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DEFA - Stiftung - 2/2002

Entertainer und sanfter Rebell. Manfred Krug wird 65


Kaum war er beim Film, da war er auch schon festgelegt: Manfred Krug galt bei der DEFA einige Zeit als der perfekte „Halbstarken“-Typ, groß, schlaksig, häufig mit leicht ironisch-gelangweiltem Zug im Mundwinkel; die Blue Jeans schienen für den Schauspieler wie für die Typen, die er zu spielen bekam, fast so etwas wie eine Uniform. Das hatte in jenen Tagen in Babelsberg durchaus eine tiefere Bedeutung. „Halbstarke“, das waren Jugendliche, die beeinflussbar waren – von beiden Seiten. Sie hatten das Stigma der Unzuverlässigkeit, traten mit Vorliebe in Gruppen auf, machten einen Bogen um die FDJ und tanzten ab und an etwas wilder als die Polizei erlaubte. Nicht in den Berlin-Filmen der ersten Reihe war Krug zu sehen, nicht in „Berlin Ecke Schönhauser...“ oder „Eine Berliner Romanze“, sondern in „Reportage 57“ und „Ein Mädchen von 16 1/2“.

Das dauerte bis 1960, eigentlich eine kurze Zeit nur, nicht einmal fünf Jahre. Dann kam Frank Beyer und besetzte den Schauspieler „gegen den Typ“: In dem Spanien-Film „Fünf Patronenhülsen“ spielte Krug einen wortkargen Polen, einen Kommunist in den Internationalen Brigaden des Spanischen Bürgerkriegs. Beyer legte in Ansätzen Krugs breite schauspielerische Reichweite offen; hier gewissermaßen ein noch „gefesselter“, zurückgehaltener Krug, der – genau wie seine Filmfigur – in die Reihe zurückgetreten ist. „Fünf Patronenhülsen“ war anders, die hellblond gefärbten Haare des Schauspielers dafür äußeres Indiz. Krug erkannte zumindest später das Herausgehobene des Films sowie seiner Rolle. Bei den Dreharbeiten gab es sofort Konflikte. Zwei Mentalitäten prallten aufeinander: Krug, der Lockere, seine Unsicherheiten häufig mit witzigen Bemerkungen überspielend, trifft auf den sehr ernsten jungen Regisseur, dem die Späße des Schauspielers bald auf die Nerven gingen. Beyer nannte das später „ganz einfach eine ganz persönliche Lockerungsübung“ des Schauspielers. Frank Beyer: „Für ihn war das wichtig, ich kam nicht damit zurecht, und es gab entsetzliche Streitereien.“ (1993, zu Heiko R.Blum.) Beyer wollte bei Krug genau diese Unsicherheit sehen, die Ängste eines Spanien-Kämpfers, der mit seinen Genossen auf dem Rückzug ist. Er bekam sie, und Krug konnte darüber hinaus zeigen, dass er viel mehr als der Draufgänger, der „Tausendsassa“ war. Seine Darstellung des Polen gilt als eindrucksvolle Skizze eines Charakters.

Abenteuerfilme und andere „Dreistigkeiten“

Das Jahr 1960 war für den Schauspieler das entscheidende Jahr. Wohl nicht nur für ihn, sondern auch für die DEFA und das immer stärker werdende Fernsehen. Wie umgehen mit diesem ungewöhnlichen Schauspieler? Rollen, Projekte ganz speziell für ihn entwickeln, Rollen, in denen „seinem Affen Zucker“ geben, sich zu dem entwickeln konnte, womit die immer etwas verkrampfte Kulturpolitik der DDR stets ihre Probleme hatte? Damit einen „Star“ aufbauen, eine Identifikationsfigur für die Jugend, der sie stets misstraute? Oder aber das volle schauspielerische Potenzial dieses Akteurs nutzen? Man entschied sich für das Klügste, was sie machen konnten: Sie machten beides.

„Auf der Sonnenseite“ von Ralf Kirsten hat wesentlich mit dazu beigetragen, dass die Entscheidungsträger in der DDR weniger Scheu vor dem Aufbau eines Stars vom Format eines Manfred Krug hatten. Der Film enthält mehr vom Wesen des Schauspielers als jemals ein anderer seiner Filme. Ein unkonventioneller junger Mann mit proletarischem Background und einer Gitarre über der Schulter versucht in einer Welt, in der fast alles in fest abgesteckten Bahnen und Riten verläuft, „durchzukommen“. Als allenfalls sanfter Rebell, gelingt ihm das auch. Die allzu schnelle Anpassung deutet sich nicht nur an. Weiter ausbauen wollte man die Figur in diesem heiteren, verdächtig liebenswerten Film nicht. Gefahren lauern überall. Eigentlich war es nur zu logisch, dass man diese schillernde Figur sehr schnell in die ungefährlichere Vergangenheit transponierte. Mit den historischen Abenteuerfilmen „Mir nach, Canaillen!“ (Untertitel: „Eine Sommerabenddreistigkeit“), „Hauptmann Florian von der Mühle“, „Husaren in Berlin“ und „Frau Venus und ihr Teufel“ erreichte man dann alles, was man erreichen wollte: Diese DEFA-Filme waren Publikumsrenner, das Publikum bekam einen Star, der es partiell sogar mit importierten Stars aufnehmen konnte (ganz von fern erschien das unerreichbare Vorbild „Fanfan, der Husar“ in der Gestalt des Gérard Philipe), durch die Geschichte aus der Vergangenheit schien die Distanz zur Gegenwart deutlich erkennbar.

Wie ging es nach „Fünf Patronenhülsen“ weiter mit Manfred Krug, dem jungen Schauspieler, der Charaktere so überzeugend vermitteln konnte? Krug fuhr zweigleisig, und er hatte das Glück, dass er sich auf beiden Gleisen entwickeln durfte. Oder aber – im Idealfall – konnte er beide Seiten verbinden. In Ralf Kirstens „Beschreibung eines Sommers“ etwa, wo er einen zynischen Bauingenieur spielt, der durch die Liebe einer jungen Frau „gezähmt“ werden soll – eine Art „Vorspiel“ zu „Spur der Steine“. Vor allem aber in dem vierteiligen „Fernsehroman“ von Martin Eckermann und Helmut Sakowski „Wege übers Land“ konnte er einen komplizierten, facettenreichen Charakter aufbauen, entwickeln und spielen: einen kommunistischen Widerstandskämpfer, später SED-Parteisekretär, eine positive Figur fast aus dem Heroen-Arsenal des sozialistischen Realismus, und doch machen Regisseur und Schauspieler daraus einen Menschen, mit dem die Zuschauer damals mitfühlen konnten. Das Holzschnitthafte, Monumental-Abstoßende konnten sie weitgehend durch Menschlichkeit ersetzen, sodass der Schauspieler noch heute zu seiner Arbeit steht. „Ich würde heute noch einen Kommunisten spielen, wenn die Figur interessant ist. Nicht den Ernst Thälmann aus dem ‚Thälmann’-Film, aber den Heyer wieder – sicher in einer neuen Konstellation, mit den eigentlichen Konflikten und neuen Erkenntnissen, die wir alle haben. Und die wir uns getrauen zu haben. Wenn ich einen SS-Kommandanten spielen kann oder einen Mörder, warum soll ich dann keinen Papst oder keinen Kommunisten spielen? Das wäre ja noch schöner!“ (Krug, 1997 zu Ralf Schenk)

Den gewiss „staatstragenden“ Fernsehfilm „Wege übers Land“ versteht Krug heute auch als Teil seiner Biografie. Genauso seinen Rechtfertigungsfilm zum Bau der Mauer „Der Kinnhaken“, dessen Buch er zusammen mit Horst Bastian schrieb: „Sehen Sie, damals ist es so gewesen: Als die Mauer gebaut wurde, knirschten wir zwar mit den Zähnen, weil es mit den schönen Fahrten nach West-Berlin vorbei war. Andererseits dachten wir: Wenn das Experiment Sozialismus in Deutschland noch nicht abbruchreif ist, und das war es für uns nicht, dann ist die Mauer doch ein wichtiges Bauwerk. Ein Bauwerk, das diesen Sozialismusversuch noch mal bestätigen kann.“ (Krug zu Schenk)

Das Ende eines „Arrangements“

Die Illusionen sollten nicht einmal fünf Jahre später schon wieder verflogen sein. Als entscheidenden Wendepunkt dabei nannte Krug später den Fall „Spur der Steine“. Trotz der nicht konfliktfreien Zusammenarbeit bei „Fünf Patronenhülsen“ besetzte ihn Frank Beyer 1965 mit der Hauptrolle, den Bauarbeiter Balla, einen Kerl wie ein Baum, eine Figur, die die Amerikaner mit dem Etikett „bigger than life“ versehen würden. Krug schien dafür die ideale Besetzung zu sein: Das Raubein mit dem Macho-Gehabe, spielte sich hier in weiten Teilen selbst. Seine Leinwandpräsenz deckte sich mit der aus der Literatur vorgegebenen Figur nahezu total. Man verglich den Film häufig mit amerikanischen Western, wo ein Mann das tut, was getan werden muss, und Krug mit den bekannten Akteuren dieser Genrefilme. „Spur der Steine“ war für den Kinoschauspieler Manfred Krug der Höhepunkt seiner Karriere. Eine Steigerung war nicht möglich. Ein Schauspieler liefert ein großartige Leistung, erhofft zu Recht die große Anerkennung – und muss erleben, wie ängstliche Kulturfunktionäre den Film nach einem Bestseller unter skandalösen Begleitumständen ins Archiv verbannen. Der Schauspieler war dabei, als im Premierenkino bestellte Krakeeler sein Verbot forderten: „Von diesem Tag an wusste ich, mit dem Staat ist keiner zu machen. (...) Ich wusste, aus der Film-Kunst in dieser DDR kann nichts mehr werden, es sei denn, man würde 8mm-Samisdat-Filme drehen. (Krug zu Schenk)

Doch längst war Krug in der DDR eine Institution geworden. Kontinuierlich gespielte Rollen bei Film und Fernsehen war die eine Seite, seine Liederprogramme und Tourneen eine Zweite; er popularisierte in diesem Land den Jazz, als er für die dominierende Kulturpolitik noch Teil einer dekadenten bürgerlichen Kultur war. Sieben Jahre spielte Krug, der zum Theater mit seinen Repertoire-Vorstellungen eine ähnlich negative Haltung wie Erwin Geschonneck hat, den Sporting Life in Götz Friedrichs Inszenierung von „Porgy and Bess“ an Felsensteins Komischer Oper. Es schien so, als wenn sich der Staat DDR und der Entertainer Krug arrangiert hätten. Man akzeptierte sich, ließ sich gegenseitig in Ruhe. Zu dem „Arrangement“ gehörte auch, dass der Schauspieler hoch bezahlt wurde, aber Angebote aus dem Westen ablehnen musste. Später dann wurden die „Regeln“ verletzt, Filme mit ihm zurückgehalten, in seinen wenigen Konzerten saßen in der Mehrzahl nur noch grimmig dreinschauende „Herren“. Im Juni 1977 war die reichlich komfortable Übersiedlung der Familie Krug in den Westen dann nur noch die letzte, logische Konsequenz. Der Star ging in eine recht ungewisse Zukunft. Die Kameras, die ihn an der Berliner Sektorengrenze empfingen, richteten schnell ihre Objektiv wieder auf neue „Sensationen“. Manfred Krug war schon sehr bald keine Meldung mehr wert.

Die Rettung kam auch für Krug vom Fernsehen, dem „alltäglichen Brot“ deutscher Schauspieler. „Auf Achse“, eine Fernfahrer-Serie, lief ab 1978, dazu kam die „Sesamstraße“, später der „Tatort“ und viele weitere Fernsehfilme und -serien. In den 80er-Jahren gehörte er, der in der DDR einer der ganz wenigen wirklichen Stars war, zum imaginären Schauspieler-Ensemble aller deutschen Fernsehsender; Höhepunkt – auch für ihn persönlich – war die von seinem Freund Jurek Becker geschriebene Anwalt-Serie „Liebling Kreuzberg“, die sehr viel Krug, aber enttäuschend wenig Berlin-Kreuzberg enthielt. „Manfred Krug, Fernsehschauspieler“ dürfte seine korrekte Berufsbezeichnung heute wohl lauten. Dabei versuchte er sich daneben sogar als Dorfrichter Adam in einer Tournee-Inszenierung von Kleists „Der zerbrochene Krug“. Der Sänger und Jazz-Man Krug ist im neuen Deutschland noch wenig gefragt.

Und auch nicht der Kinofilmschauspieler Manfred Krug. Wie um so viele große Schauspieler meint das deutsche Kino auch um ihn einen weiten Bogen machen zu können. Ist es die Scheu, einen allzu sehr vom Fernsehen geprägten (und auch verdorbenen) Schauspieler zu besetzen? Krug gilt als schwierig – nicht nur Journalisten gegenüber. Wenn er keine Lust auf ein Interview hat, spricht er von einem „Gelübde“, das er gegeben habe, um es dann doch zu brechen, wenn das Honorar „stimmt“. Andererseits lobt ein Mann wie Frank Beyer immer wieder die hohe Professionalität des Schauspielers, der nicht nur auf seinen Part achtet, den immer der gesamte Film interessiert, der sich viele kluge Gedanken über das Timing einer ganzen Szene macht, über die Qualität der Dialoge. Vielleicht sind es auch die wenig freundlichen Äußerungen des Schauspielers über das deutsche Kino, die Regisseure abschrecken: „Ich habe ein paar Filme im Westen gedreht, das waren aufgeblasene Fernsehspiele. Mit den Kunstregisseuren konnte ich mir keine gute Arbeit vorstellen. Mir gefielen die Werke nun mal nicht. Ich hatte keine Lust, darin vorzukommen. (...) Außerdem: Jahrelang warten, bis ein Film geschrieben und finanziert ist, das ist auch nicht mein Ding. (Krug zu Schenk)

Man mag das sehr bedauern. Die großen Kinofilme sind für ihn Vergangenheit. Sie kamen ausschließlich aus Babelsberg. Sein Kollege Armin Mueller-Stahl hatte da weitaus mehr Glück – auch mit „Kunstregisseuren“. (Vielleicht lag das daran, dass er schon ganz zu Beginn seiner Karriere im Westen sich den Luxus leistete, auf Rollen in bestimmten Fernsehserien zu verzichten.) Eigenartigerweise wurden beide Schauspieler früher mitunter verwechselt, manche behaupteten gar, der eine würde versuchen, den anderen zu imitieren. Krug sei „eher der proletarische Typ“, doch verwechseln, gar imitieren? Mueller-Stahl: „So ein Quatsch. Was hätte ich imitieren sollen? Seine Schauspielerei? Seinen Charakter? Aber den lustigen Teil an ihm mochte ich sehr. Wenn es um den Spaß ging, haben wir uns prima verstanden.“ (2001, zu Christiane Peitz).

Michael Hanisch (film-dienst 2/2002)