Babette Ellen Kottkamp


In ihren national und international stark beachteten Dokumentarfilmen „Ende einer Reise“ und „Leben nach Fahrplan“, die an der Hochschule für Film- und Fernsehen in München entstanden sind, ist Babette Ellen Kottkamp auf Spurensuche in der Heimat ihrer Eltern, der Slowakei. Sie spürte einer dort untergehenden, in Deutschland schon verschwundenen Welt nach und musste sich während des Drehs auch mit ihren eigenen Wurzeln und der eigenen Identität auseinandersetzen. Zweiter Schwerpunkt ihres Schaffens ist das Kinderfernsehen. Als Autorin und Regisseurin realisiert sie hauptsächlich dokumentarische Stoffe und ist regelmäßig an Formatentwicklungen für den Kinderkanal von ARD und ZDF beteiligt.



Babette Ellen Koci, verheiratete Kottkamp, wurde am 10. Mai 1975 in München geboren. Ihre Eltern waren 1970 aus der Tschechoslowakei nach Deutschland gezogen. Von ihrem Vater erbt sie die Liebe zum Film und zum Bild. Der Kameramann bei der Tellux Film in München nimmt sie oft mit ans Set. Hier entdeckt sie das Abenteuerliche im dokumentarischen Arbeiten für sich und beginnt die filmische Auseinandersetzung mit Menschen und ihren Geschichten zu lieben.

Während des Abiturs macht Babette Ellen Koci ihren ersten Film. Der Plastilintrickfilm „Hide in your shell“ wird mit dem Jugendfilmpreis der ARD geehrt. Schon damals steht für sie fest, dass sie zum Film will. Zunächst studiert sie Theaterwissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universtität in München und absolviert mehrere Praktika bei Fernsehanstalten. Ihre Feuertaufe hat sie in der aktuellen Redaktion beim Münchner Stadtsender M1.

Von 1996 bis 2005 ist sie Studentin an der Hochschule für Fernsehen und Film in München in der Abeilung IV Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik. Neben der theoretischen Ausbildung kehrt sie immer wieder zur Praxis zurück. Für Film- und Fernsehproduktionen übernimmt sie Recherche, Regie-, Kamera- und Produktionsassistenzen sowie die Aufnahmeleitung und entwickelt Bücher.

1997 entsteht der Kurzfilm „Außer Betrieb“, die Liebesgeschichte eines Plastilinmännchens in einer realen Parkuhr, ein Jahr später folgt „Blaue Wüste“ in Kooperation mit Carolin Dassel, der die beiden nach Finnland führt. Eingefasst von Bildern der polaren Eiswüste und dem weltgrößten Eispalast in Kemi erzählen der Dichter Niihlo Rauhala sowie ein Eiskünstler, ein Eisfischer und ein Musiker von ihrer Beziehung zum Eis, die sich zwischen archaischem Leben und Überleben und daraus entstehender Eiskunst entfaltet.

1999 dreht sie den Kurzfilm „Im Licht der Sonne“. Als Professor für Fernsehjournalistik begeistert sie Gerd Ruge ein Jahr später, für das Auslandsmagazin der HFF „Close Up“ in die Slowakei zu gehen. „Eigentlich habe ich von einer Geschichte in Japan geträumt, aber Gerd Ruge beharrte darauf, dass ich meinen großen Vorteil, die slowakische Sprache zu beherrschen, nutzen sollte, um schöne Geschichten zu finden.“ Schon während der Recherchereise merkt die Filmstudentin, dass Gerd Ruge Recht hatte. „Nachdem ich sieben Jahre lang nicht in der Slowakei war, zog es mich in dem einem Jahr gleich sieben Mal in das  Land. Mir hat sich eine neue Welt eröffnet, mit der mich viel verbindet. Zugleich wurde es eine Suche nach meiner eigenen Identität.“

2001 dreht sie auf einer kleinen slowakischen Bahnstation den halbstündigen Dokumentarfilm „Leben nach Fahrplan“. Sehr genau beobachtet sie das Leben von zwei Männern, die auf der verlassen und vergessen wirkenden Provinz-Station den Betrieb aufrechterhalten. „Beide waren zum Glück sehr offen und haben sich positioniert.“ Zugleich ist es ein Film über ein Zeitalter der Bahn, das europaweit beinahe zur Neige gegangen ist. „Dinge die vergehen aufzubewahren liegt mir am Herzen“, umschreibt Babette Ellen Kottkamp ihr Credo, das auch im 2005 gedrehten Abschlussfilm an der HFF sichtbar wird.

In „Ende einer Reise“ fängt sie das Selbstverständnis von Kesselflickern aus zwei abgelegenen Regionen der Slowakei ein, einem in Europa einst weit verbreiteten, mittlerweile fast ausgestorbenen Beruf. Die alten Meister haben keine Nachfolger und die Dörfer, in denen sie leben, sterben langsam aus. „Sie machen einen fast verwunschenen Eindruck, was meiner Konzeption entsprach, den Film aus der märchenhaften `es war einmal…` Perspektive zu erzählen. Die Kesselflicker waren Lebenskünstler, die nichts hatten und als ungeliebtes Bettelvolk galten. Um sich zu behaupten und ihre Würde zu bewahren, haben sie eine eigene Sprache und Geschichtenwelt erfunden, die mit ihnen untergeht. Zugleich hatten sie einen ungeheuren Familiensinn. Ihre Kinder können heute mit dieser Berufswelt nichts mehr anfangen, daher habe ich sie bewusst im Film ausgeklammert. Der Generationenkonflikt wäre einen eigenen Film wert.“

Babette Ellen Kottkamp will gerne zur Realisation weiterer Dokumentarfilme in die Slowakei zurückkehren, doch vorher liegen ihr dokumentarische Stoffe am Herzen, die die Realität in ihrer deutschen Heimat widerspiegeln. Mit Petra Felber von der Redaktion Literarische Filmerzählung des Bayerischen Rundfunks hat sie bei der Arbeit an „Ende einer Reise“ eine kompetente Ansprechpartnerin für weitere Projekte gefunden.

In Vorbereitung ist der Dokumentarfilm „Schwere Steine“. Außerdem arbeitet Babette Ellen Kottkamp an einem Buch für einen Spielfilm. Der Stoff erzählt eine wahre Lebensgeschichte. „Es wäre schön, wenn sich die Dreharbeiten dazu mit einem kleinen Team, vergleichbar der intensiven Arbeitsgemeinschaft bei einem dokumentarischen Stoff, realisieren ließen.“

Für die Produktion ihres Diplomfilms „Ende einer Reise“ hat Babette Ellen Kottkamp 2004 die mosaikfilm Medienproduktion gegründet. „Die umfangreiche Produktionstätigkeit zu dem in vier Drehphasen realisierten Film, war noch einmal ein komplettes Studium für sich. Letztendlich hat sie mir so viel Spaß gemacht, dass ich anschließend die Produktion für den Abschlussfilm einer Kommilitonin übernommen habe.“ Die Langzeitbeobachtung der Filmstudentin Ysabel Fantou über die Sozialisation von Kindern im Kindergarten ist noch in Bearbeitung.

Seit Ende ihres Studiums lebt Babette Ellen Kottkamp in Berlin und München. Ihre Arbeit für den Kinderkanal von ARD und ZDF führt sie oft nach Erfurt. Seit 2000 gehört sie als freie Autorin und Realisatorin zum Stamm des KI.KA, zunächst als Redakteurin für Informations- und Showformate. Für die Arbeit für Kinder, von der sie immer geträumt hat, kann sie für zwei Jahre das Studium unterbrechen. In den vergangenen Jahren war sie an der Entwicklung mehrerer Formate für den Sender beteiligt: „Kikania“, „KI.KA LIVE“, „Kummerkasten“, „Platz für Helden“ und „Philosophie für Kinder“. Außerdem entstanden mehrere halbstündige Reportagen, bei denen sie für Buch und Regie verantwortlich war.

„Durch das Studium an der HFF bot sich mir die großartige Gelegenheit sich ohne äußeren Druck filmisch auszuprobieren und entwickeln zu können. Bisweilen war diese filmische Auseinandersetzung jedoch etwas fern der Produktionsrealität der deutschen Film- und Fernsehlandschaft. Erst bei der praktischen Arbeit in Erfurt habe ich gelernt, wie ich die Arbeitsabläufe am besten organisiere, wie Filme gebaut werden und vor allem, dass man sich vor dem Dreh entscheiden muss, welche Geschichte man genau erzählen will. Nur dann kann man offen sein für das, was während des Drehs passiert und reagieren, wenn etwas nicht funktioniert. Das war eine gute Vorbereitung für meinen Abschlussfilm und meinen weiteren Berufsweg.“

 

Autorin: Katharina Dockhorn
Stand: Oktober 2007