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DEFA - Stiftung - Kannengießer, Andreas

Kannengießer, Andreas

 

Mit „Vergiss Dein Ende“ inszeniert Andreas Kannengießer 2009 einen hochkarätig besetzten Abschlussfilm an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg. Als einziger Studentenfilm wird er 2011 zum Filmfestival in Saarbrücken eingeladen, wo er für heftige Diskussionen in der Jury sorgt. In Schwerin läuft das Drama auf dem FilmKunstFestival, Nominierungen für den Studio Hamburg Nachwuchspreis und den First Step Award 2011 folgen.

Andreas Kannengießer wird 1978 in Nordhausen geboren, wächst in Bergen/Rügen auf und legt dort 1996 sein Abitur ab. Sein Berufswunsch steht bereits fest. Er will Regisseur werden. „Die Aufnahmekriterien waren viel zu hoch und ich noch viel zu jung.“ Nach dem Zivildienst absolviert er beim NDR eine Ausbildung zum Mediengestalter, die ihm einen vielfältigen, praxisorientierten Einblick in die komplette Fernsehproduktion bietet.

Andreas Kannengießer

Anschließend zieht er nach Berlin, wo er als Assistent von Regisseuren, Castern, Kameraleuten und bei der Produktion von Filmen arbeitet. So ist er 2000 beim Kinofilm „Boran“ von Alex Berner Assistent der Aufnahmeleitung.
Geprägt haben ihn vor allem die Zusammenarbeit mit Torsten Löhn und Sylke Enders, für deren realitätsnahe Milieustudie „Kroko“ er Regieassistent war. „Es war mein erster Kontakt mit dem dokumentarischen Arbeiten im Spielfilm. Insbesondere die Arbeit mit Laien und den jungen Schauspielern fand ich spannend.“ Löhn lernt er 2002 beim Dreh von „Paule & Julia“ kennen. „Vom britischen Kino inspiriert, hat Torsten großen Wert auf ein stimmiges soziales Umfeld gelegt. Als zweiter Regieassi war ich dafür mit verantwortlich, die Leute auszusuchen, die zu diesem Konzept passen“. Bei Löhns Social Spot „Rechts stinkt“, 2002, ist Kannengießer als Regieassistent dabei. Kirsi Liimatainen unterstützt er bei seinem HFF-Film „Frühlingshymne“ als Regieassistent und Caster.
Enge Verbindungen pflegt Kannengießer zur dffb. „Ich habe dort fast wie ein Student gearbeitet“. Beim Dreh von Kurzfilmen- und langen Übungen lernt Andreas Kannengießer alle Facetten des Filmemachens kennen. Zu seiner Filmografie zählen „Detroit“, 2002, in der Regie von Carsten Ludwig und Jan-Christoph Glaser, „In Liebe, dein Konrad“, 2003 von Oliver Göbel, sowie im Rahmen der Talent Class von Sat1 an der HFF „Konrad Wolf“ die 1. Regieassistenzen bei Thorsten Schmidts „Vier im Flur“, 2004, und „Besuchszeit“, 2004, von Alisan Saltik.
Zweimal bewirbt sich Andreas Kannengießer vergeblich an der dffb. „Ich habe den Fehler gemacht, jahrelang nur eigene Filme für die Bewerbung zu drehen und dem zu wenig Zeit und Aufmerksamkeit geschenkt. Rektor Reinhard Hauff hat mich nach den beiden vergeblichen Anläufen ermutigt, ich könne meinen Weg auch ohne Studium gehen und ich hatte mich schon selbst mit dem Gedanken angefreundet, Autodidakt zu bleiben. Ich habe dann meinen ersten Film nur für mich gedreht. Und mit dem hat es dann beim dritten Anlauf in Babelsberg geklappt.“
„Aus ist der Krieg“ entsteht 2004 als Produktion von Kannegießer & Winkler. Im gleichen Jahr beginnt Andreas Kannengießer das Studium an der HFF „Konrad Wolf“. Die äußeren Umstände sind alles andere als günstig – Kannengießer ist gerade Vater geworden, seine Frau studiert ebenfalls. „Die Chancen für junge Eltern standen nicht gut, damals gab es die Kita noch nicht. Im Grundstudium war es den Professoren egal, ob man Familie hat. Zum Seminar mussten wir auch mal eine Woche nach Neustrelitz. Das hat dazu geführt, dass ich meinen Sohn während des Grundstudiums nur schlafend gesehen habe.“
Im still gelegten Knast von Neustrelitz entsteht „Marie“, 2005. Im Zentrum steht ein Mann, für den sich am kommenden Tag endlich wieder die Tore zur Freiheit öffnen werden.Seine Tochter wird ihn abholen. „Dieser Film entstand in einem Seminar unter künstlerischer Leitung von Rosa von Praunheim. Wir waren eine Woche in Neustrelitz, sperrten uns mit jeweils einem Schauspieler in den dortigen stillgelegten Knast und Filme wie dieser kamen raus.“
Unter Gabriele Gysi entsteht „Der lockere Stand“, in dem der angehende Filmemacher mit Justus Carriere dreht. „Ausgehend von einem Beckett-Text entwickelte sich in intensiver Zusammenarbeit mit den Schauspielern ein Versuch über Abu Ghraib und letztlich ein Film über die Dunkelheit zwischen uns.“
Andreas Kannengießer beißt sich durch. Im vom dokumentarischen Arbeiten geprägten Grundstudium in Potsdam lernt er auf klassischem Filmmaterial zu drehen. „Das ist die beste Übung, denn man muss sich vorher genau überlegen, was man aufnehmen will. Darüber lernt man als angehender Regisseur, wie wichtig die Abstimmung mit dem Kameramann ist.“
Beim Dokumentarfilm „Clearing Perry and Mamy“, 2005, dreht Kannengießer erstmals mit Stephan Fallucchi, der sein Stammkameramann wird. Beide folgen zwei jungen Mädchen, die als minderjährige Flüchtlinge in Deutschland Asyl finden wollen. In einer so genannten Clearing Stelle versuchen deutsche Beamte das Alter der Kinder und Jugendlichen herauszufinden und auf welchem Weg sie mit oder ohne Eltern ins Land gekommen sind. Oberstes Ziel ist Anhaltspunkte zu finden, um sie wieder abzuschieben. „Ich wollte den Kindern ein Gesicht geben und in Frage stellen, was ihnen angetan wird. Wobei mich besonders der Wahrheitsaspekt interessiert hat. Sie gehen einen schmalen Grat, dürfen meist nicht sagen was ihnen wirklich widerfahren ist und müssen bei ihrer Legende bleiben, um eine Chance zu erhalten hier zu bleiben.“
Ein Jahr später folgt der Kurzfilm „Herz Hart Still“, bereits nach einem Drehbuch von Nico Woche. Erzählt wird die Geschichte von zwei Brüdern, die unterschiedliche Lebensentwürfe haben. Mario, Ende 20, will seine Unabhängigkeit bewahren und bummelt vor sich hin. Ganz im Gegensatz zu seinem Bruder Basti, der schon früh eine Familie gegründet hat. Als dessen Frau ihn rausschmeißt, sucht er bei Mario Unterschlupf. Er ahnt nicht, dass Mario und seine Frau mehr verbindet als eine platonische Beziehung. „Der Film hat mich auch persönlich berührt. Ich habe selbst einen Bruder, ein Kind im gleichen Alter und meine Beziehung ging damals langsam in die Brüche.“
Woche liefert auch die Vorlage für „Vergiss Dein Ende“. Nach dem Grundstudium geht Andreas Kannengießer nach Nicaragua, wo seine Frau einen Job über den DAAD bekommen hat. „Ich wollte wegen unseres Kindes mit, aber auch kein Urlaubssemester nehmen.“ So entsteht die Idee, dort einen Film über Straßenkinder zu drehen. Gemeinsam mit Autorin Cathrin Lüth taucht er in das Land ein. Er dreht mit Laiendarstellern ohne Übersetzer und setzt auf Improvisation. „Die Nicaraguaner sollten sagen, es ist keine Außenansicht geworden, sondern unser gemeinsamer Film.“
Im Zentrum steht der 13jährige Carlos, der im Barrio, einer armseligen Hüttensiedlung lebt. Er träumt davon, Verseaufsager eine Gigantonatruppe zu werden. Dafür gründet er seine eigene Truppe und hofft auf die finanzielle Unterstützung eines ausländischen Dichters. Als die ausbleibt, stellt er sich alleine der Verantwortung.
Während der Dreharbeiten lernt Kannengießer endgültig seinen Kameramann Stephan Fallucchi schätzen „Irgendwann ist der Groschen gefallen. Ich habe damals sein feines Gespür für Momente und für Schauspieler entdeckt. Er kann sich sehr schnell in Situationen rein versetzen und geht mir ihnen, er ist offen für neue Momente und kommt schnell auf den Punkt.“
Kannegießer reist mit dem Film über diverse Festivals. Darüber verpasst er beinahe, seinen Abschlussfilm anzugehen. Trotzdem nimmt er sich vor erst zu drehen, wenn er ein gutes Drehbuch findet. Nico Woches Vorlage für „Vergiss Dein Ende“ ist das dritte Skript, das er liest. „Das war ein Glücksfall, ich habe beim Lesen in der Straßenbahn sofort einen Film vor mir gesehen. Es ist ein sozial relevantes Thema – wir haben in unserer Gesellschaft ja bald mehr Alte als Kinder zu betreuen. Es hat Tiefe und erzählt ein großes Drama. Obwohl ich begeistert war, dachte ich, ich muss noch weiter lesen. Doch es hat mich nicht los gelassen.“

 „Vergiss Dein Ende“ wurde inspiriert von den eigenen Erfahrungen Woches als Pfleger in Norwegen. Sehr genau hat der Autor die psychische Belastung von pflegenden Angehörigen wahrgenommen. Oft kommen sie an die Grenze ihrer eigenen psychischen Belastbarkeit und werden damit alleine gelassen. Eine von ihnen ist Hannelore (Renate Krößner). Sie pflegt seit vier Jahren ihren demenzkranken Mann (Hermann Beyer), die Kinder sind auf Grund der eigenen Berufstätigkeit keine große Hilfe. Hannelore will nur noch raus, alles hinter sich lassen. Sie findet Wärme und Verständnis bei ihrem Nachbarn Günther, dessen Lebensgefährte an Krebs verstorben ist. Doch auch dies kann sie nicht aus ihrer Depression reißen – Hannelore ist bereit, auch den letzten Schritt in den Tod zu gehen, um der Ausweglosigkeit des sie überfordernden Alltags zu entfliehen.
„Je näher die Verwandtschaft, desto größer die Aufgabe. Pfleger und zu Pflegende leiden gleichermaßen unter dieser Überforderung. Das kann nicht Sinn der Sache sein. Darüber wird in der Gesellschaft nicht diskutiert – einzig der finanzielle Aspekt der Pflege ist Thema der Diskussion. "Im Kino kann man aber mal die Frage aufwerfen, ob es sinnvoll ist, bis über die Grenzen der eigenen Belastbarkeit zu gehen, ob man PflegerInnen illegal beschäftigt, weil die legalen Dienste zu teuer sind. Und man kann den harten Entschluss, geliebte Menschen einem Heim anzuvertrauen, erfahrbar mache.“
Kannengießer beweist dabei Mut, die Belastung in all ihren Extremen zu zeigen, was bei der Premiere des Films beim Filmfestival von Saarbrücken und auf dem Festival von Schwerin kontroverse Diskussionen auslöste. „Der Disput entzündete sich zum Beispiel an der Szene, in der der Sohn seinem Vater den Hintern abwischt. Für mich ein normaler Vorgang, weil dies ja auch zum Menschsein gehört. Einige Zuschauer haben explizit erklärt, sie wollen dies nicht sehen. Dass das Tabulevel so niedrig ist, hätte ich nicht erwartet.“
Für Andreas Kannengießer ist „Vergiss Dein Ende“ eine Familiengeschichte. „Wenn die eigene Familie auseinander gegangen ist, können Freunde und Nachbarn diesen Platz einnehmen. Keiner von uns will ja alleine sein. Es ist ja auch ein Glück, wenn man in andere Sphären eintauchen und sie miterleben kann.“
Kannengießer konnte für das Drama eine Reihe von exzellenten Schauspielern gewinnen, „die Besten für den Stoff zu begeistern war immer das Ziel.“ Dieter Mann prädestinierte für Kannengießer seine Ausstrahlung, dass sich hinter einer rauen Schale ein herzerwärmender und liebenswürdiger Kern versteckt. Hermann Beyer hatte zunächst Berührungsängste, er wollte nicht nochmals einen Pflegebedürftigen spielen, um nicht auf die Rolle festgelegt zu werden. Das Drehbuch, dass ihn nicht auf das Nachspielen der Symptome einer bestimmten Krankheit festlegte, sondern sich auf das Wesentliche konzentrierte, die Hilflosigkeit von Klaus zu zeigen, überzeugte ihn. Dass Eugen Krößner, Sohn aus seiner Ehe mit Renate Krößner, den Sohn spielt, erleichterte ihm die Entscheidung.
Die Krößner hat dem jungen Regisseur imponiert, weil sie sehr genaue Vorstellungen von ihrer Rolle als verzweifelte Hannelore hatte. „Die Grundfrage, wie sympathisch sind Menschen, die sagen, ich kann nicht mehr, hatte das Drehbuch nicht eindeutig beantwortet. Diese Schlüsselfrage mussten wir beim Dreh, der stark von der Interaktion zwischen den Schauspielern geprägt war, und vor allem im Schnitt beantworten. Es hätte schnell kippen können, wenn Hannelores Handlungsweise nicht nachvollziehbar gewesen wäre oder der Zuschauer sie ablehnen würde.“
Diese Gratwanderung ist gelungen „Vergiss Dein Ende“ ist ein zutiefst ehrlicher und humanistischer Film, wozu auch die künstlerische Umsetzung beiträgt. Die Kamera konzentriert sich auf die drei Protagonisten, hat aber stets den nötigen Abstand, um ihnen die Würde zu lassen. Die herbstliche Boddenlandschaft Mecklenburgs unterstreicht die Grundstimmung der Annahme des natürlichen Verfalls innerhalb des Lebenszyklus.
Die Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern hat den 230.000 Euro teuren Dreh unterstützt, alle Mitwirkenden verzichteten auf ihre Gagen. Das Medienboard Berlin-Brandenburg war als erste Förderinstitution mit dem Löwenanteil der Unterstützung im Boot, alle Fernsehender lehnten jedoch ab. Kannengießer ist nach dem erfolgreichen Diplom seit Januar 2010 exmatrikuliert.

Im Sommer 2011 arbeitete Andreas Kannengießer als Regieassistent bei „Little 13“ seines Kommilitonen Christian Klandt. Nico Woche schreibt an einem neuen Drehbuch. Außerdem will Kannengießer ein Dokumentarfilm-Langprojekt angehen. Er will weltweit Interviews mit Kindern im Vorschulalter über deren Utopien und Zukunftsvorstellungen führen.„Die Projekte müssen sich so tragen, dass wir davon leben können. Sonst lassen wir es in zwei Jahren sein.“ Dies wäre nach diesem einfühlsamen Debüt sehr schade.

 

Autorin: Katharina Dockhorn
Stand: September 2011