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DEFA - Stiftung - 2009

Preis für die Verdienste um den deutschen Film

Wolfgang Klaue



Wolfgang Klaue

Lieber, verehrter Wolfgang Klaue, meine Damen und Herren,

es gäbe wohl kein „Hände hoch oder ich schieße“, kein „Kaninchen bin ich“, keine „Spur der Steine“, keinen DEFA-Verbotsfilm von 1965/66 mehr, wenn die Materialien nicht vom Staatlichen Filmarchiv der DDR in Sicher­heit gebracht worden wären. Die Verantwortung für ein kulturelles Erbe umfasst auch das Ausgegrenzte oder Indizierte. Dazu gehören Weitsicht und Mut. Und wenn heute Wolfgang Klaue der Preis der DEFA-Stiftung für Verdienste um den deutschen Film verliehen wird, dann hat das viele gute Gründe.

Einen speziellen Grund sehe ich in seiner Persönlichkeitsstruktur, in seiner Haltung: nämlich all das, was er als Direktor des Filmarchivs getan hat, als Selbstverständlichkeit zu sehen und nicht als etwas Besonderes, Außer­gewöhnliches, was es in Wirklichkeit war. Wolfgang Klaue ist für mich eine Inkarnation der Bescheidenheit.

Er wurde 1957, mit 22 Jahren, Mitarbeiter des kurz zuvor gegründeten Staatlichen Filmarchivs der DDR und mit 34 sein Direktor. Er hat das Archiv über zwanzig Jahre lang geleitet und ihm internationale Geltung verschafft. Wenn man weiß, welchen Aufwand die Filmarchivierung erfordert und welche Schwierigkeiten sie bereitet, dann konnte man sich vor Wolfgang Klaue und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nur bewundernd verneigen. Das haben wir aus der Perspektive der föderalen Bundesrepublik, die mit der Gründung eines zentralen Filmarchivs ihre speziellen Probleme hatte, immer getan.

Die internationale Reputation von Wolfgang Klaue wird deutlich, wenn ich daran erinnere, dass er schon in den sechziger Jahren stellvertretender Generalsekretär des Weltverbandes der Filmarchive, der „Fédération Internationale des Archives du Film“, wurde und von 1979 bis 1985 ihr Präsident war. Seit 1990 ist er aktives Ehrenmitglied des Verbandes.

Am Hausvogteiplatz und draußen in Wilhelmshagen wurde über Jahr­zehnte Filmarchivgeschichte geschrieben. Mit den Retrospektiven beim Dokumentarfilmfestival in Leipzig und den filmhistorischen Vorführungen in der „Camera“ in der Friedrichstraße war das Staatliche Filmarchiv auch in der Öffentlichkeit präsent. In den sechziger Jahren war das für meine filmhistorische Sozialisation ein wichtiger Ort.

Für die Deutsche Kinemathek auf der anderen Seite der Mauer wurde Wolfgang Klaue ein Kollege und Partner, dem die Bewahrung des filmischen Erbes wichtiger war als die uns trennende Ideologie. Ohne ihn hätten wir 1987 den FIAF-Kongress in Westberlin nicht veranstalten können. Und ich erinnere mich immer wieder gern daran, wie wir 1988 bei einem wissenschaftlichen Kongress in Chicago deutsche Filmgeschichte präsent gemacht haben – westliche und östliche. Klaue wurde dabei von Lothar Bisky und Wolfgang Kohlhaase unterstützt.

Die Folgen der deutschen Einigung mit der Übernahme des Staatlichen Filmarchivs der DDR durch das Bundesarchiv/Filmarchiv waren für Wolfgang Klaue durchaus zwiespältig. Er hat mit der ihm eigenen Beharrlichkeit eine Krisenzeit überwunden und dann in einem fünfjährigen Kraftakt, zusammen mit dem damaligen Filmreferenten des BMI, Detlef Flotho, die Gründung der DEFA-Stiftung durchgesetzt, deren erster Vorstand und Geschäftsführer er ab 1999 war. Seine Autorität und seine Bescheidenheit haben Maßstäbe gesetzt..

Wolfgang Klaue hat sich um die Bewahrung und Pflege des deutschen Filmerbes verdient gemacht. Ich freue mich auch persönlich, dass er dafür heute mit dem Preis der DEFA-Stiftung ausgezeichnet wird.

Laudator: Hans Helmut Prinzler, Filmwissenschaftler, ehemaliger Direktor der Stiftung Deutsche Kinemathek

Preis zur Förderung der deutschen Filmkunst

Gerd Kroske, Helke Misselwitz, und Andreas Voigt



Andreas Voigt, Helke Misselwitz, Gerd Kroske

Herbst 2009 - eine Hoch-Zeit der Erinnerung, eine Hoch-Zeit der Emotionen, der Euphorie, des Nachdenkens, der Selbstbefragung, aber auch der alten und neuen Ressentiments.

Film ist seit seiner Geburt immer auch bewahrte, aufgehobene Erinnerung gewesen.

So ist es gleichsam eine Art Schlüsselfrage:
An welche Filme, an welche ihrer Autoren erinnert die DEFA-Stiftung in diesem Herbst?
Es liegt uns nahe, sich den Filmen zuzuwenden, die unmittelbare, authentische Zeugnisse sind aus dem Herbst 1989 und der bleiernen Zeit davor.

Von Friedrich Schorlemmer gibt es aus dieser Zeit den Satz:
„Noch 1988 war der Sozialismus eine diskutable und kontroverse Streitformel, 1989 war sie bereits unbrauchbar geworden. Das Volk fürchtet einen neuen –ismus“.

Die Stiftung erinnert an Filme aus dieser Zwischenzeit, an filmische Dokumente wider Stagnation und Realitätsverlust, an Filmbilder aus der Zeit der Atemnot und des Versuchs, den aufrechten Gang zu üben, Zeugnisse eines neuen Denkens, von Visionen einer anderen Welt.

Wir erinnern an Filme, die im besten Sinne des Wortes Seismographen der Zeitgeschichte sind.

Sie tragen Filmtitel, die etwas haben von der legendären Flammen­schrift an der Wand, die an ein leuchtendes Menetekel gemahnen.

WINTER ADE      
-  Abschied von den idealisierenden und geschönten Selbsttäuschungen, Polemik gegen Erstarrungen und Zwänge.
LEIPZIG IM HERBST
-  Bilder einer neuen Hoffnung. Es ist Zeit für Veränderung.  TIME OF CHANGE. Ein Dokument ohne Verklärung und ohne  Verteufelung. So eindrücklich wohl nie mehr filmbar: das  zögernde Artikulieren einer neuen Bewusstheit, das  Abstreifen der Angst und der Sprachlosigkeit.
KEHRAUS
                                                             
-  auch eine Parabel auf den Müll der neuen Demokratie.
LETZTES JAHR TITANIC
-  der Tanz auf dem sinkenden Schiff.
"Vermeiden Sie jede Panik, gehen Sie geordnet in die Rettungsboote."

 

Last, but not least - die DEFA-Stiftung erinnert und ehrt heute Filme, die keine platte und verbrauchte Geschichtsbuch-Ikonografie sind. Wir ehren Filme, die einen bestimmten Punkt auf der Zeitachse fixieren.

Eine Zeit des Nicht-Mehr und des Noch-Nicht!
Das macht sie so unvergleichlich, das macht sie so kostbar!


Laudator: Fred Gehler, Vorsitzender des Stiftungsrats der DEFA-Stiftung

Preis zur Förderung des künstlerischen Nachwuchses

Revolver – Zeitschrift für Film

  

Nicolas Wackerbarth, Benjamin Heisenberg, Jens Börner, Chrisoph Hochhäusler, Saskia Walker

Als die jungen Regisseure der französischen Nouvelle Vague Ende der 1950er-Jahre damit begannen, das traditionelle Kino ihres Heimatlandes zu verändern, stand ihnen mit den „Cahiers du Cinéma“ eine Zeitschrift zur Seite. Dort erschienen Kritiken und Manifeste, Interviews und Pamphlete, in denen um Sinn und Form der neuen Welle gerungen, Erfahrungen diskutiert und Fehlstellen beklagt wurden. Vielleicht war es ja dieses Vorbild, das den jungen Machern der Zeitschrift „Revolver“, Benjamin Heisenberg, Christoph Hochhäusler und Sebastian Kutzli, beim ersten Heft vor Augen stand. Vielleicht aber auch nicht. Jedenfalls hat sich „Revolver“ seit elf Jahren zum Selbstverständigungs- und Diskussionsforum vor allem über jene deutschen Filme entwickelt, die von der internationalen Kritik unter dem Begriff „Berliner Schule“ subsumiert wurden und das Spannendste und Anregendste sind, was im deutschen Kino seit geraumer Zeit zu sehen ist.

Was ist in „Revolver“ zu lesen? Zum Beispiel Gespräche „auf Augenhöhe“ mit Leuten, deren Arbeit als Reibungsfläche für die eigenen Absichten und Ideale gelten: Lars von Trier, Werner Herzog, Michael Haneke, Harun Farocki, Ulrich Seidl, Andreas Dresen, Hans-Joachim Syberberg, Volker Koepp. „Revolver“, als Anreger, Kommunikator und Chronist der „Nouvelle vague allemande“, druckt romantische Manifeste wie jenes, in dem es hieß: „Es geht darum, aufzustehen. Zu kämpfen! Für eine neue Gesellschaft, eine neue Liebe, einen neuen Film.“ „Revolver“ schreibt aber auch gegen das, was man nicht will, zum Beispiel ein Kino der Sozialdramen, das alles benutzt „für den Zweck einer These, die bestimmte politische Absichten hat“. Zahlreiche Texte aus den ersten, meist vergriffenen Heften sind in einem Band versammelt mit dem schönen Titel: „Kino muss gefährlich sein“. Ja, Kino muss gefährlich sein, und so ziehen sich durch die Artikel wie ein roter Faden Fragen nach dem politischen Film, nach dem Wechselspiel zwischen Individualität und Industrie, auch nach dem Scheitern als Erfahrung fürs Leben. „Revolver“, so Hanns Zischler in seinem Nachwort, forsche im undurchdringlichen Wald der laufenden Bilderwirtschaft nach Werken, über deren Entstehung, Wiederauferstehung und Fortleben zu berichten sich lohne.

Einer der schönsten Texte, der je in „Revolver“ erschien, ist ein Mailwechsel zwischen Dominik Graf, Christian Petzold und Christoph Hochhäusler. Es geht, natürlich, um die „Berliner Schule“, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede ihrer Filme, das Geleistete und die Defizite. Und es geht um die Zukunft des Kinos. Denn Dominik Graf, ein distanzierter, dabei hochsensibler und von ganzem Herzen sympathisierender Begleiter seiner jüngeren Kollegen, warnt vor thematischem und formalem Stillstand. Er konstatiert ein „Misstrauen in Sprache“ und „sehr wenig Humor“, ein „Gefühl von Künstlichkeit, von Gewolltheit, von hindrapierter Verlorenheit“. Hochhäusler gibt ihm recht: Nicht nur der Humor fehle, auch „gelebtes Leben“. Die seismographischen Beobachtungen vornehmlich über die Generation um die Dreißig sind an einer Schwelle angekommen, die nun überschritten werden müsste: Mehr Kraft, mehr Sinnlichkeit, mehr Genre! „Revolver“ hat sich auf die Suche nach einem vitalen Kino begeben, das sich nicht im Ungefähren, auch Unpolitischen verliert, sondern, so Dominik Graf, „zu einem Gesamtbild des Lebens wie in einer Glaskugel wird, im Guten wie im Bösen, im Ordentlichen wie im Chaos“.

So wie wir uns diese Filme wünschen, von Heisenberg und Hochhäusler, Grisebach und Köhler, Petzold und Maren Ade und all den anderen, wünschen wir auch der Redaktion Kraft und Geduld, sie zu begleiten. „Revolver“, dieses Lesevergnügen, dessen Schüsse keineswegs aus der Hüfte kommen, wird gebraucht.

Laudator: Ralf Schenk, Filmkritiker

Programmpreise



Bernd Platter, Katherina Riedel (Filmverband Brandenburg), Barbara Heinrich-Polte, Karl Griep (Bundesarchiv-Filmarchiv) und Claus Löser (Brotfabrik)

Bundesarchiv-Filmarchiv

50 Retrospektiven zum deutschen und internationalen Dokumentarfilm in ununterbrochener Folge inhaltlich zu gestalten und auf dem Internationalen Festival für Dokumentar- und Animationsfilm in Leipzig jährlich als große Werkschauen zu zeigen, das ist weltweit wohl einmalig. Und das noch über Zeiten von System- und Machtwechsel hinaus, immer mit dem Anspruch des Bewahrens von Geschichte und des Bekennens zum filmkulturellen Erbe. Drei Hauptsäulen bilden auch heute das klassische Gerüst: Personalia – Werkschauen, thematische Filmreihen und interessante Länderüberblicke.

Vom Staatlichen Filmarchiv der DDR begründet und entwickelt und vom Bundesarchiv-Filmarchiv bewahrt und weitergeführt ist diese Reihe ein kostbares Gut und ein wunderbares, wenngleich seltenes Beispiel für einen gelungenen Teil im schwierigen Einheitsprozess.

Der Dank gilt einer ungezählten Zahl von Menschen in Ost und West, die heute auf glanzvolle Retrospektiven zurückblicken können, die nichts von ihrer Faszination verloren haben. Dabei stehen auch heute die Bewahrung des Filmerbes und die Vermittlung filmkultureller Bildung im Mittelpunkt. Das internationale Festival in Leipzig kann sich nun schon 50 Jahre der quantitativ und qualitativ erfolgreichen Arbeit der Filmarchivare und -historiker versichern und erhält dieses gleichermaßen auch noch weitgehend als Geschenk.

 

Filmverband Brandenburg e.V.

Der 1990 gegründete Filmverband Brandenburg e.V. ist Interessenvertreter der Film-, Fernseh- und Videoschaffenden und der Mitarbeiter der Neuen Medien des Landes Brandenburg. Unermüdlich setzt er sich für filmkulturelle Traditionen und die Bewahrung, Pflege und Verbreitung des Filmerbes ein. Er sieht sich als die filmpolitische Vertretung und organisiert mit Partnern Filmveranstaltungen, Tagungen und Projekte der Medienerziehung.

Die DEFA-Stiftung möchte den Verband vor allem deshalb auszeichnen, weil er sich zum einen als ein aktiver Mitgestalter der Filmkultur des Landes Brandenburg, zum anderen aber auch als ein nationales und internationales Netzwerk versteht. Diese Aufgaben nimmt er seit mehr als zwanzig Jahren mit unverändertem, bewundernswertem  Engagement wahr. Wer die weitgehend kleinstädtische und dörfliche Struktur des Landes kennt, vermag zu erahnen, wie viel Liebe, Ausdauer und Entbehrung notwendig sind, mit dem künstlerisch anspruchsvollen Film im wahrsten Sinne des Wortes „über die Dörfer“ zu ziehen. Das jede der Veranstaltungen, auch die mit DEFA-Filmen, ein besonderes, unverwechselbares Ereignis ist, davon wissen alle Künstler und Filmemacher zu berichten, die schon mit unterwegs waren.

Besondere Projekte sind neben den zahllosen Einzelveranstaltungen beispielsweise: der Kino-Abspielring "FILMERNST", das monatlich aktuelle Potsdamer Filmgespräch und die vielen medienpädagogischen Arbeiten.

Die Stiftung möchte dem ganzen Team auch weiter Mut machen und zurufen: Macht weiter so vor Ort, Ihr seid unverzichtbar für das Land Brandenburg und selbstredend auch für die DEFA-Stiftung.


Kino Brotfabrik Berlin

Das Kino Brotfabrik in Berlin auszuzeichnen heißt, sich in eine lange Reihe mit anderen Gratulanten zu stellen. Das spricht für die Idee, das Programm, die Macher und den Kinoort in Berlin-Weißensee.

Zunächst heißt es korrekt: Brotfabrik – Kunst- und Kulturzentrum. Und so unterscheidet die Homepage auch selbstverständlich in: Alles über das Kino, Alles über die Bühne, Alles über die Galerie, Alles über die Kneipe.

Schon das ist so interessant und weit mehr, als in dieser knappen Laudatio abzubilden ist. Und dann gibt es noch eine weitere wichtige Überschrift: Brotfabrik – Kunst ist Lebensmittel.

Spätestens jetzt sollte sich auch der Letzte entscheiden, dort einmal selbst vorbeizugehen. Was ihn erwartet und was die DEFA-Stiftung auszeichnen möchte, ist:

 

  • ein engagiertes und unabhängiges Programm vom anspruchsvollen Autorenkino über thematische Filmreihen, Retrospektiven und Lesungen,
  • die Beharrlichkeit immer wieder auch originalsprachige Produktionen zu zeigen,
  • die anspruchsvolle Präsentation deutscher und internationaler Filmemacher,
  • die inhaltliche Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit und der stetige Einsatz von DEFA-Filmen,
  • die besondere Verantwortung für ex.oriente.lux, das Experimentalfilmarchiv Ost 1976 – 1989 und die wissenschaftliche Aufarbeitung dieser einmaligen Dokumente
  • und Menschen, die auch nach 19 Jahren Kinopräsenz innovativ und engagiert wie am ersten Tag arbeiten.

Laudator: Helmut Morsbach, Vorstand der DEFA-Stiftung

Stiftungspreise 2009:

Preis für die Verdienste um den deutschen Film: Wolfgang Klaue

Preis zur Förderung der deutschen Filmkunst: Gerd Kroske, Helke Misselwitz und Andreas Voigt

Preis zur Förderung des künstlerischen Nachwuchses: Revolver – Zeitschrift für Film

Programmpreise: Bundesarchiv-Filmarchiv; Filmverband Brandenburg e.V.; Kino Brotfabrik, Berlin