kino Toni & Tonino

Vor 91 Jahren, am 4. September 1920, wurde das Kino am Antonplatz unter dem Namen Decla-Lichtspiele feierlich eröffnet. Später übernahm die Ufa das Haus und nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte das Kino auf dem von Trümmern übersäten Platz zu den ersten Berliner Lichtspielhäusern, die von der sowjetischen Militäradministration für einen Spielbetrieb frei gegeben wurden. Zwar war die Bestuhlung gestohlen und auch sonst allerhand zu renovieren, aber am 1. Weihnachtsfeiertag 1948 wurde die nunmehrige Film-Bühne Toni mit „Circus Renz“ wieder eröffnet. Täglich kamen 1.600 Besucher, angelockt auch durch die beleuchteten Schaukästen und die rund fünf mal fünf Meter große Leinwand, die an der Außenfront den jeweils neuesten Film ankündigte. 1956 entzog der Magistrat dem privaten Kino das Premierenrecht, 1979 wurde das Toni als letztes privates Ost-Berliner Kino aus baurechtlichen Gründen geschlossen – und 1982, nunmehr volkseigen, wieder eröffnet. Auf 275 bequemen Plätzen sahen die Zuschauer vorwiegend osteuropäische Filmkunst und Dokumentarfilme. Das Toni-Filmgespräch avancierte zur Legende, weil vom Film ausgehend stets auch über Leben und Politik reflektiert wurde: Sachlich und so kritisch, dass die übervorsichtige Bezirksfilmdirektion im Juni 1989 dafür das Aus verkündete.

Geschichten über das Toni könnten ein ganzes Buch füllen. 1992 begann ein weiteres Kapitel unter dem neuen Besitzer, dem bedeutenden Münchner Regisseur und Produzenten Michael Verhoeven. Zum Toni kam das kleinere Tonino hinzu. Das vielfältige Programm schließt Kinder- und Familienfilme ein, bevorzugt europäische Arbeiten und trotzt mutig der Konkurrenz der umliegenden Multiplexe. Unter der langjährigen erfahrenen Leitung von Manuela Miethe ist das Toni zur Heimstatt manches Festivals geworden und der Berliner Film- und Fernsehverband hat in dem gastfreundlichen Haus eine Heimat für seine monatliche Filmreihe gefunden – mit jeweils anschließender Diskussion, versteht sich. Die DEFA-Stiftung war zu Gast mit der farbenprächtigen Restauration von „Das kalte Herz“ und mit Filmen, die von der Stiftung gefördert wurden. Auch bei der neuen Berlinale-Reihe „Berlinale Goes Kiez“ ist das Toni dabei. Die kontinuierliche Lust auf Entdeckungen, die vom Weißenseer Publikum mit regem Zuspruch goutiert wird, hat das Toni zu einem unverzichtbaren Zentrum Berliner Filmkultur werden lassen. Wir gratulieren.

 

Bundesverband kommunale Filmarbeit e.V.

Kino zu machen ist eine Kunst, sagt der Bundesverband für kommunale Filmarbeit. Er berät die rund 160 kommunalen Kinos und Einrichtungen der Bundesrepublik in der Frage, wie der künstlerisch wertvolle Film an die Besucher zu bringen sein könnte. In den hoch politisierten 1970er-Jahren, als der Verband gegründet wurde, schien das noch relativ einfach. Heute, in Zeiten des weit verbreiteten Hedonismus, in denen das Kino von vielen nur als Mittel des Amüsements und des kiloweisen Verzehrs von Popcorn gesehen wird, bedarf es hoher Anstrengungen, Zuschauer und Kinomacher bei der Stange zu halten.

Cornelia Klauß und Christiane Schleindl

Altes und Neues, Ost und West, deutsche und europäische Filme, Kino aus Afrika, Asien und Lateinamerika, Kinder-, Trick- und Dokumentarfilme, nicht zuletzt auch politisch und sozial engagierte, künstlerisch emanzipierte Videos – das alles will gesehen werden, in einer digitalen oder auch ganz klassischen „Schule des Blicks“, mit oder ohne Diskussion, möglichst frei von Didaktik, aber doch auch nicht ohne Lehr- und Mehrwert. Kino für alle, beschwört der Verband, und: Kino mit Haltung und Format, Kompetenz und Leidenschaft.

Für Institutionen wie die DEFA-Stiftung ist ein solcher Verband ein natürlicher Verbündeter. Wo sollten die „klassischen“ Filme sonst eine Heimstatt finden, wenn nicht in den Filmkunsthäusern und kommunalen Kinos? Wer achtet sonst noch darauf, dass neben der notwendigen Digitalisierung auch 35-mm-Projektoren einsatzbereit bleiben, um klassische Kopien präsentieren zu können, mit Kratzern und Schlieren, verschliffenen Tonspuren und den guten alten Überblendungszeichen, den letzten Reminiszenzen an die technische Magie der siebten Kunst.

Der Bundesverband kommunale Filmarbeit e.V. ist auf vielen Ebenen aktiv. Er unterstützt die Filmkunsttheater finanzpolitisch und technologisch, engagiert sich für ein Netzwerk europäischer Filmkunstkinos, organisiert bundesweite Kongresse: In diesem Jahr geht es um die Zukunft des Filmerbes. – Er stellt Tourneeprogramme zusammen und vergibt im Rahmen der Berlinale den Caligari-Filmpreis.

Wer kein Woher hat, hat kein Wohin, lautet der Satz eines klugen Mannes. In diesem Sinne pflegt der Bundesverband kommunale Filmarbeit e.V. das filmische Gedächtnis und trägt zugleich dazu bei, die Zukunft des anspruchsvollen Kinos zu sichern. Wir gratulieren.

 

Heinz Kersten

Es war eine Art Paradox: Die erste penibel recherchierte, kompakte Geschichte der DEFA erschien 1963 nicht in der DDR, sondern im Westen. Autor des Doppelbandes, der die Wellenbewegungen zwischen Aufbruch und Krise, Tauwetter und Dogma beschrieb und zugleich mit einer Vielzahl von Dokumenten aufwartete, war Heinz Kersten. Ein profunder Kenner des Kinos in der „Sowjetischen Besatzungszone“, wie die DDR damals westoffiziell hieß, stets interessiert an kulturpolitischen Kontexten, an Schicksalen von Filmen und Menschen, an renommierten Regisseuren ebenso wie an Vergessenem und Verlorenem.

Geboren in Dresden, was man der Färbung seiner Stimme bis heute anhört, hatte Heinz Kersten Publizistik, Germanistik und Theaterwissenschaft studiert. Als freier Mitarbeiter von „Tagesspiegel“ und RIAS, „Frankfurter Rundschau“ und der „Neuen Zürcher“, um nur einige Zeitungen und Sender zu nennen, für die er schrieb, begeisterte er sich besonders für das Kulturleben in Ost-Berlin. Er war jeden Abend unterwegs, um Film und Theater aufzusaugen. In Zeiten nach dem Mauerbau setzte er mit seinen Texten Zeichen: Kunstkritik als Bindeglied zwischen zwei auseinander driftenden Staaten, zwei Systemen. Für seine Wissbegier hat er mitunter einen hohen Preis gezahlt, wurde in der DDR beargwöhnt, verhaftet, verurteilt. Doch nach der Freilassung kehrte er wieder, widmete sich seinem Stoff, seiner Passion, aufmerksam für neue Nuancen, nimmermüde. Er konnte es sich leisten, ohne ideologische Scheuklappen zu schreiben, avancierte zum Vertrauensmann mancher Künstler, trug zu ihrem Schutz bei, indem er sie auch „drüben“ bekannt machte. Er war Freund, solidarischer Partner, charmanter Ratgeber, weit mehr als nur ein Rezensent.

Bis heute, mit Achtzig plus, fährt Heinz Kersten zu vielen Festivals, bleibt der Lebensliebe Kino treu, lässt in seinen Texten spüren, dass engagierte Kunst und politisches Engagement gegen die Ungerechtigkeiten der Welt für ihn zusammen gehören. Er bleibt ein Mahner. Und hält bei allem Interesse fürs Neue die Erinnerung an bedeutende Leistungen des „alten“ Kinos aufrecht, auch und gerade der DEFA. Dafür gebührt ihm Dank und Anerkennung.

 

Laudator: Ralf Schenk, Filmkritiker

 

Stiftungspreise 2011:

Preis für die Verdienste um den deutschen Film: Rolf Losansky

Preis zur Förderung der deutschen Filmkunst: Judith Kaufmann

Preis zur Förderung des künstlerischen Nachwuchses: Britta Wauer

Programmpreise: Kino Toni & Tonino; Bundesverband kommunale Filmarbeit e.V.; Heinz Kersten